Vor einiger Zeit war ich mit meiner Frau in Frankreich unterwegs. Da bot sich für mich die Möglichkeit einige extreme Läufe zu unternehmen. Als ich meiner Frau davon erzählte, erklärte sie mich für verrückt. Ich hörte dann nur noch „…du wolltest so etwas doch nicht mehr machen, oder“? Naja, ich habe mich dann entschieden es durchzuziehen.

… und das könnt ihr erwarten:

  • Durch den Wald von Arenberg
  • An der Mauer von Geraadsbergen
  • Über die Bob- und Rodelbahn am Königssee
  • L’Alpe d’Huez: Schwitzen am „Berg der Leiden“
  • Auf dem Weg zum Everest (in Deutschland)
  • Auf den Nigerpass mit einer Steigung von 24%.
  • Kann man eine 50% Steigung laufen??
  • Durch die Annaschlucht in Würzburg – Steigung 30%
  • Die Serpentinen des Tenda-Passes
  • Im Wettkampf mit den Containerriesen

Eines meiner ersten Ziele war der Wald von Arenberg. Die Trouée d’Arenberg oder Tranchée d’Arenberg, zu Deutsch die Schneise von Arenberg, oft auch als Wald von Arenberg bezeichnet, ist ein 2400 Meter langer, gerader, mit Kopfstein gepflasterter Waldweg auf dem Gebiet der Gemeinde Wallers (Ortsteil Arenberg) im französischen Département Nord.

Extrem Laufen (5)

Die Hölle des Nordens. Kopfsteinpflaster. Schmerzen. Stürze. Und in der Mitte der spektakulären Strecke wartet eine 2400 Meter lange schnurgerade Schneise, wo Selbstüberwindung und Sturzrisiko ihren Höhepunkt erreichen. Es ist der „Wald von Arenberg“ – eine Kultstätte der Klassiker, faszinierend und verstörend. Das wollte ich auch einmal spüren – aber in Laufschuhen. Und so war es an einem schönen Sommertag soweit.

Die Einfahrt in den „Drève des Boules d’Herin“ liegt auf einer Höhe von 25 m und verläuft zunächst etwas abfallend, bevor die Straße wieder leicht ansteigt und an der Ausfahrt eine Höhe von 19 m hat. Das Pflaster liegt sehr unregelmäßig und weist eine starke Querwölbung auf. Neben dem gepflasterten Weg verläuft ein meist schlammiger Fußweg, laufen kann man den nur sehr bedingt, oder es ist ein heißer Sommer und sehr trocken.

Also heißt es auf dem Pflaster laufenund das ist brutal. Es saugt einem die Kraft aus dem Körper – und das über 2400 Meter. Wer selbst schon einmal über Pflaster gelaufen ist, hat ein Gefühl dafür, was einem dort erwartet. Die Pflastersteine sind nicht glatt, sondern unförmig und zerklüftet. Außerdem wurden sie schlecht verlegt. Es gibt fast immer einen Höhenunterschied von mindestens einen Zentimeter, eher mehr – BRUTAL. Doch selbst wenn der Weg geteert wäre, würde es beindrucken und man muß es eunmal unter seinen Füßen gespürt haben.

Ich bin die 2400 Meter gelaufen, aber eine Wiederholung werde ich mir und meinen Füßen sicher nicht antun.

Als Mauer von Geraardsbergen wird ein Anstieg auf den Oudeberg innerhalb der flandrischen Stadt Geraardsbergen bezeichnet, der vor allem als wichtiger Streckenabschnitt der Flandern-Rundfahrt bekannt geworden ist. Auch diesen Anstieg wollte ich einmal laufen.

Extrem Laufen (4)

Die Straße beginnt im Ortszentrum an dem Fluss Dender und steigt zunächst rund 500 Meter lang gemäßigt an. Danach überwindet der, von einer charakteristischen Linkskurve geprägten Teil des Anstiegs auf einer Länge von 475 Meter einen Höhenunterschied von 44 Meter. Die durchschnittliche Steigung beträgt 9,3 %, die maximale Steigung fast 20 %.

