Als ich meiner Frau von dem Vorhaben „die Nagelfluhkette zu laufen“ erzählte, erklärte sie mich für verrückt. Ich hörte dann nur noch „…du wolltest so etwas doch nicht mehr machen, oder“? Naja, ich habe mich dann entschieden es durchzuziehen. Es war mal wieder so eine verrückte Idee von mir. Jetzt sollte es von der Hochgrat- Talstation über den Grat zum Mittag gehen. Runde 21 km und das alles unter 7 Stunden. Es sollte nicht leicht werden. Aber wer hatte auch etwas von Einfach gesagt.

Ausgangspunkt: Oberstaufen, Bergstation der Hochgratbahn (1705 m)
Endpunkt: Immenstadt, Bergstation der Mittagbahn (1410 m)
Tourdaten: Höhendifferenz: 800 Höhenmeter aufwärts, 1100 Höhenmeter abwärts.

Über den Grat (1)

In der Vorplanung zu diesem Event half mir das neue Wanderbuch „Allgäu“ von Bergjournalist Frank Eberhard. Alles Wichtige zur Lauftour konnte ich hier schon einmal entdecken.

Einige, wirklich, steile Kilometer liegen zwischen der Hochgrat-Talstation, dem Hochgrat selbst als höchstem Gipfel der Nagelfluhkette und dem Mittag, der den Bergkamm im Osten abschließt und als Aussichtswarte hoch über dem Illertal und Immenstadt sehr geschätzt wird. Der Hochgrat (1834 m) selbst wird häufig bestiegen, denn überaus bequem ist der kurze Anstieg von der Bergstation mit der Bergbahn.

Auf den Gipfel und weiter über den Grat

Doch ich wollte HOCH laufen. Die Strecke zum Hochgrat-Gipfel hatte 6040 m und eine Höhendifferenz von 850 m. Start war an der Hochgratbahn Talstation. Eine rund zwei Kilometer lange Asphaltstrecke lässt bereits nach dem Start den beschwerlichen Anstieg zur Bergstation in 1708 m Höhe erahnen, denn die Steigung ist hier bereits beträchtlich. Nach einer 500 m langen Erholung geht es zunächst durch Waldgelände, später über Wiesen serpentinenartig auf zumeist steinigen Bergwegen aufwärts.

Über den Grat (1)

Zu sehr hetzen (hetzen ????) lassen sollte man sich jedoch nicht, denn dann kann man das durchweg schöne Panorama – auch bei diesem Extremlauf – nicht mehr richtig genießen. Tipp von mir: Wer schon früh morgens (bis ca. 9.00 Uhr) die Hochgratbahn nimmt und keine allzu langen Pausen einlegt, sollte eigentlich keine Probleme haben, die Mittagbahn rechtzeitig zu erreichen. Damit hatte ich kein Problem, da mich meine Frau an der Talstation in Immenstadt abholen würde. Ich wollte alles LAUFEN! Nur vom Mittag ins Tal da wollte ich die Bergbahn nutzen.

Über den Grat (9)

Es geht los!!

Ich brauchte von der Talstation bis zum Hochgrat etwa 90 Minuten PPPPUUUUHHHHH.. Kleine Pause und dann ging es in die Hölle. Wie schon gesagt, zum eigentlichen Gipfel (1834m) ist es von der Bergstation aus nur noch ein kurzes, aber durchaus steiles Stück Weg.

Über den Grat (3)

Die vorbildliche Beschilderung im Naturpark Nagelfluhkette macht die Orientierung leicht, jenseits des Gratwanderweges gibt es hier oben allerdings sowieso kaum alternative Wege.

Über einen guten Bergweg geht es leicht, dann ein kurzes Stück steiler in den weiten Sattel, der Brunnenauscharte (1626 m) hinab. Hier besteht bei Wetterverschlechterung eine erste Abbruchmöglichkeit (für mich heute keine Option, denn ich will zum Mittag und das Wetter ist sehr gut). Auf der anderen Seite steigt man zunächst etwas steiler, dann recht flach über einen breiten Wiesenkamm bergan. Dieser führt weiter zu einem kleinen Sattel und zur Weggabelung vor dem Rindalphorn. Hier sollte man den kurzen Abstecher nach links (kurz leichtes Felsgelände) zu dem 1821 m hohen Gipfel nicht versäumen.

Der Abstieg vom Rindalphorn ist aufgrund des felsigen Weges etwas mühsam, aber schnell geschafft (iregendwie laufe ich nicht so gerne über Felsen). Zum Abstieg geht es für mich zunächst wieder zurück zum Wegweiser, dann rechts in einer Gras- und Geröllgasse weit hinunter in die Gründlesscharte. Viel Zeit zum Erholen bleibt mir aber nicht, der Aufstieg durch die Scharte führt gefühlt fast senkrecht nach oben zum Gündleskopf (1748m). Ich war aber noch sehr frisch und so ging es im Laufschritt rasch weiter.

Über den grat 20 (2)

Dahinter läuft es kurz leicht ausgesetzt am Nagelfluhgrat entlang (Drahtseile), bevor man den Wiesenrücken des als Gipfel wenig ausgeprägten Buralpkopfes erreicht. Hinter diesem laufe ich ein längeres Stück zumeist sehr schön wieder hinab. An dem folgenden Bergsattel (Wegweiser: »Sedererstuiben, Mittagbahn«) habe ich dann etwa die Hälfte der Strecke erreicht (gut zu wissen).

Abermals führen ins Wiesengelände eingegrabene Wegspuren nach Osten bergan. Der Weg wird wieder besser (hier lege ich etwas an Tempo zu) und umgeht flach den kleinen Gipfel Sedererstuiben an dessen Nordseite, dann führt er leicht ansteigend zum Gipfel des Stuiben (1749 m) hinauf. Ich folge der Beschilderung »Mittag« und dem Kamm nach Osten und komme zur Schlüsselstelle der Tour. Schon bei der Vorplanung der Tour, habe ich mir dazu schon Gedanken gemacht.

Direkt rechts unterhalb eines Felsgrates wird hier mit Hilfe von Drahtseilen abgestiegen. Der Weg teilt sich bisweilen auf, dabei ist der Hauptweg blau markiert und führt nördlich leicht unterhalb des Kammes nach Osten. Dort erreiche ich eine Wegkreuzung und folge der Beschriftung »Mittag« nach halblinks. Die nächste mit Drahtseilen gesicherte Felspassage ist nicht mehr weit.

Einer der aufregendsten Abschnitte (für mich) ist der Weg vom und zum Gündleskopf. Über eine mit Stahlseil gesicherte Stelle gilt es ein felsiges Gratstück von etwa 30 Metern Länge zu überqueren. Ohne dieses Seil wär ich wohl  ins Grübeln gekommen, hier überhaupt weiterzugehen. Ich muss erst einmal tief Luft holen – eine abenteuerliche Mutprobe. Trotz alledem, der Abschnitt ist atemberaubend.

Dafür geht es im Anschluss aber auch erst einmal eine ganze Weile entspannt weiter. Der Buralpkopf (1772m) ist schnell erreicht, erst wenn es zum Sedererstuiben (auch einfach Sederer genannt, 1737m) hinauf geht, wird mein Lauf wieder anstrengend.

Für mich die Schlüsselstelle des Laufes ist der Übergang zum Buralpkopf. Hier brauche ich Trittsicherheit und absolute Schwindelfreiheit! (Gut das dieser Teil des Weges schnell vorbei war). Mit Hilfe eines Drahtseiles ging (laufen war hier nicht angesagt!!) es über den Ostgrat, der vor nach Norden steil abbricht, in eine tiefe Scharte. Nach einem weiteren Gegenanstieg stand ich dann auf dem Sedererstuiben und lief ein wenig entspannter hinüber auf den Stuiben. Der großartige Rundblick entschädigte mich wieder einmal für die Mühen dieser Tour.

Nun ist es nicht mehr weit zum letzten Gipfel meiner Tour, dem 1660 m hohen Steineberg. Dessen Name erschließt sich erst, wenn man von dort die steile Eisenleiter abgestiegen ist. Die Leiter wurde direkt in dem nach Norden steil abfallenden Nagelfluhgestein des Steineberg verankert. Es gibt auch eine leichtere Variante (diese bin ich gelaufen) für die man vom Gipfelkreuz ein Stück zurückgehen muss (gut beschildert). Am Fuß der Leiter, wo auch die leichtere Variante hinzustößt, folge ich dem mit Holzstufen angelegten Weg weiter bergab und gelange in Waldgelände. In einem letzten ganz leichten Anstieg erreiche ich schließlich das Gipfelkreuz des Bärenkopf – das eigentlich gar kein Gipfelkreuz ist, da sich der höchste Punkt rechts davon auf einer Waldkuppe befindet – und folgt von hier einem Fahrweg, der direkt zur Bergstation der Mittagbahn führt, wo ich mir eine Erfrischung mehr als verdient habe.

Talstation Hochgratbahn bis Bergstation Mittag – in unter 7 Stunden. Und was für ein herrlicher Anblick – meine Frau war pünktlich an der Talstation um mich abzuholen. Der Tag endete, wie er begonnen hatte – SUPER!!

Über den Grat