Bis weit am Horizont sind sie zu erkennen, die riesigen Containerschiffe, die täglich Tonnen von Waren quer über die Weltmeere transportieren. Dazwischen tummeln sich Fähren, traditionelle Großsegler und als Highlight die schwimmenden Urlaubsträume, auf ihrem Weg zu ihren nächsten Kreuzfahrten – dort sind auch die Ship-Spotter mit ihren Teleobjektiven anzutreffen.

In Cuxhaven gibt es jetzt eine neue Spezies den „Ship-Runner“. Er ist dann Vorort wenn es darum geht mit einem „Riesen der Meere“ um die Wette zu laufen – sich in Kraft und Schnelligkeit mit ihm zu messen. Drei Kilometer ist die Strecke – vom Fährhafen in Cuxhaven zur Kugelbake oder zurück.

Ob er gewinnt oder verliert ist erst einmal zweitrangig. Auf die Frage „WARUM das alles“ ist die Antwort: „Weil es doch so einfach ist, weil es den Kopf frei macht, weil es Kalorien verbrennt, weil es Spaß macht, weil die „Dicken Pötte“ halt da sind (hier in Cuxhaven) – und weil ich es kann!“

Wettkampf gegen die Größten
Am 10. Juni 2020 war es soweit. Ein Giganten-Treffen war angesagt. So ergab sich für mich die Chance gegen zwei der größten Containerschiffe der Welt zu laufen – sie einige Kilometer zu begleiten. Zuerst traf ich, auf der Hinfahrt nach Hamburg, die MOL TRIBUTE und einige Stunden später auf der Fahrt von Hamburg kommend die HMM Algeciras – das, im Augenblick, größte Containerschiff der Welt. Es sind, für das Jahr 2020, die Schiffe 33 und 34. Im Zeitraum Ende 2017 bis Ende 2018 waren es beispielsweise 122 Schiff-Wettläufe. Davon habe ich 73 gewonnen und 48 verloren.

Die Strecke 3 km (mit hin und zurück Laufen ca. 8 km). Für die MOL TRIBUT ging es von der Kugelbake bis zum Fährhafen und für die HMM Algeciras, dann gegen 19:30, die 3 km zurück.

Hier einige Daten zu den Schiffen:

>MOL TRIBUTE – 400 m lang, 58,8 m breit – Ladekapazität: 20.170 TEU (Anzahl der 20-Fuß-Standardcontainer). Fahrtgeschwindigkeit bei Beginn des Wettkampfes: 14,3 Knoten

>HMM Algeciras – Die 400 Meter lange und 61 Meter breite „HMM Algeciras“ (bis zu 16,50 Metern Tiefgang) befindet sich auf ihrer Jungfernreise und macht erstmals im Hamburger Hafen fest. Ladekapazität 24.000 TEU (Anzahl der 20-Fuß-Standardcontainer). Fahrtgeschwindigkeit zum Beginn des Wettkampfes ca. 10 Knoten

Und dann war es soweit

Die MOL TRIBUTE – ein riesiges Containerschiff, 20.170 TEU, kam sehr schnell in die Elbemündung (ca. 14 Knoten) das konnte ich heute nicht gewinnen. Doch, auf der kurzen 3 km Strecke, war es seht knapp. Aber verloren ist halt verloren!

Ich hatte aber, ja noch ein weiteres Ziel: HMM Algeciras. Gegen 14:00 Uhr sollte sie den Hamburger Hafen verlassen – was auch recht pünktlich passierte. Es war dann schon ca. 19:30 Uhr als das Schiff am Horizont sichtbar wurde. Langsam schob sich das riesige Containerschiff aus der Elbmündung in die Nordsee – so langsam, dass man den Eindruck hatte, zu Fuß schneller zu sein.

Um diesen Lauf zu gewinnen hatte ich die Hoffnung dass dies auch wirklich so war, hatte ich sie doch am Sonntagabend verpasst.Nachts und unplanmäßig früh hat sich die „HMM Algeciras“, derzeit größtes Containerschiff der Welt, am Wochenende an Cuxhaven Richtung Hamburg vorbeigeschlichen. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Am Mittwoch, bei der Rückfahrt, sollte es soweit sein.

Die HMM Algeciras kam relativ gemütlich in die Elbemündung. Erst, wenn das Schiff, einem gegenüber steht, ist die wahre Größe vorstellbar.

Der Lauf starte am Fährhafen. Ich warte dort geduldig bis die HMM Algeciras meine Höhe, die Startlinie,  erreicht hatte. Dann ging es los, ganz einfach los, ohne Startschuss und so. Schnell setze ich mich ein wenig ab. Nach 200 m war das Containerschiff hinter mir. Huch, ein einfacher Sieg? Beim besten Willen, NEIN!

Es sind jetzt noch etwa 1-1,5 km bis zur Kugelbake und die HMM Algeciras holt auf. Hat der Kapitän mich vielleicht bemerkt und gibt Gas? Das sicher nicht!.

Die Kugelbake, das imaginäre Ziel, kommt immer näher und das Containerschiff auch! Erschwerend kommt hinzu, dass eine Menge von Zuschauer im Umkreis der Kugelbake  warten, um das riesige Schiff zu sehen.

Doch dann, von jetzt auf gleich ist alles vorbei. Diesen Lauf habe ich gewonnen, wenn auch sehr, sehr knapp. Ich bin fix und fertig, aber auch glücklich!! Jetzt, noch ein „Gute Fahrt“ an den Containerriesen und dann geht es nach Hause. War ein toller Lauf.