An meinem Lauftag war es recht voll – eine Menge Radrennfahrer – und ich in meinen Laufschuhen (!!!!). Einer wollte mir sogar sein Rad leihen, um die Muur zu testen. Klar habe ich nicht angenommen. Von Anstieg her ist die Mauer von Geraardsbergen nicht vergleichbar mit L’Alpe d’Huez. Aber das Flair des Radrennens spürt man, auch wenn man nur läuft – ein gelungener Run.

Extrem Laufen (2)

Dann war da die Bob- und Rodelbahn am Königssee. Ihr werdet es euch sicher denken können, auch hier wollte ich laufen. Es war ein wunderschöner Sonniger-Morgen mitten in der Woche so gegen 8:00 Uhr als mir auf einer Bergrunde am Königssee die Idee kam einmal die Bobbahn rauf und runter zu laufen – verrückt was? Aber ich habe es gemacht und es war toll! Die Gesamtlänge beträgt 1740 m mit 16 Kurven und einem max. Gefälle von 10,35%

L’Alpe d’Huez: Schwitzen am „Berg der Leiden“ war ein weiterer Extrem-Lauftag. Alpe d’Huez, ein Ort mit vielen Emotionen. Die Straße dorthin ist ein aus 21 Serpentinen bestehendes Versprechen auf Anstrengung, Stress und Tränen, ein 13,8 Kilometer langer Kampf vom Dorf Le Bourg-d’Oisans hinauf auf 1850 Meter über dem Meeresspiegel. Ich bin rauf gelaufen – mehr als bloß 21 Kurven. Und niemand hat gesagt, es wird Spaß machen

Extrem Laufen (12)

So weit, so gut – ich wollte dann mal per Pedes, also in Laufschuhen, diese 21 Kehren rauf laufen. Die berühmte Aussage an Jan Ullrich im Hinterkopf „Quäl dich du Sau“. Eigentlich hätte mir das Streckenprofil schon den Mut nehmen sollen, aber ….. wenn man es nicht ausprobiert hat, weiß auch man nicht ob man es geschafft hätte.

Streckenprofil
Etwa 1,5 km vom Zentrum von Le Bourg-d’Oisans entfernt beginnt der 13,8 km lange Anstieg auf einer Höhe von 760 m. Die Zielankunft liegt auf 1850 m. Daraus ergibt sich ein zu bewältigender Höhenunterschied von 1090 m und eine durchschnittliche Steigung von 7,9 % (!!). Die ersten Kilometer sind im Schnitt etwa 10 % steil. Im Mittelteil beträgt die Steigung rund 8 %. Der Schlussteil ist mit ca. 5,5 % verhältnismäßig flach (ha, ha,ha) Der steilste Kilometer ist der zehnte Kilometer mit durchschnittlich 11,5 % Steigung. Die steilsten Passagen befinden sich nach 3,5 km (14,8 %) und 7,5 km (14,7 %).

Als ich an diesem Morgen dem Ortsausgang von Le Bourg-d’Oisans auf 723 Meter ü. N. N. verließ, war es noch kühl. Windschutz ist also angesagt. Ich bin ganz schön nervös, schaffe ich das, oder scheitere ich? Hinter dem Fluss La Romanche folgt nach der Brücke ein Kreisverkehr. Direkt daran liegt linker Hand ein Parkplatz. Hier soll mein Startplatz sein. Meine Frau versucht mich noch von diesem Vorhaben abzubringen. Aber entschieden ist entschieden. Zur Vorsicht nehme ich mein Handy mit, falls ich doch unterwegs aussteigen möchte (hoffentlich nicht schon auf dem

