Es ist schon verrückt, da schicken wir Menschen auf den Mond, ersetzen Herzen und bauen Supercomputer, kurz gesagt wir verbringen mit unserer Technik schier Unglaubliches. Doch wenn Vater Rhein wieder einmal sein angestammtes Bett verlässt, dann steht tausenden von Anwohnern buchstäblich das Wasser bis zum Hals.

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Trotz aller Fortschritte ist unsere High-Tech-Gesellschaft Naturkatastrophen wohl hilflos ausgeliefert. Voraussagen mittels Computer und anderem technische Schnickschnack, aber auch Präventiv-Maßnahmen erweisen sich mehr denn je als sehr trügerisch.

Doch der Glaube an die Technik scheint heute ungebrochener denn je. Und weil nicht sein kann, was nicht sein darf, werden Rhein-Auen als Siedlungsflächen aus gewiesen und, siehe Japan, auf weichem Sandboden scheinbar erdbebensichere Häuser gebaut.

Ein Achtel Deutschlands ist mittlerweile von Asphalt und Beton bedeckt – doppelt so viel wie zur Jahrhundertwende. Da darf man sich nicht wundern, wenn länger anhaltende Niederschläge im Uferbereich von Rhein, Main, Mosel, Donau und Inn die dort Wohnenden absaufen lassen.

Mit der abziehenden Flut aber taucht der Kostenberg auf: Eine gigantische Summe, wenn man private Verluste, Zerstörung von Infrastrukturen, die öffentlichen Kosten der Katastrophen-Bekämpfung und den Arbeitsausfall zusammenzählt. Innerhalb einiger Tage ist Europa um vielleicht bis zu 100 Milliarden von Euro ärmer geworden.

Dass die Verluste an Menschenleben dagegen minimal blieben, ist ein Glücksfall, aber doch kein Zufall. Die plötzlich hereingebrochene Not hat gezeigt, was Bürgergesellschaften zu leisten vermögen, wenn vorhandene Organisation der vorhandenen Charakterstärke zur Wirkung verhilft.

Ausgelöst wurde diese Leistung freilich durch eine Fülle von Versäumnissen, die allesamt seit langem bekannt sind und bei jeder Gelegenheit als Sprechblasen aus dem Wasser blubbern. Die wahren Opfer sind jene Stadt- und Landbewohner, die das Hochwasser über die versiegelten Auen schnurstracks und schnell wie über eine Rutsche, in ihren Häusern besuchte.

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Technik ist nun mal kein Allheilmittel,  und schon gar nicht gegen Hochwasser. Hier stößt der scheinbar alles beherrschende Mensch an seine Grenzen.

Doch egal wie gut die Vorhersagemechanismen entwickelt werden, bis erste Ergebnisse der gemeinsamen und blumig umschriebenen Bemühungen greifen, werden Jahre vergehen, in denen wir bestimmt noch mehrmals für unser Naturverschandelung bestraft werden können.

Und, wie hoch die Deiche und Flutmauern jetzt auch bebaut werden, die nächste Jahrhundert-Flut wird kommen so sicher wie Ostern und Weihnachten.