Es ist Montag 8:00 Uhr, und ich genieße den letzten Schluck meines goldbraunen Lebenselixiers. Schlürfe die letzten Tropfen aus meiner Frühstückstasse, ehe die Quelle für meine Energiereserven für eine Woche versiegt. Ade, lieber Kaffee, es war so schön mit dir! Keine, so wunderbare erste Tasse, und auch keine zweite Tasse….. Ich höre nur noch meine Frau: „…das schaffst Du eh nicht!“

Dienstag, was für ein wunderbarer Tag könnte er sein, wenn nicht dieser Kaffee-Verzicht wäre. Aus der Küche höre ich das leise Rattern unserer Kaffeemaschine. Der Geruch von frisch gemahlenem Kaffee steigt mir in die Nase. Ich ziehe erst einmal die Bettdecke weiter über mein Gesicht. Wenn ich schon keinen Kaffee trinken kann, dann lieber noch weiterschlafen.

Kaffee fördert die Kreativität ungemein. (Zeichnungen: cartulli)

Meine Frau hat Frühstück gemacht. Kein Kaffee, schade, dann schmeckt auch das Frühstück nicht so gut – nein ich bleibe standhaft. Ich bekomme von meiner Frau einen Tee. Aber der ist, auch vom Anblick her, kein Ersatz für meinen Kaffee, überlege ich auf dem Weg ins Homeoffice. Schon komisch, wie abhängig Kaffee machen kann. Morgens trinke ich immer einem zum Aufwachen, im Homeoffice gibt es dann den „Vor dem Mittag-Kaffee“, dann den Kaffee zum Mittag und den nach dem Mittag und am Nachmittag den Muntermacher-Kaffee zum Stückchen Kuchen.

Aber das ist jetzt erst einmal Geschichte! Was ich brauche, ist eine Ersatzdroge, etwas Zucker für meinen leicht angeschlagenen Kopf und meinem Körper, der dem Coffein hinterher trauert. Ein Stück Kuchen oder etwas Schokolade muss her. Oh ja, wir treiben den Teufel mit dem Beelzebub aus. Folgendes habe ich im Internet dazu gefunden (Zitat):

4-5 Tassen Kaffee bzw. 400mg Koffein sind absolut verträglich, unser Körper beginnt jedoch bereits nach der Aufnahme der Hälfte, sprich 200mg, mit dem Beginn der beschriebenen Gegenmaßnahmen. Auf die Adenosin-Blockade wird mit der Erhöhung der Rezeptorendichte reagiert, der Neurotransmitter Dopamin und das Stresshormon Noradrenalin wird im Blut gesenkt – wir werden wieder müde. Das ein plötzlicher, kompletter Verzicht auf Kaffee nicht selten Kopfschmerzen nach sich zieht ist nicht verwunderlich: Koffein wird oftmals in Kopf- und Schmerztabletten als Wirkstoff eingesetzt.

Ich gehe jetzt erst einmal Joggen, 90 Minuten am Strand, durch das Watt und wieder zurück. Mein Kopf ist frei, sollte ich wohl immer dann machen, wenn der Kaffee-Wunsch auftaucht – das wäre dann 3-4mal am Tag! Naja, wohl dann doch etwas zu viel.

Donnerstag: Meiner Frau macht mein Kaffeeentzug inzwischen schon Sorgen. Es wird protokolliert, wie oft ich die Wörter „Kaffee“ oder „müde“ „Kopfschmerzen“ verwende. So oft denke ich doch gar nicht an Kaffee, überlege ich, während ich gedankenverloren auf meinem Block kritzle. Wow eine neue Karikatur, geboren aus dem Kaffee-Verzicht. Ich dachte nur Kaffee fördert die Kreativität, aber das ist wohl auch der Kaffee-Verzicht. Es sind noch drei Tage, ich gehe jetzt noch einmal joggen.

Samstag ist Einkaufstag! Bei der Tankstelle, im Supermarkt, sogar unter freiem Himmel auf dem Wochenmarkt: Der Geruch von frisch gemahlenem Kaffee steigt mir in die Nase. Am liebsten würde ich laut herausschreien „Stopp, ich bin doch auf Kaffee-Entzug“. Nach dem Einkaufen, gehe ich joggen, um diesen verdammte Kaffee-Geruch los zu werden.

Noch ein Tag, ein schwerer Tag. Na, ich habe es jetzt fast geschafft. Wie aber soll das funktionieren, das Sonntagsfrühstück ohne Kaffee? Doch auch das habe ich geschafft, mit zwei Tasse grünen Tee, selbstgebackenen Brötchen und selbstgemachten Rührei und der tollen Marmelade von meiner Frau – und zwei Runden Joggen.

Fazit: Ich schließe die Augen, atme tief durch und bin froh, als ich einen Tag später sagen kann: Kaffee. ich gehöre wieder dir! Aber es hat sich etwas verändert. Es sind nur noch drei Tassen Kaffee pro Tag und so geht es auch.

Es ist aber noch mehr passiert. Ich habe in dieser Woche 3kg abgenommen – klar, wenn ich zweimal am Tag joggen gehe.

Wenn man so etwas Verrücktes macht wie ich, sollte man einiges beachte. Man kann ziemlich schnell zum Kaffeejunkie werden, wenn man über zwei Wochen 5 Kaffee am Tag trinkt, dann hat man sich an konsumiertes Koffein gewöhnt. Das habe ich bei mir gemerkt.

Klar, sowie ich das gemacht habe, sprich von einen auf den anderen Moment auf Kaffee verzichten, ist sicher nicht das Gelbe vom Ei. Ich kann euch nur sagen: Von 100 auf 0, also sofort sämtliches Koffein beim Kaffeeentzug zu entbehren, kann schon wirklich sehr belastend für die Psyche und den Körper werden. Lasst das sein. Reduziert lieber Stück für Stück, die Koffeinmenge über beispielsweise 2 Wochen auf das gewünschte Level. Das ist wesentlich behutsamer für Physis und Psyche.

Und Achtung: Schokolade enthält auch Koffein! Der Konsum von 100g dunkler Schokolade bringt überraschende 70mg, Milchschokolade birgt tatsächlich 35mg der anregenden Substanz in sich. Auch Grüner Tee und insbesondere Schwarzer Tee haben eine nicht zu unterschätzende Koffeinbilanz.

An eines sollte man dabei aber auch denken: Ein kompletter Koffeinentzug ist gar nicht notwendig. Koffein steigert die Leistung, Ausdauer, Reaktion, wirkt sich positiv auf das Kurzzeitgedächtnis, das zentrale Nervensystem, die Muskeltätigkeit, auf Typ II Diabetes, Parkinson und Alzheimer aus. Koffein säubert die Arterien und ist gut für das Herz. Und wie heißt das so schön „Die Menge macht das Gift“

In diesem Sinne: Die Vorstellung von einem Leben ohne Kaffee kann man machen, aber man muss es nicht! Genießt also euren Kaffee.