Es mag anspruchsvollere Berge, auch für Läufer, geben als Alpe d’Huez. Längere, steilere, schwierigere. Die Kombination aus Länge und Steigung aber ist es, die Alpe d’Huez aus macht. 13,8 Kilometer. 7,9 Prozent Steigung im Durchschnitt. 14,8 Prozent Steigung maximal. Kaum Zeit zum Durchatmen, nirgends. Schon gar nicht zu Beginn. Da steigt die Straße gleich mit 10,4 Prozent. Bedeutet: Auf 100 Meter Länge werden in waagerechter Richtung 10,40 Meter Höhe überwunden. Mir läuft es schon kalt den Rücken runter. Vielleicht habe ich mir doch etwas zu viel vorgenommen

Und da stehe ich nun dort oben in Alpe d’Huez und atme durch und blicke auf die schneebedeckten Gipfel in der Ferne und bin ein bisschen stolz auf mich. Und ich denke: einmal Alpe d’Huez laufen war toll, extrem – aber sicher nicht noch einmal.  

Auf dem Weg zum Mount Everest – Selbsterfahrungstrip in 25 Runden. Nicht gerade kurz, aber extrem!! Mount Everest ganz nach oben, oder wenigstens bis ins Basislager – Kostet viel Geld (bis ganz rauf sind das 60.000 bis 80.000 Euro); hat wenig Sauerstoff, ganz wenig Sauerstoff; ….und ???? Naja ich glaube das schaffe ich nie. Aber es steht auf meiner Lebens-Wunschliste ganz weit oben.

Extrem Laufen (14)

Da kam mir ein Artikel über den Sächsische Mt. Everest Treppenmarathon in die Hände. Mitlaufen wollte ich da aber nicht. Da ich ganz in der Nähe auf einen Termin (Reportage) war, dachte ich mir, Mount Everest – ganz nach oben und in Nepal – geht wohl nicht, aber vielleicht Basislager so etwa 5000 m, wäre doch machbar, oder? Meine Frau schüttelte, über diese meine Gedanken nur den Kopf. Wieder so eine verrückte Idee, murmelte sie.

Um 8848 Höhenmeter zu erreichen läuft man in Sachsen 100 Mal die Spitzhaustreppe im Radebeuler Weinberg hoch und runter, dann sind 8848 Höhenmeter geschafft – ohne Atemgerät und Eispickel. Die gesamten Strecke – 8848 Meter in 100 Runden – werde ich wohl nicht schaffen. ich werde es einmal bis zum Basislager 6000 m (ca. 68 Runden) versuchen.

Deshalb bin ich zum meinem Termin einen Tag früher angereist. Noch ist man dort alleine und im Weinberg von Radebeul ungestört. Aber Treppenstufen soweit das Auge reicht. Eigentlich ist das Unternehmen schon bekloppt, immerhin steigt ja keiner 8848 Meter hoch um den Everestgipfel zu erklimmen, außer er startet direkt am pazifischen Ozean – auch das hat es ja schon gegeben.

Extrem Laufen 400

Also, Treppe rauf und wieder hinunter, laufen (Anfangs sogar noch rennen), Wende, wieder hoch, den ersten Treppenansatz übersprintet und dann immer schön zwei Stufen gehen. Ich habe mir für die rechte Hand einen Handschuh angezogen um mich festhalten zu können und keine Blasen zu bekommen. Und wenn nichts mehr geht, kann ich mich auch gut am Geländer hochziehen (hoffentlich wird es dazu nicht erst kommen).

Na, ich habe es halt versucht. Geschafft habe ich 25 Runden – das sind so etwa 2210 Höhenmeter – aber das war‘s dann auch. Wenn das schon so anstrengend ist, dann muss ich auch nicht zum Everest fahren – oder vielleicht doch? Jetzt aber habe ich erstmal 60.000 Euro gespart und überlebt!

Vielleicht komme ich ja wieder und versuche es noch einmal – vielleicht?

Auf den Nigerpass mit einer Steigung von 24%. Fazit: Bloß nicht stehenbleiben. So etwas wollte ich eigentlich nicht wieder machen. Wir waren dann für eine Woche in der Umgebung von Bozen und bei der Vorbereitung unseres Urlaubes las ich vom Nigerpass und den 24 % Steigung auf der Zufahrt. Als ich meiner Frau von dem Vorhaben „das zu Laufen“ erklärte sie mich mal wieder für verrückt. Naja, ich bin dann doch gelaufen.

