Zu Hause bleiben – das ist in Corona-Zeiten das Gebot der Stunde. Nur: Was die Bleibe betrifft, gibt es eben solche und solche. Einsame, unbewohnte Inseln wären da eine gute Idee. Es gibt Zeiten, in denen wünscht man sich an einem abgeschiedenen und einsamen Orte zu sein. Dann habe ich vielleicht hier die richtigen Ort für Sie.

Für alle, die sich den Corona-Virus, aber auch ihre nervigen Mitmenschen auf den Mond wünschen und am liebsten mal wirklich ganz alleine wären, gibt es gute Neuigkeiten: Es gibt Orte auf dieser Welt, die nur sehr schwer zugänglich sind und an denen sich demnach auch nur sehr wenige bis keine Menschen befinden. Als Pol der Unzugänglichkeit oder der (relativen) Unerreichbarkeit werden diese Orte auf der Erde bezeichnet, die sehr abgelegen liegen und eine extrem weite Entfernung zur nächsten Küste aufweisen.

Einsam aber sicher ist es auf der Bouvetinsel: Die abgelegenste Insel ist wohl die unbewohnte Bouvetinsel. Für Corona-Flüchtlinge taugt die Vulkaninsel, die im Südatlantik liegt und seit 1930 von Norwegen abhängig ist, jedoch kaum. Wegen des rauen Klimas gibt es dort – neben Albatrossen, Pinguinen und anderen kälteresistenten Vögeln – vor allem Flechten, Moose und Pilze. Und auch sie wachsen nur dort, wo der karge Boden nicht vereist ist.

Bouvet-Island: 2510 km bis zum Kap der guten Hoffnung; 1700 km bis zur Antarktis; 1910 km bis Tristan da Cunha

Point Nemo: Hier ein weiterer Ort an dem ihr definitiv eurer Ruhe vor Corona und vor allem anderen Menschen habt: Point Nemo, der wohl einsamste und abgelegenste Ort der Erde! Der Pazifische Pol der Unzugänglichkeit (auch Point Nemo genannt) befindet sich bei den Koordinaten 45°52.6S, 123°23.6W und ist die Stelle auf der Erdoberfläche, die am weitesten von Festländern und Inseln entfernt ist. Er befindet sich im südlichen Pazifik, 2688 km vom nächstliegenden Land.

Point Nemo wurde nach Kapitän Nemo benannt und ist kein Landstrich, sondern die Stelle im Ozean, die am weitesten von allen Küsten und damit anderen Menschen entfernt ist als irgendein anderer Ort der Erde. Genau 2.688 Kilometer würden Sie an dieser Stelle von den Osterinseln trennen. Dort, auf der Ducie Island, könnten Sie sich gegebenenfalls niederlassen. Die Insel ist rund zwei Kilometer lang und bisher nicht bewohnt. Möchten Sie Point Nemo ansteuern, sollten Sie sich um ein gutes Boot bemühen und nicht vergessen, genügend Proviant einzupacken, denn die Reise wird wohl einige Wochen in Anspruch nehmen. Die Koordinaten lauten: GPS [45°52.6S, 123°23.6W].

Weiter weg als Point Nemo ist kein anderer Ort der Welt. Das hat der kroatische Vermessungstechniker Hrvoje Lukatela 1992 mithilfe eines Computerprogramms errechnet. Seither ist klar: Das einsame Fleckchen befindet sich zwischen Chile und Neuseeland im südlichen Pazifik. Von hier aus sind es genau 2688,22 Kilometer nach Ducie Island (Teil der Pitcairninseln), Motu Nui (Nebeninsel der Osterinsel) und Maher Island (Antarktis).

Zum Vergleich: Der Abstand zwischen der Internationalen Raumstation ISS und unserem Planeten beträgt lediglich 408 Kilometer.

Der abgelegenste Ort ist auch als Pazifischer Pol der Unzugänglichkeit bekannt, weil er nur sehr schwer zu erreichen ist. Eine Schiffsreise dorthin würde rund zwei Wochen dauern. Das schnellste Boot brauchte 15 Tage, 10 Stunden und 37 Minuten nur um dort hinzukommen.

