Früher pilgerten nur gläubige Menschen, um ihrem Gott oder ihrem Glauben nahe zu kommen.  Pilgern kann heute ganz verschieden sein. Wer pilgert, unternimmt eine Reise zu einem heiligen Ort. Der Pilger ist dafür mehrere Tage oder gar Wochen unterwegs, meistens zu Fuß. Auf seiner Wanderung möchte der Pilger den Alltag vergessen und sich oft auch auf seinen Glauben besinnen.

Heutzutage pilgern auch Menschen, die nichtgläubig sind. Die meisten wollen dabei  ihren Alltag vergessen, manche eine Entscheidung für die Zukunft treffen, einige trauern um einen Menschen. Egal, aber aus welchem Grund man sich entschließt, den Ausflug zu machen: nicht das Ziel ist wichtig. Bedeutsam ist der lange Weg, auf dem der Pilger Erfahrungen sammelt und eine Reise zu sich selbst unternimmt.

Pilgern (1)

Viele sehen darin aber auch einfach nur die Möglichkeit, dem hektischen Alltag zu entfliehen, auf Schusters Rappen Natur und Landschaft zu genießen und der Spiritualität im Leben mehr Raum zu geben. Dabei sind viele der alten Pilgerrouten – allen voran  der Jakobsweg – auch heute noch sehr beliebtt.

Buch Pilgern

Hier setzt der Bildband über die schönsten Pilgerwege der Welt an.

Der Verlag schreibt dazu:
Entdecken Sie die schönsten Pilgerwege der Welt. Lassen Sie sich vom Zauber der Stille inspirieren. Die Ruhe liegt in der Bewegung, die Stille im stetigen Schritt. Erfahren Sie die Faszination des Pilgerns zwischen Bewegung und Inspirationsquelle, Trend und Tradition und lernen Sie neue Routen in Deutschland und den Alpen, Norwegen und Italien, Tibet, Japan und vielen anderen Destinationen kennen. Mit brillanten Fotos und fundierten Beiträgen von Dieter Glogowski, Stefan Rosenboom, Andrea Nuß und Johannes Schwarz.

Mein Buchfazit

Das Pilgern erlebt seit vielen Jahren überwältigendes Interesse auf der ganzen Welt. Dieser Bildband folgt dem klassischen Jakobsweg sowie neun weiteren Pilgerrouten durch Europa, wie beispielsweise dem Olavsweg in Norwegen, auf dem Weg zum Kailash, dem Franziskusweg …..

Die Ruhe liegt in der Bewegung, die Stille im stetigen Schritt. Nahezu alle Kulturen und Religionen kennen die Kraft und das innere Gleichgewicht, die das bewusste Wandern verleiht. Der Bildband „Pilgern. Wege der Stille“ (Frederking & Thaler Verlag) vereint die schönsten Pilgerwege rund um die Welt und regt an sich vom Zauber der Stille inspirieren zu lassen.

Egal, ob Sie sich tatsächlich auf eine Pilgerreise begeben, einfach die Welt erkunden oder auch nur in Ihrem Wohnzimmer auf Gedankenreise gehen möchten – dieser  großformatige Bildband führt Sie über uralte historische Routen wie den Jakobsweg, dem St.-Andreas-Weg im Kaukasus, oder er zeigt auf welchem Weg man pilgernd von Aquileia nach Cannes kommt.

Beeindruckende Fotos begleiten die ebenso informativen wie lesenswerten Texte, welche  die Geschichte und die Besonderheiten der jeweiligen Route beschreiben und die Pilgerlust wecken. Manchmal ist es als ob man, beim Anschauen dieses Bildbandes, sich direkt auf, dem jeweiligen Pilgerpfad befindet – ein Gefühl, welches ich bisher nur bei sehr wenigen Bildbänden an mir persönlich feststellen konnte.

Ein hervorragender Bildband zum Thema Pilgern, der auch den Preis, von rund 35 Euro, rechtfertigt. Unbedingt lesenswert!!!

 Hier ein Video zu „Pilgern. Wege der Stille“
https://www.youtube.com/watch?v=nbmJv3nJLqY

 Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
  • Verlag: Frederking & Thaler Verlag GmbH; Auflage: 1 (23. September 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3954162342
  • ISBN-13: 978-3954162345
  • Preis: 34,99 Euro

 

 Zum Abschluss meine Erfahrungen beim Pilgern – Beispiel: Vierbergelauf

Willkommen bei einer der ältesten Wallfahrten im Alpenraum, die seit über 500 Jahren ununterbrochen stattfindet. Jedes Jahr am zweiten Freitag nach Ostern, dem „Dreinagelfreitag“, benannt nach den drei Nägeln, mit denen Jesus ans Kreuz geschlagen wurde, pilgern Tausende Kärntner über vier Berge: den Magdalensberg, den Ulrichsberg, den Veitsberg und den Lorenziberg.