Extrem Laufen (11)

Die über den Nigerpass führende Rosengartenstraße verbindet Blumenau (316 m) und St. Cyprian ( 1071 m) mit der Karerpassstraße, in die sie nach 22 km etwa 500 m vor dem Karerpass mündet. Teilweise ist diese Straße sehr schmal und steil, am Anfang der Straße bis zu 24% Steigung, hinter St. Cyprian bis zu 20%. Es gibt sicher leichtere und schwerere Pässe, die man sich als Läufer aufsuchen kann. Wer jedoch eine Herausforderung der besonderen Art sucht, der sollte sich am Nigerpass versuchen, genauer gesagt an der alten Nigerstraße, gehört diese doch zu den steilsten Passstraßen des Alpenraums.

Von Blumenau sind es knapp sieben Kilometer und 630 Höhenmeter mit bis zu 24 % Steigung (das will ich laufen), bis man die neue Straße nach Tiers erreicht. Nach St. Cyprian kommt dann noch einmal eine Rampe mit 20 % Steigung (das schaffe ich dann auch noch) und dann geht es weiter bis zum Nigerpass (1690 m, 11 Kilometer, 750 Höhenmeter).

In Blumenau entdecken wir bei Auskundschaften der Anfahrt eine kleine Straße, die in Richtung Tiers über Breien führen sollte. Das ist also die Strecke, die ich gesucht haben, dachte ich mir und es lief mir dabei kalt den Rücken runter. Am folgenden Tag sollte es dann losgehen.

Zunächst ging es noch locker dahin, teilweise ist die Straße sehr schmal. Aber ich war allein auf weiter Flur – nur ich, mein Handy (wenn ich aussteigen will) und mein Laufrucksack. Meine Frau will auf der Niger Passhöhe auf mich warten.

Eingeschlossen in einer steilen Schlucht mit wilden und zerklüfteten Felswänden laufe ich noch recht locker dahin. Hier staut sich die Wärme in brutaler Weise, es ist erst 10 Uhr, aber schon elend schwül. Dafür genießen ich eine unvergleichliche Ruhe. Keine Menschenseele, nur das Zwitschern von Vögeln und das Rauschen des Tierser Bachs. Wer will auch hier schon laufen?

Die Strasse durch das Tiesertal ist recht schmal, eher zu vergleichen mit einem asphaltierten Wirtschaftsweg, denn einer Passtrasse. Verkehr gibt es auf dieser Strasse so gut wie nicht und selten begegnen uns Menschen. Einmal gut, denn die schauen immer so komisch, wenn ich an ihnen vorbei laufe. Aber auch schlecht, falls ich aussteigen will. Naja, aber das will ich ja nicht.

Nach dem Dorf Breien wird es dann richtig knackig. Plötzlich warnt mich ein Schild vor 20% Steigung. Jetzt geht es also los. Doch so schlimm wird es gar nicht, das erste Steilstück liegt noch im vertretbaren Bereich, die 20% scheinen etwas übertrieben. Bald folgt jedoch ein Schild mit der Aufschrift „24%“. Ist das wieder übertrieben? Nein, diesmal leider nicht. Die Straße bäumt sich unvorstellbar auf, so etwas erlebt man nicht alle Tage! Die Beine fangen an zu brennen ich muss einen Gang zurückschalten. Da waren die Kehren von Alpe d’Huez ja einfacher. Mir bleibt nur eine Möglichkeit: Kreuzen. Das heißt die gesamte Straßenbreite ausnutzen und von einer Seite auf die andere laufen, umso die Steigung künstlich zu senken. Ganze 1,5 Kilometer zieht sich diese Hölle. Aber bloß nicht stehenbleiben.

Schließlich – ich weiß nicht wie – haben ich es geschafft, dieses Stück zu bezwingen. Jetzt komme ich zur großen neuen Nigerstraße, die deutlich leichter gewesen wäre. Die 24 % haben viele Körner gekostet. Meine Gedanken pendelten zwischen Stehenbleiben, Durchlaufen und Aufgeben. Aber Aufgeben war keine Option!!

