Technik setzt uns täglich Risiken aus: Wenn wir das Mobiltelefon am Ohr halten, sind wir elektromagnetischer Strahlung ausgesetzt; bei der Fahrt zur Arbeit könnten plötzlich die Bremsen versagen. Wie wir mit diesen Risiken umgehen, ist individuell. Es gibt Menschen, die nur per Bahn in die Ferien fahren, weil sie Angst vor Flugunfällen haben. Andere verbringen ihre Freizeit mit Bungee-Jumping oder risikoreichen Kletterpartien.

Hätte man doch…, wäre dieses oder jenes…!! Hinterher weiß man immer alles besser. Dazu muss man nicht so ein kleinlicher Besserwisser sein, wie jener Sixtus Beckmesser aus Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“. Risiko leitet sich aus dem frühitalienischen „ris(i)co“ ab, die Klippe, die es zu umschiffen gilt.

Doch es gibt auch Gefahren, denen sich der Einzelne nicht ohne weiteres entziehen kann. Dazu gehören Risiken, die von neuen Technologie wie der Gentechnik oder der Nanotechnologie ausgehen. Die Gesellschaft muss sich damit auseinander setzen, wie sie mit neuen Technologien und den möglichen Folgen umgehen will. Dabei gilt es, individuelle Sichtweisen und die Anliegen des Kollektivs zusammenzubringen – ein aufwendiges und vielschichtiges Unterfangen, das paradoxerweise selbst wieder mit Gefahren verbunden ist.

Freilich, Risiken lassen sich nicht aus dem Kaffeesatz lesen. Vielmehr bedarf es qualifizierter Informationen für eine sichere Risiko-Vorhersage. Aber statt dessen heißt es oft genug: „Wenn man das gewusst hätte“. Niemand kommt um die Zwangsläufigkeit herum, mit einem gewissen Risiko leben zu müssen. Man fragt sich jedoch, wie man damit umgehen soll? Die Vogel-Strauß-Methode sollte dabei lieber nicht als Vorbild dienen.

Viel besser ist es, sich beizeiten auf mögliche Risiken einzustellen; vorhandene oder erkennbare Risiken wenigstens in Umrissen auszumachen. Irgendwann aber tritt dann eine Situation ein, wovon der Volksmund sagt: „man habe die Rechnung ohne den Wirt gemacht“. Mit anderen Worten: Risiken wurden falsch eingeschätzt oder sogar übersehen.

Das Thema Risiko ist komplex und hat zahlreiche Facetten. Nicht Einzelfälle von Schlamperei, Leichtsinn oder kriminellen Machenschaften seien verantwortlich Gentechnologe oder gar der Steuerzahler? Lässt sich ein Produkt nicht versichern, so gilt es in der öffentlichen Wahrnehmung als gefährlich. Die Risikobeherrschung ist bei Systemrisiken ist also nicht mehr nur eine Frage des technischen Risiko-Managements, also der konkreten Unfallverhinderung.

Risk-Management ist hier das Schlagwort unter dem in den letzten Jahren risikopolitische Analysen intensiv diskutiert wurden. Doch über Notwendigkeit und Nutzen gehen die Meinungen sehr stark auseinander. Risk-Management heißt, das Risiko managen, es in den Griff zu bekommen und ihm keine Chance geben. Also, Gefahr erkannt, Gefahr gebannt!!

Darum tut jeder gut daran, sich beizeiten auf mögliche Risiken einzustellen. Ist ein Risiko erst einmal erkannt, bedeutet dies auch schon einen guten Teil an Sicherheit. Die praktische Umsetzung darf aber nicht auf die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften in der Form einer „Risikobuchhaltung“ reduziert werden. Vielmehr haben Unternehmen, die einen effizienten Risikomanagementprozess einführen, Kostenvorteile und damit auch Wettbewerbsvorteile.

Die Abhängigkeit von der Technik und den damit verbundenen Risiken steigt. Deshalb ist wichtig, dass Sicherheit nicht an eine Organisation oder einzelne Forschende delegiert wird, sondern im Rahmen einer öffentlichen Debatte diskutiert wird. Erst die verschiedenen Perspektiven zusammen machen die Dimensionen des Risikos in seiner gesellschaftlichen Relevanz deutlich.

Der Deckel muss eben frühzeitig auf den Brunnen. Nicht erst wenn das Kind hineingefallen ist. Und da sind wir alle gefragt. Denn letztendlich gehen Risiken jeden an.