Haben Sie eine Antwort auf folgende Frage: Wie lang muss jemand arberiten, um sich einen Big Mac leisten zu können? Nun ich wusste es bis vor kurzem auch nicht. Doch glücklicherweise gibt es immer noch ein paar wenige Leute auf diesem Planeten, die weder Kosten noch Mühe scheuen, derart grundsätzliche Fragen auf den Grund zu gehen.  So stehen wir auch tief in der Schuld solcher Mirbürger.

Wer einen Big Mac isst, beißt nicht nur in einen Burger, er beißt auch in einen Wirtschaftsindex. Was, fragt man sich mit soßenverschmierten Händen, kann dieses wabbelige Brötchen denn über die verzwickte wirtschaftliche Lage der Welt wissen? Eine ganze Menge: Vor einigen Jahren überlegte sich das britische Magazin The Economist, wie es seinen Lesern die Thematik der Wechselkurse verständlich erklären könnte. Der Big-Mac-Index war geboren.

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Das Burgerorakel funktioniert so: Die Zeitschrift schaut in rund 120 Ländern, wie viel der Big Mac dort kostet und rechnet den Preis in US-Dollar um. Dank strenger Vorgaben von McDonald’s ist der Burger rund um den Globus nahezu identisch – Sesambrötchen, Hackfleisch, Salat, Gurke, Sauce. Daher müsste er laut der sogenannten Kaufkraftparitäten-Theorie eigentlich auch überall gleich viel kosten. Das aber tut er nicht, in einigen Länder ist der Burger teurer als in den USA, n anderen ist er viel billiger.

Die Schweizer Bank UBS erstellt alle drei Jahre eine Studie über die Kaufkraft der Löhne in großen Städten der Welt. Im Durchschnitt muss ein Arbeitnehmer 37 Minuten für einen Big Mac arbeiten. Zugrunde gelegt wird der Nettolohn. Die Idee dabei ist, dass man ein Produkt nimmt, welches überall in derselben Qualität verfügbar ist. Es gibt auch einen Reis-Index und den IPod-Index.

Von Big Mac- bis zum Kran-Index
Wie schon gesagt, der Big Mac ist nicht der einzige ungewöhnliche Index. So kursiert bereits seit den 1920ern die Theorie, dass die Röcke kürzer werden, wenn die Wirtschaft anzieht. Auch Lippenstifte mussten schon herhalten: In schlechten Zeiten schnellt angeblich ihr Verkauf nach oben. Etwas handfester ist der Kran-Index, der von der Anzahl der sichtbaren Baukräne über einer Stadt auf die Wirtschaftsentwicklung schließen lassen soll.

Aber zurück zum Big-Mac-Index. Um sich einen Big Mac zu leisten, muss man in Berlin vier Minuten länger arbeiten als in Frankfurt – ganze 19 Minuten sind nötig. Damit sind die Berliner aber noch gut dran, weltweit sind es etwa 37 Minuten. Nur zwölf Minuten muss man in Chicago, Tokio und Toronto arbeiten, um sich einen Big Mac leisten zu können. Richtig lange rangeklotzen muss man in Nairobi mit 158 Minuten, Jakarta mit 136 Minuten und Mexiko-Stadt mit 129 Minuten.

Sie werden sich jetzt sicher fragen, ob ein Big Mac diesen übermenschlichen Einsatz lohnt. Die Europäer würden wahrscheinlich mit Nein antworten. Ein Afrikaner aus Nairobi ist da sicher anderer Meinung.

Seit 1970 verwendet die UBS für ihre Studie jeweils einen Big Mac sowie ein Kilogramm Brot und ein Kilogramm Reis als Mass.Im globalen Durchschnitt hat ein Arbeitnehmer beispielsweise im Jahr 2009 nach 37 Minuten den Lohn für einen Big Mac verdient; nach 22 Minuten kann er ein Kilo Reis und nach 25 Minuten ein Kilo Brot kaufen.

Am schnellsten wird in Chicago, Tokio und Toronto ein Big Mac verdient
Nach einer Arbeit von 12 Minuten reicht hier der Lohn für den großen Hamburger. Dahinter folgen London, Los Angeles und Miami (13 Minuten), New York, Hongkong und Sidney (14) sowie Zürich, Frankfurt, Dublin, Luxemburg und Montreal (15) und Genf (17 Minuten). Über zweieinhalb Stunden Arbeit ist dagegen in Nairobi (158 Minuten) nötig, um dort einen Big Mac zu erstehen. Viel Arbeit für einen Big Mac braucht es auch in Jakarta (136 Minuten) und Mexiko (129 Minuten)

Doch zurück zur Hamburger-Statistik. Der Umstand, dass gerade in den bevölkerungsreichsten und unterentwickelten Regionen der ernährungstechnisch so wertvolle Fleischkloß derart schwer zu erreichen ist, sollte zum Nachdenken anregen.

Wie das alles ausgehen wird, weiß kein Mensch. Sicher ist: was die Welt im Innersten zusammenhält, sind nicht Philosophie, Religion oder irgend ein kollektiver Lebenszweck, sondern der Big Mac – Guten Appetit.

Aufmacherbild: Mac Donalds
Grafik: Die Storyfactory