Vor mir tut sich ein grandioser Blick auf die Valojettürme des Rosengartens auf. Beeindruckt von dieser Schönheit durchlaufe ich Sankt Zyprian und treffe schon wieder auf eine Rampe mit gut 20%. Nach dieser erneuten Härteprüfung beginnt die Strecke bald wieder „abzuflachen“. Nach den bisherigen Kilometern erscheinen mir 10% als ziemlich flach.

Über mehrere Serpentinen geht es weiter bergan und endlich erreiche ich das Passschild „Passo Nigra“. Unglaublich, geschafft. Meine Frau wartet wohl an der Tschirner Hütte. Bis dahin ist es aber noch ein Stückchen. Dort haben ich dann tatsächlich den höchsten Punkt der Strecke erreicht und es geht endlich leicht bergab zur Karerstraße. Schön, meine Frau ist da, ich freue mich. Nach einem Bierchen, umziehen und etwas ausruhen, folgen wir mit dem Auto dem Schild Richtung Karerpass (1720 m). Diesen bekommen wir jetzt fast geschenkt, denn es geht nur knappe 500 Meter bergauf. Das Stückchen zu laufen haben ich mir dann aber nicht mehr gegönnt – muss ja auch nicht sein, oder?

Am Karerpass machen wir beide dann eine längere Pause. Der Nigerpass ist unglaublich. Man muss ihn gelaufen sein, um zu erahnen, welche Herausforderung er darstellt. Doch dafür bietet er unvergessliche Ausblicke und die Gewissheit, einen der wohl härtesten Pässe der Alpen bezwungen zu haben. Doch das mache ich bestimmt nicht wieder. Naja man sollte ja niemals nie sagen.

Aber es taucht die Frage auf: Warum macht man das alles? Weil der Pass da ist?  Weil man die Möglichkeit hatte? Es gibt noch eine weitere Antwort: Es ist wie eine Droge. Je länger, je steiler, je extremer – desto größer ist der Lustgewinn.

Kann man eine 50% Steigung laufen?? Wohl eher nicht. Aber stehenbleiben geht auch nicht! Also ausprobieren. Am Anfang stand die Frage im Raum: „Kann man 50% Steigung überhaupt laufen?“ Bei gesundem Menschenverstand, heißt die Antwort NEIN! Aber man kann es ja einmal versuchen. Oder? 50% so sagt es das Verkehrsschild. Aber kann man sich darauf verlassen? Ich meine schon. Und das dann Laufen (wenn man das Laufen nennen kann) bei einem Schnitt von….????

Extrem Laufen (15)

Den Hinweis auf diese Strecke bekam ich von einem Blog-User. Mit dem Fakten, das es im Wallis eine Straße mit 50% Steigung geben soll. Von Aproz geht es über Cor nach Les Bioleys. Ab dem Punkt 777 soll es dann richtig steil werden – und es wurde richtig steil.

Ich hatte mir schon einen Schlachtplan ausgedacht wie ich am besten den Lauf bewältigen könnte. 50% ist schon gewaltig, aber nach den 24% am Passo Nigra, den maximal 15% auf den 13.8 km nach Alpe d’Huez und den maximal 13% in den Kehren rauf auf die Bieler Höhe an der Silvretta, dachte ich…..? Naja, eigentlich dachte ich Nichts, so meinte wenigstens meine Frau.

Ich war schon recht aufgeregt und startete recht schnell um dann ein wenig später in einem moderatem Tempo zu Laufen. Es war schon zu Beginn recht anstrengend und auf der Hälfte der Strecke wusste ich schon dass meine Tempo nicht das Optimal war – ich war zu schnell!. Aber ich biss die Zähne zusammen und verringerte etwas das Tempo. Ich wollte eigentlich die Füße gerade aufsetzten aber dies war bei der 50 prozentigen Steigung nicht möglich. Ich musste auf den Fußballen laufen was sich für meine Waden als sehr problematisch erwies. Der Lauf zog sich immer mehr und mehr, die Straße wurde immer länger und länger und steiler!