Die weite Entfernung zum nächsten Land hat zur Folge, dass es hier im Wasser kaum Nährstoffe gibt. Der Wind kann sie einfach nicht so weit tragen. Das beschert Point Nemo einen weiteren Superlativ: Es handelt sich bei ihm um den «biologisch inaktivsten Ort aller Ozeane», wie Meereforscher

Wenn Ihr also Schutz vor dem Corona-Virus sucht, oder nur einmal abschalten wollt, weg vom Berufsstress, usw. da wäre Point Nemo eine interessante Alternative. Aber nicht nur wenige Menschen verirren sich hier her. Auch die Flora und Fauna ist eine ganz andere als auf der restlichen Erde, da Point Nemo in der Meeresströmung des sogenannten Südpazifischen Wirbels liegt. Das rotierende Wasser dort hält anderes, nährstoffreicheres Wasser ab – zudem ist das Festland derart weit entfernt, dass der Wind kaum Nährstoffe irgendeiner Art zum Point Nemo tragen könnte, die

Und noch ein wichtiger Rat: Der Mount Everest „Ganz oben“ ist zu Point Nemo keine Option. Im Basislager und auf dem Gipfel gibt es viel zu viele Menschen. Abstand halten ist hier nicht machbar. Selbst ganz oben am Everest-Gipfel trifft man manchmal bis zu 20 Bergsteiger und mehr.

ACHTUNG, ACHTUNG!!

Wenn ihr also mal ganz viel Langeweile habt oder wirklichen Schutz vor der Corona-Krise und dem Virus sucht, dann solltet ihr den Pol der Unerreichbarkeit besichtigen und so richtig abschalten. Nur eins sei dazu noch gesagt: Nehmt eine Menge Proviant mit, denn allein die Hinreise mit dem Boot dauert gut 15 Tage (oder auch mehr !!). Wer es trotzdem einmal versuchen will, hier sind die Geodaten von Point Nemo: 45°52.6S, 123°23.6W – aber denkt dran, hinfahren ist schon ein Problem, zurückfahren ein Weiters. Trotzdem viel Spaß.

Elephant Island: 1300 Kilometer südwestlich von Südgeorgien, 935 Kilometer südlich der Falklandinseln und 885 Kilometer südöstlich vom Kap Hoorn

Elephant Island (61°10’S, 55°14’W) – unbewohnt: Elephant Island ist etwa 47 Kilometer lang und 27 Kilometer breit, und liegt 1300 Kilometer südwestlich von Südgeorgien, 935 Kilometer südlich der Falklandinseln und 885 Kilometer südöstlich vom Kap Hoorn. Sie ist die nördlichste der Südshetlandinseln und erstreckt sich hauptsächlich in Ost-West-Richtung – und sie ist unbewohnt.

Die felsige Insel weist aufgrund des widrigen Klimas kaum Flora oder Fauna auf, nur Eselspinguine und Robben leben hier. Anlandungen gelingen aufgrund der widrigen Windverhältnisse nur selten.

Paulet Island (63°34’S, 55°47′W) – unbewohnt: Paulet Island ist eine kleine, beinahe kreisrunde, unbewohnte Vulkaninsel an der Spitze der Antarktischen Halbinsel. Sie ist 2,2 Kilometer lang und maximal 1,5 Kilometer breit und liegt 5,2 Kilometer südöstlich der Dundee-Insel. Der Vulkankegel ist 353 Meter hoch. Die Anfahrt zur Insel ist nicht immer einfach oder überhaupt möglich, da der im Winter um die Antarktis gewachsene Eisgürtel im Sommer nur zögernd oder auch gar nicht aufbricht.

Weitere unbewohnte Inseln

Die beiden Inseln Devon Island (55.247 km²) und Melville Island (42.149 km²) im kanadisch-arktischen Archipel sind die größten unbewohnten Inseln der westlichen Arktis. Es gibt dort noch sechs weitere unbewohnte Inseln, die jeweils größer als 10.000 km² sind sowie unzählige kleinere.

