Seien Sie mal ehrlich, wie halten Sie es denn mit Ihrem Müll? Vielleicht ist es Ihnen ja auch einfach egal, was nach einem feuchtfröhlichen Abend mit den Energie und Freude spendenden Verpackungsmaterial passiert. Dann wird alles in Hundertlitersäcke verpackt vor die Tür gestellt, und erledigt ist die Sache.

Das Problem Müll kriegen wir – so scheint es wenigstens – nie wirklich in den Griff. Denn Müll ist Müll und als solcher ein Produkt von gestern, das heute niemand wirklich interessiert, höchstens jene, die damit Geld verdienen. Tatsache ist, die Uhr steht auf Fünf vor Zwölf. Dass gehandelt werden muss steht außer Frage.

Aber wenn zum Beispiel für die fünfköpfige Familie die portionsverpackte Kondensmilch ein sinnloser Verpackungsaufwand ist, bedeutet dies für die gestresste am Wochenende in ihrem Einpersonenhaushalt heimkehrende Stewardess ein wichtiges Stück Lebensqualität.

Menschen machen eben Müll. Dies unterscheidet sie heute noch von den Affen. Und die Bevölkerung in Zukunft mit Schokolade, wenn überhaupt kiloblockweise eingewickelt in unbedruckte Recyclingfolie zu versorgen, mag zwar ökologisch vernünftig sein, hat aber mit den menschlichen Bedürfnissen und seinen Wünschen nach Ästhetik nichts mehr gemein.

Ähnlich verhält es sich auch mit dem Müll aus dem strom- und somit glücksbringenden atomaren Restmaterial, das leider giftiger und gefährlicher ist als Papier, Folien oder leere Bier- und Weinflaschen. Weil der Strom einfach da ist und der mit ihm verbundene Müll eben nicht –  zumindest liegt er nicht in gelbe Säcke verpackt am Straßenrand. Also, was wir nicht sehen, kümmert uns nicht. Unseren Morgenkaffee machen wir schließlich mit Strom, und wenn wir beim Italiener Pizza essen, was hat das mit Atommüll zu tun?

Dabei wächst unser Müllhaufen und wird langsam immer größer. Und mit ihm wachsen die Fragen: Wann landet der erste Müllcontainer auf dem Mond? Wohin mit dem geistigen Müll aus der Glotze? Macht saurer Regen lustig?

Das Meer und der Müll: Gleichgültig, wo man ist, der Müll ist schon da. Die Menschheit hat sich dafür entschieden, 40 Prozent der jährlichen Kunststoff-Produktion zu nehmen und sie als Verpackungsmaterial zu benutzen, das dann innerhalb eines Jahres weggeworfen wird. Oft genug endet dies und mehr im Meer, wo es ein langes, zweites Leben beginnt. Nach Angaben der Vereinten Nationen stammen 80 Prozent des marinen Mülls vom Festland, der Löwenanteil: Plastik. Inzwischen treiben im Meer regelrechte Mülldeponien.

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Die höchste Müllkippe der Welt: 8.850 Meter ragt der Mount Everest in den Himmel. Doch einem Problem unserer Zeit muss auch er sich trotz seiner Höhe und seiner Abgelegenheit stellen: der Umweltverschmutzung. Waren noch bis Mitte der 1980er Jahre gerade mal 150 Menschen auf dem Gipfel, explodierte ihre Zahl danach gewaltig. Mittlerweile sind es weit über 2.200 Wagemutige. Alle diese Gipfelstürmer hinterlassen bleibende Erinnerung: Müll. Insgesamt, so schätzt man, sind dabei im Laufe der Zeit mehr als 600 Tonnen Abfall zusammengekommen. „Besser als gar nichts“ ist eine Initiative von Nepali und Deutschen, die gemeinsam versuchen, die Natur des Himalaya zu retten: Die Trekker betätigen sich als Müllabfuhr – und haben auch noch Spaß daran.

Unser Müllhaufen wächst und wird immer größer. Und mit ihm wachsen die Fragen: Wann landet der erste Müllcontainer auf dem Mond? Wann gehen die weltweit arbeitslos gewordenen Fischer statt auf Fischfang auf Plastikfang? Wir müssen den Müll loswerden. Aber wo anfangen? Erste Hilfe den Kunststoff-Müll zu unterbinden oder wenigstens zu verringern ist der sofortige, globale Produktionsstopp von Plastiktüten für den Einmalgebrauch. Ein Beginn, der es allemal wert ist.

 So oder so, was bleibt ist der lästige Müll. Wir müssen ihn loswerden,  aber wo anfangen? Am besten vielleicht in unseren Köpfen, denn dort wird viel zu oft auch Müll produziert. Über seine Entsorgung ist überhaupt noch nicht nachgedacht worden. Prophylaxe ist hier die einzige Möglichkeit, Müll dieser Art zu vermeiden.

Müllvermeidung nach dem Motto: Was wir nicht sehen, kümmert uns nicht! Das kann es nicht wirklich sein. Viele der angeblich kompostierbaren Einkaufstüten sind auch nach Jahren im Meer immer noch bestens für die Nutzung beim Einkaufen geeignet. Fazit: Vor unserem Dreck vom Himalaja bis zum Pazifik gibt es kein Entrinnen.

So wie sich der Einzelne verhält, wird die Gesamtgesellschaft aussehen. Etwa vermüllt?

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