Meine Idee: Laufen am leeren Strand – dort wo am Tag noch Massen von Touristen ihre Spuren hinterlassen haben – und jetzt keiner mehr war, zu laufen. Meine ersten Gedanken: Der einsame Läufer, getrieben von Werwölfen, Vampiren, Zombies und dem übelsten aller Monster – „Blair Witch Project“ hallo!

Ich stelle mir vor, nachts zu laufen hat etwas Verführerisches, oder? Tagsüber sind es die immer selben Landschaften, Geräusche, Verkehr, nachts ist alles anders. Mit der Dunkelheit kommen kühlere Temperaturen im Sommer, weniger Verkehr, sowohl  Touristen, Hundeführer, Fußgänger als auch Autos  auf den Straßen, und es ergibt sich die Chance sein eigenes Ich ein wenig besser kennen zu lernen

Also raus aus den Alltagsklamotten und rein in die Laufsachen. Es ist bereits finsterste Nacht. Ich ziehe mein knallgelbes Lieblingsshirt über (und drüber noch eine Laufjacke, denn es wird sicher windig am Strand) und befestige Leuchtbänder an Hosen und Arme. Schließlich soll man mich auch gut sehen, wenn ich Richtung Meer jogge. Wenn man in der Nacht am Meer joggen geht, ist es finsterer als im berüchtigten Bärenar… – na ihr wißt schon.

Es geht los. Ich bin der einzige auf dem Weg zum Strand. Klar es ist knapp 4 Uhr. Das restliche Haus schläft den Schlaf der Gerechten. Auf der Straße schalte ich die Stirnlampe ein und laufe Schritt um Schritt in die Nacht hinaus. Am Himmel scheint der Mond und spendet ein wenig zusätzliches Licht, aber in erster Linie sehe ich den hell erleuchteten Weg vor mir.

„Warum tu´ ich mir das eigentlich an?“, fragte ich mich spätestens nach jedem zweiten Schritt. Der Blick auf die Uhr zeigt mir, gerade mal 15 Minuten bin ich unterwegs. Zudem wird es immer dunkler. Können, aber nicht müssen, ist ein Privileg. Weil solche Läufe stets aufs Neue beweisen, dass es sich immer auszahlt, die eigene Komfortzone zu verlassen. Man muss dafür lediglich eines tun: aufstehen – und sich im Dunkeln auf den Weg machen – naja, einfacher gesagt als getan.

Im spärlichen Licht werfen Mülltonnen gespenstisch lange Schatten auf den Weg. Aus einem der Fenster, klingt leise Musik. Entweder da kann einer nicht schlafen, oder er macht sich fertig für den Weg zur Arbeit. Naja egal, ich laufe weiter ins Dunkle.

Im Takt meines Herzschlags höre ich meine Schuhe auf dem Asphalt klappern. Hinter mir: Schritte, noch mehr Läufer oder nur eine Phantasie? Ich laufe halt ein wenig schneller. Wenn man Nachts alleine unterwegs ist, achtet man auf jedes Geräusch – die Sinne sind geschärft. Doch, außer mir scheint, um diese Zeit, keiner hier zu sein, jedenfalls sehe und höre ich niemanden. Einige Stellen sind so dunkel, dass ich gar nichts mehr sehen kann. Schnell laufe ich vorbei an dem einsamen Spielplatz – tagsüber wirkt der ganz anders.  

Nach weiteren dunklen Ecken, hell leuchtenden Straßenlaternen und dunklen Waldpassagen erreiche ich meinen Wendepunkt, die Kugelbake. Hier ist es gefühlt wirklich DUNKEL und die vorbeifließende Elbe trägt ihren Teil dazu bei, dass ich ein ungutes Gefühl in der Magengegend bekomme. Ich sollte mich schleunigst auf den Rückweg machen, bevor mir meine Phantasie einige nicht gewollte Streiche spielt.

Irgendwie fühlt es sich, auf dem Rückweg, aber alles besser an. Kein unheimliches Rascheln im Busch und kein Schatten auf dem Weg bringen mich aus dem Schritt. In Gedanken versunken laufe ich so vor mich hin und vergesse darüber völlig, einen Blick für den aufkommenden Tag zu tätigen. Gegen 4:00 Uhr bin ich losgelaufen, jetzt gegen 5:30/5:45 bin ich wieder an meinem Startpunkt angekommen. Auf geht’s unter die Dusche und dann ein herrliches Frühstück mit meiner Frau.

Mein Fazit: Im Dunkeln laufen – das werde ich sicher wieder einmal machen.

Hier ein paar Tipps, so dass der Nachtlauf auch wirklich Spaß macht: Neben der richtigen Ausrüstung sollte man sich beim nächtlichen Ausflug stets mit gesundem Menschenverstand wappnen. Doch meiden Sie dunkle Gassen und abgelegene Pfade. Führen Sie stets ein Handy bei sich, um im Notfall telefonieren zu können und lassen Sie jemanden wissen, wo sie nachts unterwegs sind. Auf Musik im Ohr sollten Sie verzichten, da Sie sich auch auf ihren Gehörsinn verlassen müssen. Wichtig ist zudem reflektierende Kleidung. Mit einer Stirnlampe können Sie – vor allem auf dunklen Streckenabschnitten – noch mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen.