Ich wohne jetzt seit rund 4 Jahren hier in Cuxhaven an der Nordseeküste. Da es hier kaum, oder auch keine Berge gibt, bin ich zum Ship-Runner mutiert und laufe mit den riesigen Containerschiffen um die Wette. Aber, ehrlich gesagt, ein richtiger Berglauf wäre auch mal wieder Toll.

Die einzigen Berge in Cuxhaven sind die Aufgänge auf den Deich. Hier beispielsweise der Anstieg auf die Deichspitze an der Grimmershörn Bucht. Meine Laufstrecke (in diesem Sommer) – hin und zurück, sowie mehrmals rauf und runter – ca. 9 km.

So weit, so gut – ich wollte dann mal wieder etwas Besonderes machen per Pedes, also in Laufschuhen, über 11 Treppen laufen. Die berühmte Aussage an Jan Ullrich im Hinterkopf „Quäl dich du Sau“. Eigentlich hätte mir das Streckenprofil schon den Mut nehmen sollen, aber ….. wenn man es nicht ausprobiert hat, weiß auch man nicht ob man es geschafft hätte.

So habe ich mir eine Challenge überlegt, eine Treppen-Challenge: 11 Treppen, 420 Stufen rauf, 420 Stufen auch wieder runter, bei einer Laufstreckenlänge von ca. 10 km.

Als ich meiner Frau von dem Vorhaben erzählte, erklärte sie mich für verrückt. Ich hörte dann nur noch „…du wolltest so etwas doch nicht mehr machen, oder“? Naja, ich habe mich dann entschieden es durchzuziehen. Es war mal wieder so eine verrückte Idee von mir. Hier mein Bericht!

Treppen, Treppen, Treppen ….

Eigentlich ist das Unternehmen schon bekloppt, immerhin sind es 11 Treppen mit je einmal rauf und runter und pro Treppenstrecke zwischen 28 und 46 Stufen.

Also, Treppe rauf und wieder hinunter, laufen (Anfangs sogar noch rennen), nächste Treppen wieder hoch, den ersten Treppenansatz übersprintet und dann immer schön zwei Stufen … Ich habe mir für die rechte Hand einen Handschuh angezogen um mich festhalten zu können und keine Blasen zu bekommen. Und wenn nichts mehr geht, kann ich mich auch gut am Geländer hochziehen (hoffentlich wird es dazu nicht erst kommen).

Es war ein, für diese frühe Jahreszeit, sonniger Sonntag 7:30 als ich am Fuß der ersten Treppe stand. Bis dahin hatte ich mich – über 2,5 km – schon einmal warm gelaufen.

Es geht los! Ein wenig aufgeregt bin ich schon. Schaffe ich das? Aufgeben ist keine Option!

Treppe 1! Zum Aufwärmen laufe ich, aus Übermut, gleich zweimal rauf und runter. Was ich jetzt noch nicht weiß, zum Schluss des Laufes, wird mir diese zweite Runde noch sehr Schmerzen bereiten.

Treppe 1 geschafft. 850 Meter weiter wartet schon die 2. Treppe. Hier geht es schnell runter und wieder rauf auf den Deich. Weiter zur rund 900 Meter entfernten Treppe 3. Hier geht es dann erst einmal runter und dann wieder rauf. Von der Deichspitze dann runter in die Grimmershörnbucht und dort weiter zur Treppe 4 (etwa 500 m). Ein “richtige“ Treppe ist das hier eigentlich nicht, aber so etwas Ähnliches.

Ich laufe, und laufe, und laufe ….Meine Handy-App sagt 9 Minuten für den Kilometer – so schnell? Hoffentlich geht das gut? Ich bin jetzt schon am Limit. War wohl doch zu schnell. Ich schalte zwei Gänge zurück.

Oben angekommen, am Jonathan Zenneck-Stein, geht es nun um die Ecke in Richtung Duhnen, zu den nächsten Treppen 5, 6 und 7. Ich habe jetzt den Wind glücklicherweise im Rücken. Bis zur Treppe 5 sind es 100 Meter – runter und rauf – dann 100 Meter zur Treppe 6 – runter und rauf – und 150 Meter zur Treppe 7 – runter und rauf und 280 Meter zur Treppe 8.

Während ich einen Schritt vor den Anderen setze, kommt es mir plötzlich in den Sinn: Wie peinlich wäre es jetzt aufzuhören? Die Treppe 8 naht, da passiere ich ein Schild, auf das jemand einen Aufkleber mit einer kleinen Schnecke geklebt hat. Witzbold. Naja, bin ich wirklich so langsam? Die Sonne wärmt jetzt und weil die Treppe 8 eine neue Treppe ist mit breiteren Stufen, die besser zum Laufen sind,  versuche ich meine Jacke auszuziehen. Dabei zerre ich mir irgendwie meine schon kaputte Schulter. Fein, denke ich, nun habe ich wenigstens noch anderswo einen Schmerz, auf den ich mich fokussieren kann.

Es geht 100 Meter bis zur Treppe 9. Tief in mir schreit eine zornige Stimme. Stopp, stehen bleiben, Aus! Was für eine dämliche Idee aber auch: Eine Treppen-Challenge! Ich laufe im niedrigsten Gang. Gleich bleibe ich stehen – bloß nicht. Hier machen sich jetzt die ersten Wadenprobleme bemerkbar. Erst einmal DEHNEN! Noch drei Treppen bis zum Endpunkt.

Jetzt macht sich auch die zusätzliche Rund an Treppe 1 bemerkbar. Ich muss erst einmal etwas trinken. Im Laufen versuche ich an meinen Energieriegel im Laufrucksack zu kommen. Er verspricht neuen Treibstoff: vier Gramm Eiweiß, 36 Gramm Kohlenhydrate, fünf Gramm Fett, zwei Gramm Ballaststoffe, 201 Kilokalorien in 56 Gramm Riegel. Ihn herunterzuwürgen bereitet Probleme. Als ob ich davon nicht schon genug hätte. Noch drei Treppen bis zum Ziel. Ich spüle mit Wasser aus meiner Trinkflasche hinterher. Die ist aber auch schon fast leer.

So, nächste Treppe in ca. 1500 Metern mit sehr hohen Stufen. Als ob es nicht auch eine Norm für so etwas gäbe. Aber was soll’s! Rauf und runter und weitere zur letzten Treppe. Es sind noch 100 Meter. Der Wind treibt mich voran in Richtung Duhnen. Dann zum letzten „rauf und runter“ und FERTIG! Mein Ziel ist für heute erreicht.

Aber….es ist noch nicht vorbei. Denn es geht noch rund 1,5 km nach Hause. Das war ein erfolgreicher Sonntag-Morgen. Jetzt unter die Dusche und dann ein leckeres Brötchen – frisch von meiner Frau gebacken – und dann ist es für heute vorbei.

Schluss-Ende-Aus!!

Vielleicht wollt Ihr ja auch einmal solch eine Treppen-Challenge machen. Dann mal Los! Sonst wünsche ich euch viel Spaß bei einer schnellen Runde über den Berg, eine gemütliche Strecke zur Bäckerei – eigentlich ist es aber egal „Wie, Wohin und Wie lang“ Hauptsache ihr habt Spaß!!