Sitzen Sie gerade am Arbeitsplatz? Dann sprechen Sie mal den nächstbesten Kollegen an und sagen: „Die Arbeit macht heute wieder richtig Spaß!“ Verrückte Idee? Warum? Weil jeder vernünftige Mensch nach so einer Äußerung damit rechnen muss, umgehend in die nächstliegende geschlossene Anstalt eingewiesen zu werden.

In deutschen Betrieben herrschen haarsträubende Zustände – ob in mittelständischen Unternehmen oder großen Konzernen. Tyrannische Chefs pflegen ihre Marotten. Statt über Sachfragen zu diskutieren, werden in endlosen Meetings Machtkämpfe ausgefochten. Absurde Arbeitsabläufe sind fast schon die Regel. Wer vor dem Meeting ein Problem hatte, ist danach einen Schritt weiter – er hat mindestens zwei Probleme! Wer mit halb gefülltem Tank die doppelte Strecke fahren will, ist ein Idiot. Wer mit halbem Etat doppelte Ergebnisse erzielen will, ist ein Finanzvorstand.

In alten, vergangenen Zeiten ließ der König, wenn er schlechte Laune hatte, seine Diener köpfen. In der Demokratie haben es die Diener, in dieser Hinsicht, besser: An die Stelle der Exekution ist der Tritt in den Hintern, das Mopping oder die öffentliche Demütigung getreten.

Chefs aber sind auch nur Menschen. Könnte ihnen bitte jemand mal mitteilen, dass Freundlichkeit nicht verboten ist? Und wenn wir schon dabei sind: Reden hilft. Zuhören auch. Rumschwallen nicht.

Weshalb wird in so vielen Betrieben immer wieder der Aufbruch beschworen, während das Betriebsklima im heftigen Gegensatz dazu emotionale Unterkühlung signalisiert? Nur zu häufig findet man in der Praxis diese Situation vor. Es wird zwar gearbeitet, unbestreitbar in vielen Fällen sogar sehr hart, aber eben nicht wirklich zusammengearbeitet. Es wird zwar viel und reichlich kommuniziert, aber eben nicht wirklich miteinander gesprochen.

Dazu herrscht in vielen Betrieben geradezu ein Besprechungs- und Konferenzunwesen, das enorm Zeit verschlingt, aber viel zu häufig höchst kontraproduktiv als Bühne zur persönlichen Rechtfertigung und konkurrierender Selbstdarstellung missbraucht wird. Und nicht nur das. Diese Meetingorgien dienen auch als Ort gegenseitigen Abwatschens und Schuldzuweisens.

Schlechten Chefs ist es egal, was ihre Mitarbeiter denken. Hauptsache, sie funktionieren. Sie wollen das Verhalten ihrer Mitarbeiter beeinflussen, nicht aber deren Einstellungen.

Chefs sind keine Kuschel-, sondern Alphatiere, die sagen, wo es langgehen soll. Dass sie das können, ist meistens sicher. Andererseits: Gäbe es den Chef nicht, würden wir uns vermutlich mit business as usual begnügen. Wie aber ist ein Chef (ein Mensch) drauf, der sich in Meetings am liebsten selbst reden hört, der über eigene Schwächen süffisant hinwegschweigt, und so weiter und so weiter, Sie kennen das ja alles selbst? Könige in der heutigen Zeit, also Chefs, Bosse, … sind oft Beratungsresistent

Wer will aber schon einen guten Chef, wenn er einen schlechten haben kann? Auch wenn es nicht so scheint – ein mieser Chef bringt zahlreiche Vorteile mit sich. Ein schlechter Chef redet entweder nie oder er hört nur sich gerne reden. Das erspart seinen Mitarbeitern die lästige Vorbereitung; schließlich reicht es aus, Stichwortgeber zu sein. Und weil er nie zuhört, kann man auch ruhig mal Blödsinn erzählen. Erfolge wird so ein Typ allein sich selbst zuschreiben, was den Beschäftigten ermöglicht zu verbreiten, dass in Wahrheit sie die ganze Arbeit gemacht und alle Ideen gehabt haben. Das wird ihnen jeder glauben, denn in guten Firmen weiß jeder, wer die schlechten Chefs sind. Umgekehrt wird er alle Fehler den Mitarbeitern zuschreiben, aber der Flurfunk funktioniert: Natürlich war der Boss schuld.

Schlechte Chefs sind großartige Vorbilder: Die Mitarbeiter sehen täglich, wie sie es ganz sicher nicht machen dürften, kämen sie denn einmal in eine Führungsposition. Und das werden sie mit einem miesen Vorgesetzten leichter schaffen. Denn einem guten nachzueifern, erscheint aussichtslos. Aber besser zu sein als der schlechte Chef, das kann allemal gelingen.

Hoher Termin- und Leistungsdruck herrscht in vielen Unternehmen, permanente Überstunden gehören zum Alltag. Das Ergebnis ist erschreckend: Die Beschäftigten sehen sich ständigem Zeitdruck ausgesetzt. Werden dabei noch mit nicht, oder mit in der stillen Ecke geplanten Zusatzaufgaben und Arbeitsunterbrechungen konfrontiert. Zugleich wird aber von Ihnen erwartet Zeitvorgaben zu erfüllen, was dann sicher zu überlangen Arbeitszeiten führt. Von der angepassten Bezahlung wollen wir gar nicht sprechen.

Dabei ist eines sicher: Schlechte Chefs gehen aufs Herz! Ein paar düstere Zahlen: 88 Prozent der Arbeitnehmer klagten in einer Umfrage des Münchner Geva-Instituts über Probleme mit ihrem Chef. 20 Prozent aller Arbeitnehmer, ergab eine andere Studie, haben innerlich schon gekündigt. Eine andere Untersuchung hat ermittelt: Rund 24 Prozent fühlen sich vom Chef ständig unter Druck gesetzt. 31% der Befragten einer Studie konntennach der Arbeit nicht mehr abschalten und hatten damit bereits die Vorstufe zum BurnOut erreicht.

Bei den Beschäftigten überwiegt einer Studie zufolge, die Enttäuschung. Sie haben den Eindruck, dass sie in ihren Job mehr investieren, als sie zurück bekommen. Der immer wieder heraufbeschworene, kompetente und mitdenkende  Mitarbeiter weiß sehr genau, dass Arbeit ein Geben und Nehmen ist. Draus lässt sich eine simple Wahrheit ableiten: Wenn unsere Chefs von ihren Mitarbeitern nur fordern, ohne sie angemessen zu unterstützen, gefährden sie deren Motivation und Leistungsfähigkeit und auf Dauer die wichtigste Ressource, die sie haben.

Der gemeinsame Nenner all solcher Verhaltensweisen ist wohl der: Führungskräfte müssen nicht die anderen, sondern vor allem sich selbst führen.