Howland Island

Howland Island: Die Insel ist 2,5 Quadratkilometer groß und unbewohntUm die Insel zu erreichen sind es 1640 km von Samoa, 3030 km von Hawaii und 1750 km von Pukapuka.

Howland Island: Von hier sind es 1640 km bis Samoa, 3030 km bis Hawaii und 1750 km bis Pukapuka.

Sankt-Paul-Island: Die Insel ist 7 Quadratkilometer groß und unbewohnt. Die Anreise wird sicher lang und schwierig. Es sind 3010 km bis zur Antarktis, 4290 km bis Südafrika und 2260 km zur Possession-Insel.

Sankt-Paul-Insel: 290 km bis Südafrika und 2260 km zur Possession-Insel

Süd-Thule (Südliche Sandwichinseln): Auch hier ist man für eine Anreise sehr lange unterwegs. Es sind 740 km bis Südgeorgien, 1400 bis zur Antarktis, und 960 km bis nach Laurie-Island.

Süd Thule: Es sind 740 km bis Südgeorgien, 1400 bis zur Antarktis, und 960 km bis nach Laurie-Island.

Fangataufa (Tuamoto-Archipel): Das Archipel war 1966-96 Testgelände für Kernwaffen, also zum Betreten nicht unbedingt geeignet. Es liegt 40 km von Moruroa, 4410 km von Neuseeland, und 810 km von Rapa Iti.

Fangataufa (Tuamoto-Archipel): Es liegt 40 km von Moruroa, 4410 km von Neuseeland, und 810 km von Rapa Iti.

Devon Island: Auf der größten unbewohnten Insel der Welt herrschen jährliche Durchschnittstemperaturen von -16°C. Den paar Dutzend Moschusochsen und Lemmingen an der Nordküste scheinen die arktischen Zustände nichts auszumachen – kein Wunder, bei der blendenden Schönheit der eisigen Szenerie. Neben einigen arktischen Vogelarten, die an den seltsam erhöhten Stränden und Seen brüten, gibt es in dieser Polarwüste nicht viel Leben. Dafür befindet sich hier der nördlichste Friedhof der Welt, Dundas Harbour, auf Devon Island. Hier ein Wort der Warnung: Die raue arktische Wildnis erfordert vom Besucher schon einiges an Kondition.

Macquarieinsel – aber bewohnt: Irgendwo im südwestlichen Teil des Pazifiks, ungefähr auf der Hälfte der Strecke zwischen Neuseeland und der Antarktis, ragt eine kuriose, kleine Insel aus dem Ozean. Die einzigen 20-40 Menschen, die hier auf der australischen Macquarieinsel ausharren, gehören zur australisch-antarktischen Division.  Die einzige Möglichkeit, auf die Insel zu gelangen, bietet eine drei- bis viertägige Bootsfahrt, entweder aus Neuseeland oder Tasmanien.

INteressant: Der einzige Ort im Pazifik, an welchem Gestein aus dem Erdmantel an die Oberfläche dringt, gehört auch zu den wolkenreichsten Teilen der Welt. 856 Stunden scheint die Sonne im Jahr auf die Macquarieinsel – das ist etwa halb so viel, wie in Berlin. Kälte und Dunkelheit lassen Pflanzen auf der Insel selten 1m hoch werden, Bäume gibt es keine.

Balls Pyramide ist der Erosionsrest eines Schildvulkans und einer Caldera die 20 Kilometer südöstlich von Lord Howe Island im Pazifischen Ozean liegt . Er ist 562 Meter hoch, misst 1.100 Meter lang und nur 300 Meter breit und ist damit der höchste vulkanische Stapel der Welt. Einzige Besucher: Kletterer!!

Balls Pyramide

Die steile, erodierte und vor 6,4 Millionen Jahren entstandene Balls Pyramide liegt in der Mitte eines U-Boot-Schelfs und ist von rauer See umgeben, was jede Annäherung erschwert.

Tristan da Cunha ist eine Inselgruppe im südlichen Atlantischen Ozean, zu der neben der gleichnamigen 98 Quadratkilometer großen Hauptinsel Tristan da Cunha noch weitere, kleinere Inseln gehören.