Vier Berge für ein Halleluja nennen einige diese Wallfahrt, diesen Pilgerweg, den Extremlauf …. der Vierbergelauf in Kärnten. 52 Kilometer auf und ab, über vier Gipfel hinweg. Ein Fußmarsch/Extremlauf beginnend um Mitternacht, bei Wind und Wetter. Insgesamt gehören drei Andachten und fünf heilige Messen zum Vierbergelauf.

Es ist eine dieser Nächte im April, in denen man ein bisschen etwas von Frühling oder gar vom Frühsommer erahnen kann – aber nur erahnen. In meinem Rucksack habe ich eine Thermoskanne mit heißem Tee, eine Brotzeit, einige Energiegels und eine Dose Energydrink (habe ich aber nicht gebraucht und deshalb verschenkt). Das alles ist für den toten Punkt, der irgendwann am nächsten Tag kommen wird, da bin ich ganz sicher. Dann, wenn die Füße schmerzen, die Beine schwer werden und der Kopf nicht mehr will.

Alles beginnt nördlich von Klagenfurt am Magdalensberg, um Mitternacht. Was für eine gespenstische Szenerie! Eine schier endlose Menschenschlange schiebt sich die Serpentinen hinauf Richtung Gipfel, eingetaucht in den Schein aus Taschen- und Stirnlampen. 1059 Meter hoch ist der Magdalensberg. Der Pfarrer erbittet den Segen für die „Bergler“, wie die Wallfahrer hier genannt werden, und verteilt großzügig sein Weihwasser auf dem heiligen Berg.

Anschließend geht es steil bergab durch einen dichten Wald. Alle sind konzentriert, weil der Weg durch die Kegel der Taschenlampen flackert wie ein Lagerfeuer, und der Bergschuh (einige auch in Laufschuhen – mal sehen, wie lange die in diesem Schuwerk durchhalten?) immer wieder unversehens gegen eine Wurzel oder einen Stein donnert. Wieviel Wallfahrer es wohl dieses Jahr sind, der Rekord liegt wohl bei rund 10.000.

Unten im Tal geht es für die Läufer/Wallfahrer/Bergler über das Zollfeld und vorbei am Gasthof Fleißner, der extra mitten in der Nacht geöffnet hat. Hier gibt es Glühwein. In der Dorfkirche von Pörtschach wird dann pünktlich um vier Uhr am Morgen eine Messe gefeiert. Nur rund 100 Pilger passen in das Gotteshaus, die anderen ziehen draußen vorbei. Manche umrunden die Kirche drei Mal im Uhrzeigersinn und hoffen darauf, dass dieses Ritual ihren Gebeten noch etwas mehr Nachdruck verleiht. Drinnen predigt der Pfarrer über die Bedeutung des Pilgerns.

Der nächste Gipfel ist der 1022 Meter hohe Ulrichsberg, der Gedenkstein, der an dieser Stelle ein heidnisches Heiligtum markierte, wurde beim Neubau der christlichen Kirche im 15. Jahrhundert vorsichtshalber gestürzt eingemauert, um ihm die Kraft zu entziehen und um vielleicht auch der abergläubischen Bevölkerung zu signalisieren, dass die alten Götter gestürzt sind. Was für ein Glück aber er funktioniert immer noch!!!

Auf dem Weg nach unten beten die Wallfahrer ausnahmsweise nicht, sondern rennen geradezu in Richtung Karnberg, wo morgens um sechs Uhr auf einer Wiese am Ortsrand frisch gezapftes Bier verkauft wird, dazu gebratene Würstchen und Kuchen. Die Freiluftmesse zelebriert der örtliche Bischof persönlich

In Zweikirchen wartet der Dorfpfarrer mit den Ministranten am Ortseingang, um die Wallfahrer „einzuholen“. Er hält den Ankömmlingen das Kreuz entgegen und berührt damit die Kreuze der Pilger. „Kreuzbusseln“ heißt das und findet an jedem Ortseingang statt. Für die Messe hat der Pfarrer den Kinderchor organisiert, und er ermuntert die Wanderer, kräftig mitzuklatschen. Die anderen ziehen bereits weiter Richtung Veitsberg. Hätten sie geahnt, was ihnen dort bevorsteht, hätten sie in der Kirche wohl ein bisschen gerastet. Denn dieser Aufstieg, heißt „Teufelsriese“, was die Qualen beschreibt, aber auch die Distanz, die bis auf 1160 Meter zu überwinden ist. Und dann ist da auch noch die Blutwiese kurz vor dem Ziel, die sich hinzieht und hinzieht und hinzieht….

Von dort geht es zum vierten Berg. Auf dem Lorenziberg wird eine letzte Andacht gefeiert. Dann noch eine halbe Stunde bergab, ein Schnapserl an einem der Stände am Wegrand, dann auf den Parkplatz (meine Frau wartet schon) – und durchatmen. 52 Kilometer, 1500 Höhenmeter, 16 Stunden. Eine Qual, ja, aber auch ein unvergessliches Erlebnis – immer wieder gerne (naja, mal sehen).