Doch plötzlich machten meine Waden zu. Ohhhh NEIN!! Nicht jetzt!! Nicht so kurz vor dem Ziel! Ich mobilisierte jetzt die letzten Kraft Reserven und gab noch mal alles. Und dann……… das Ziel!!! Naja geschafft war nicht nur das Ziel „50% Steigung laufen“, sondern auch ich. Das war ein hartes Stück Arbeit! Hi Hi Hi Hi!! Die Waden waren hart wie Stein aber das war es Wert!

Vielleicht versuche ich es jetzt einmal beim Vertical Up in Gröden mit einer maximalen Steigung von 57%. Oder beim Vertical Up in Kitzbühl mit einer maximalen Steigung von 85% – das ist dort wo im Winter die Skifahrer- Berg runter – ihr Leben riskieren.

Nein, das werde ich sicher nicht versuchen —— SICHER NICHT!

Auf Stufen, durch die Annaschlucht in Würzburg – Steigung 30%. Wenn Ihr einmal in Würzburg seit und eine wirklich schöne, aber anstrengende Strecke laufen möchtet – dann im Steinbachtal und durch die Annaschlucht, rauf auf die Frankenwarte.

Durch die Annaschlucht führt ein Fußweg vom hinteren Steinbachtal auf den Nikolausberg in Richtung der Frankenwarte. Die ehemals zugewachsene und unbegehbare Wildschlucht wurde zu einem steil emporsteigenden wildromantischen Weg mit Treppenpartien und kleinen Brücken ausgebaut. Die Schlucht ist über 500 Meter lang, der Weg überwindet etwa 150 Höhenmeter.

Extrem Laufen (9)

So kann der Läufer oder die Läuferin auf dem ca. 550 Meter langen Weg wildromantische Eindrücke auf sich wirken lassen, zu denen nicht zuletzt die teilweise schon bis zu 200 Jahre alten Eichen und Buchen und das stellenweise frei liegende Kalkgestein beitragen. Die schönste Zeit, die Annaschlucht zu laufen, sind die frühen Morgenstunden wenn die  Sonne ein interessantes Lichtspiel bietet.

Der Sonntag fängt relativ normal an. Noch vor dem Frühstück springe ich  in meine Laufklamotten. Heute ist Bergtraining  angesagt. Zumindest das, was man hier in Franken unter einem Berg zu verstehen hat. Für mich sollte es auf die Frankenwarte gehen, einem Ausflugsziel über den Dächern von Würzburg.

Als Aufstiegsroute wählte ich eine meiner Lieblingsstreckn, die Annaschlucht. Das letzte Mal, dass ich dort mit meiner Frau spazieren war… ach ich weiß nicht. Aber ich weiß noch das es 30% Steigung sind, mit vielen Treppenstufen. Irgendwie hatte ich das aber verdrängt.  Meine Oberschenkel knirschten schon, doch ich komme tatsächlich oben an – ohne zu gehen und ohne stehen zu bleiben. Alpe d’Huez sei Dank! Ein kleiner Sieg über mich selbst!

Aber das war es noch nicht für heute. Nach einmal tief Luftholen geht es der Schlucht wieder runter und das Steinbachtal ein Stück zurück bis zum Aufstieg durch die Hubertusschlucht, 13%, fast wie in den 21 Kehren auf dem Weg nach Alpe d’Huez

Die Hubertusschlucht verbindet das Steinbachtal mit dem Johannisweg/Oberer Steinbachweg. Von dort geht es rauf zur Frankenwarte dem Aussichtsturm auf einem Hügel bei Würzburg. Keine 2 km Luftlinie von der Altstadt entfernt, hat man von diesem Turm einen schönen Blick. Dann von dort wieder runter und zum dritten mal durch die Annaschlucht zum Auto.