Auf der Hauptinsel, die als die abgelegenste bewohnte Insel der Welt gilt, leben 270 Einwohner im einzigen Ort namens Edinburgh of the Seven Seas. Das britische Überseegebiet liegt ziemlich genau in der Mitte zwischen Kapstadt und Bueons Aires im Atlantik. Alle paar Monate kommen Versorgungsschiffe vorbei, die zuweilen auch Touristen mitnehmen.

Clipperton Atoll: Palmen, weißer Sandstrand, türkisblaues Meer und ein vorgelagertes Korallenriff: Clipperton Island bringt, auf den ersten Blick, eigentlich alles mit, was eine Trauminsel so ausmacht. Dennoch ist das kreisrunde Atoll im Pazifik seit mehr als 100 Jahren unbewohnt.

Der Hauptgrund dafür ist die abgeschiedene Lage: Mehr als 1000 Kilometer liegen zwischen Clipperton Island und der südwestlichen Küste Mexikos, 2269 km zu de Galapagosinselnm , und 950 kmbis SocorroZudem ist das Atoll mit 8,9 Quadratkilometern nicht gerade sehr groß, die begehbare Landfläche beträgt sogar nur 1,7 Quadratkilometer. Der größte Teil besteht aus Wasser, im Inneren des Atolls liegt eine Lagune. Seevögel, Krabben und andere Tiere bevölkern Clipperton Island. Tropische Regengüsse und Hurrikans sind keine Seltenheit. Tagsüber steigen die Temperaturen zum Teil auf mehr als 40 Grad. Menschen verirren sich deshalb nur äußerst selten hierher.

Dass Menschen nach Clipperton Island kommen, passiert heute nur noch äußerst selten. Ein paar Ornithologen um die Vogelwelt zu erforschen, oder der französische Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau der 1978 einen Film über Clipperton Island drehte. Ohnehin ist das Betreten offiziell nur noch für wissenschaftliche Zwecke erlaubt.

Buch zum Thema: „Atlas der abgelegenen Inseln“
Wer jetzt noch mehr dazu lesen will hier ein Buchvorschlag:
Judith Schalansky’s „Atlas der abgelegenen Inseln“ – Fünfundfünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde.

Es gibt abgelegene Insel, weit, weit, weit draußen auf den Weltmeeren. Inseln ohne, mit wenigen oder auch vielen Einwohnern. Inseln, die man vielleicht kennt, wie die Osterinseln, oder noch nie davon gehört hat, wie das Clipperton-Atoll. Inseln, wo der normale Mensch wohl nie hinreisen wird.

Judith Schalanskys bietet in ihren Buch fünfundfünfzig Inseln, auf denen auch ich nie war und niemals sein werde – Fernweh zwischen zwei Buchdeckeln. Dabei ist eines ganz klar, wer dorthin reisen will muss dies in seinem Kopf stattfinden lassen, mit dem Finger auf der Landkarte, außer er hat Zeit (viel davon) und Geld (auch viel davon). Doch mit Schalanskys Neuausgabe (fünfundfünzig Inseln) geht das richtig gut.

Eines sollte einem, vor Lesebeginn klar sein, das Buch „Atlas der abgelegenen Inseln“ erzählt nicht über Urlaubsidyllen, sondern über fünfundfünfzig wirklich entlegene Inseln. Es erzählt nicht über Palmen am Strand, sondern über das, was das für Inseln sind, wie sie entstanden und wer sie vielleicht doch einmal besucht hat.

Ich liebe dieses Buch, und ich liebe die Geschichten dazu. Ein spannendes Buch mit einem großartigen Layout. Ich weiß gar nicht, wie oft ich schon darin geblättert habe, und wie oft ich mir vorgestellt habe, zu einer dieser Inseln einmal zu Reisen.

Produktinformation
Atlas der abgelegenen Inseln (Neuausgabe)

Mare Verlag
160 Seiten

ISBN: 978-3-86648-683-6

Preis: 36,00 Euro