Ob mit Teig an den Händen oder mit Shampoo im Haar, ob im Flugzeug, auf der Toilette oder beim Bierchen im Ecklokal – egal: Wenn es klingelt, dann laufen wir. Das Läuten ist unwiderstehlich. 90% der Deutschen folgen seinen Ruf.

Sind wir also dem Hörer hörig?

Das Telefonieren, besonders das mobile Telefonieren, entspricht einem generellen Bedürfnis der Menschen, aus ihrer gesellschaftlichen Isolation auszubrechen. Das Telefon wird zu einem neuen Talisman, der immer mit dabei, dieses Bedürfnis überall erfüllen kann.

Die Telefonitis grassiert: Millionen Deutscher besitzen inzwischen einen solchen Sprechapparat. Kaum jemand möchte noch ohne Anschluss und somit unerreichbar sein.

Das Telefon gehört inzwischen zur Grundausstattung unserer Gesellschaft. Ohne den alle verbindenden Apparat geht`s nicht mehr. Künftig brauchen wir auch während des Spaziergangs in der Mittagspause oder beim Einkaufen nie mehr auf unseren kleinen Talisman zu verzichten. Dabei wird dann schon mal das Ohr heiß oder der Arm steif – Vieltelefonierer nehmen`s gelassen.

Das Telefon, das wir jetzt überall so leicht zur Hand nehmen können, führt uns jederzeit und egal an welchem Ort zu einem kleinen interessanten Schwätzchen oder einer wichtigen Besprechung zusammen. Doch ob nach zwei Stunden oder fünf Minuten – am Ende quälen wir uns mit der Frage: „Wie sag ich`s nur meinem Gesprächspartner?“ jeder vierte Telefonbesitzer rechtfertigt den Schluss seines Gespräches mit einer Ausrede. Das Repertoire reicht von „Du, es klingelt an der Tür“ bis zu „Oh mein Gott, die Milch kocht über“. Dabei geben die wenigsten zu, dass sie lieber zur Gartenliege zurückkehren möchten.