INFO: Für Läufer bieten sich mehrere Möglichkeiten für den Aufstieg zur Frankenwarte. Meine Lieblingsmöglichkeit ist die Variante von der Löwenbrücke aus über den Leutfresserweg (wie bezeichnet Leutfresserweg!!) oder die Stufen-Variante, über den sehr schönen Kreuzweg bis hinauf zum Käppele und von dort rauf auf die Frankenwarte. Oder eben direkt durch die Annaschlucht.

Viel Spaß beim Ausprobieren.

Auf den Colle di Tenda – Spektakuläre Verbindung zwischen Frankreich und Italien.  Alpe d‘Huez ist jetzt schon etwas länger her. So etwas wollte ich eigentlich nicht wieder machen. Doch vor einiger Zeit las ich vom Tendapass und den vielen Serpentinen. Es gab dann nur einen Gedanken – MACHEN!

Extrem Laufen

Alles, was diesen Pass betrifft, hat Größe. Der Colle di Tenda (auf Deutsch Tenda-Pass und auf Französisch Col de Tende) ist eine jener Alpenüberquerungen, deren Faszination sich nur wenige entziehen können. Wer in der Provence in Frankreich oder in Ligurien in Italien Urlaub macht, für den gehört der Pass fast schon zum Pflichtprogramm in Sachen Sightseeing – Rauf laufen steht dabei sicher nicht auf der Liste!

Eines sei gleich vorweg angemerkt: Für schwache Nerven und schlechtem Trainingszustand ist diese südlichste aller Alpenquerungen wirklich nichts. Und damit nicht genug es sollte selbstverständlich die Südrampe sein. Hier wollen 46 enge, zum Teil fast direkt übereinanderliegende Kehren bewältigt werden. Sie machen den Colle di Tenda zu einer der atemberaubendsten Passstraßen der gesamten Alpen. Nach genau 30 Kehren ist es zudem mit der Asphaltierung vorbei.

Der letzte Abschnitt mit immerhin noch 16 Kehren muss auf Schotter gelaufen werden. Was auch heißt ich musste auch wieder zurück laufen – also kein Auto erstmal auf der Passhöhe – mal sehen vielleicht ja doch.

Und warum das alles?? Letztendlich ist es vor allem der atemberaubende Anblick von 48 eng übereinander liegenden Kehren, von denen das obere Drittel geschottert ist, der dem Col de Tende seinen geradezu mystischen Ruf beschert. Beeindruckend ist auch die Tatsache, dass die Kehren auf nur knapp acht Kilometern gut 600 Höhenmeter erklimmen.

Running against Ship – Bis weit am Horizont sind sie zu erkennen, die riesigen Containerschiffe, die täglich Tonnen von Waren quer über die Weltmeere transportieren. Dazwischen tummeln sich Fähren, traditionelle Großsegler und als Highlight die schwimmenden Urlaubsträume, auf ihrem Weg zu ihren nächsten Kreuzfahrten – dort sind auch die Ship-Spotter mit ihren Teleobjektiven anzutreffen.

Extrem Laufen 410

Hier, an der Nordseeküste in Cuxhaven, habe ich mich zum Ship-Runner entwickelt. Ich laufe hier mit den „Riesen der Meere“ um die Wette. Drei Kilometer ist die Strecke – von der Alten Liebe in Cuxhaven zur Kugelbake oder zurück.

Extrem Laufen (16)

Ob ich gewinne oder verliere ist mir dabei zweitrangig. Auf die Frage „WARUM das alles“ ist die Antwort ganz einfach: „Weil es doch so einfach ist, weil es den Kopf frei macht, weil es Kalorien verbrennt, weil es Spaß macht, weil die „Dicken Pötte“ halt da sind (hier in Cuxhaven) – und weil ich es kann!“

Fazit: Laufen mal kurz, oder mal länger, aber immer äußerst extrem! Ich bin schon vieles gelaufen, wie ihr hier lesen konntet und es war immer ein großer Spaß dabei. Und das soll beim Laufen ja auch sein – oder? Also viel Spaß!!

Extrem Laufen 420