Obwohl das Nomen Nervensäge weiblich ist, gibt es nicht nur weibliche, sondern auch männliche Nervensägen. Aber wen kann man denn alles als Nervensäge bezeichnen?

Darüber wird heftig gestritten. So meinen z.B. die Lehrer, die Schüler seien Nervensägen, wogegen die Schüler wiederum behaupten, Nervensägen sei gleich Lehrer. Die Angestellten meinen im Allgemeinen, der Chef sei eine Nervensäge, der Chef hingegen meint, sein Arbeitsteam gehe ihm mächtig auf den Keks. Die Beispiele lassen sich unendlich fortführen und so kommt der Wahrheitssuchende allmählich völlig durcheinander und fragt sich: Wer hat denn am Ende überhaupt Recht? Die Antwort ist denkbar einfach, denn im Zweifelsfall gilt immer folgende Faustformel: Alle sind Nervensägen – bis auf mich.

Wenn eine Nervensäge nicht aufhört, dumm herum zu schwätzen, muss man sich unbedingt etwas einfallen lassen, um dem Schrecken ein Ende zu machen. So sagte einst der Maler Max Liebermann zu einer Dame, die er porträtierte: „Gnädige Frau, seien Sie bitte endlich ruhig oder ich male Sie so, wie Sie sind!“.

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Es gibt natürlich auch Nervensägen, die nicht so unendlich viel quatschen, sie öffnen den Mund nur dann, wenn sie gar nichts zu sagen haben.

Solange man lebt, hat man es leider mit Nervensägen zu tun. Wenn man ein Kind ist, sägen einem die Eltern schwer an den Nerven und wenn man erwachsen ist, die eigenen Kinder. Nervensägen sind allgegenwärtig, doch ohne sie wären wir einsam, denn wir hätten keine Bekannten und auch keine Ehepartner mehr. Und wir hätten auch keine Politiker mehr, und das wäre für uns gar nicht einfach, denn dann müssten wir uns selbst an der Nase herumführen.

Vor Kurzem sagte man mir, ich sei selbst eine Nervensäge, weil ich beim Fernsehschauen ununterbrochen herumzappe. Aber eigentlich ging dieser Typ mit schwer auf die Nerven, weil er nicht wusste, dass man beim Fernsehschauen zappen muss. Wozu ist denn die Fernbedienung überhaupt da?