Doch nur die Schwachen, die beim Kampf um Geld und Geltung in den Arenen nicht mithalten können. Die einen spielen Badminton, die anderen Tennis. Die einen Laufen, Fahren Rad und Ski fährt, wer es mag, auf Schnee, Gras oder Rollen. Olympia ist überall.

Ach ja Olympia, und wieder haben wir das vertraute Bild: Olympia, jetzt die kommenden Winterspiele 2018 in Korea und schon tauchen Sie auf die Schattenrisse von Injektionsspritzen und Ampullen. Epo wirft seine Schatten übers Land und was es sonst da noch alles so gibt.

Was aber geschieht auf dem weißen Schneeband der Biathleten den Ski-Langlaufstrecken, der Laufbahn im Station, dem Schwimmbecken …? Der edle Wettbewerb, bei dem dabei sein alles ist, findet heute nicht statt. Ernsthafter Sport, so stellt schon Georg Orwell fest, hat nichts mit Fair play zu tun. Alle Spiele, bei denen es um den Sieg geht, sind voller Eifersucht und Hass, es wird geprahlt, es werden Regeln missachtet, und das Publikum findet ein sadistisches Vergnügen darin, der Anwendung von Gewalt zuzuschauen.

Was aber schluckt der Athlet nicht alles, um schneller und besser zu sein als der Konkurrent? Was ist wahr an den Leistungen der Sportler und was nicht? Ist der Athlet denn überhaupt noch gesund?

Es ist schon eine komische Sache. Bei den Skilangläufern, immer öfters auch bei den Biathleten, den Triathleten, in der Leichtathletik, aber auch bei den Schwimmern, und besonders auch bei den Rennradfahrern sind heute viel zu oft Asthmatiker unterwegs. Damit sind mit ihnen leistungssteigernde Medikamente zugänglich, die anderen verboten sind. Man hustet sich sozusagen zur Goldmedaille.

Als die Olympischen Spiele der Antike, größtenteils mit Kampfsportarten, ins ­Leben gerufen wurden, siegte stets der stärkste Athlet. Die Zeit, da ein sportlicher Wettkampf alleine durch das ­Können eines Athleten entschieden wird, endet ­jedoch spätestens dort, wo Sportgeräte und eine persönliche Ausrüstung zum Einsatz kommen. Kontroverse Diskussionen entfachte beispielsweise die Olympia-Teilnahme von Oscar Pistorius an den Sommerspielen 2012 – der wegen seiner Carbon-Prothesen „Blade Runner“ genannte beidseitig unterschenkelamputierte Athlet lief in London im 400-Meter-Einzel und der 4×400-­Meter-Staffel für das Team Südafrika.

Dopen mit Elektromotoren statt mit Chemie

Und wenn es keine Chemikalie ist, dann ist es so etwas wie Techno-Doping. Das spektakuläre 200-Meter-Rennen bei den Paralympics beispielswiese sorgte für neue Diskussionen über Techno-Doping. Denn es stellt die Grundsätze des Sports infrage, wenn technische Vorteile über Sieg und Niederlage entscheiden und nicht die Leistung des Athleten. Das beginnt mit den Maßen der Carbon-Federn. „Je länger die Prothesen sind, desto besser ist das für den Läufer, weil er seine Schrittfrequenz verringern kann“, sagt Prof. Gert-Peter Brüggemann, Leiter des Instituts für Biomechanik und Orthopädie an der Sporthochschule in Köln. Tatsächlich benötigten die damaligen Sportler wie Oliveira für die 200 Meter 43 Schritte und Oscar Pistorius 46.

In den 2000der Jahren fielen dank Ganzkörperanzügen mit Hightech-Oberfläche, zahlreche Schwimmrekorde. Bei den jetzigen Spielen 2016 ist die Badehose wieder im Trend.

Gerüchte gab es schon lange, doch seit dem 31. Januar 2016 herrschte Gewissheit: Motordoping im Radsport existiert. Die eine erst 19-jährige Belgierin hatte ein Rad mit verborgenem Elektromotor an der WM-Strecke. Jenseits aller Spekulationen ist es aber Fakt, dass man Räder mit Elektroantrieben ausrüsten kann, die von außen nicht ohne weiteres entdeckt werden können. Rennmaschinen mit unsichtbaren Motoren sind ab 4.500 Euro zu haben.

Die Firma Vivax etwa bietet für knapp 3000 Euro ein System an, bei dem der Motor in das Sattelrohr eingebaut wir und der Akku etwa in einer Trinkflasche am Rahmen versteckt werden kann. Ein Zahnkranz überträgt die Kraft auf die Kurbelachse des Rads. Der Motor wird über Bluetooth aktiviert, der versteckte Schalter befindet sich unter dem Lenkerband oder an den Bremsschaltgriffen.

Doch glaubt man neuesten Berichten, sind die Minimotoren im Sattelrohr längst überholt. Ein leiseres System, bei dem mit einem elektromagnetischen Antrieb gearbeitet wird, sei bei Profis im Umlauf, berichtete die italienische Sportzeitung „Gazzetta dello Sport“ vor einigen Wochen. Auch ein TV-Bericht aus Frankreich bestätigt die neue Technik – die Journalisten trafen in Ungarn den Radtechniker Stefano Varjas, der das System auch an Profis verkauft haben will. Dabei wird eine Hinterradcarbonfelge frisiert, indem dort Magneten eingearbeitet werden.

Der Profiradsportverband UCI hat inzwischen auf die Problematik reagiert und scannt seit einigen Monaten vor und während der Wettkämpfe Räder auf Motoren und Akkus. „Wir glauben, dass Motordoping eine ernsthafte Bedrohung für unseren Sport ist, wir nehmen das sehr ernst“, so Brain Cookson. Erst Anfang des Vorjahrs wurde der Strafenkatalog um den Punkt „technologischer Betrug“ erweitert.

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Doping ist wieder in! Offiziell wird Doping weltweit geächtet, inoffiziell hält sich allerdings kaum jemand daran. Solange die auf Superlative versessene Gesellschaft dem manipulierten Rekord huldigt, bleibt alles beim Alten. Doch der Spaß am Sport ist raus, seitdem Doping und Geld zugegriffen haben. Eine Menge Rekorde sind unglaubwürdig.

Und da konnte es nicht wirklich überraschen, was der kanadische Rechtsprofessor Richard McLaren an Substanz in seinem Ermittlungsreports zum Doping in Russland ausbreitete. Das russische Sportministerium soll weitestreichende Manipulationen während der Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 und auch bei anderen Veranstaltungen mit Hilfe des Geheimdienstes FSB „gelenkt, kontrolliert und überwacht“ haben.

Und was geschah anschließend? Eigentlich nicht viel! Oder wenn man die sauberen Sportler hört „Nicht genug“. Der IOC-Präsident Thomas Bach steht heftig in der Kritik.

Beteuerungen eines sauberen Athleten sind gut, Kontrollen sind besser. Trotzdem, der nächste Dopingfall wird kommen, so sicher wie Ostern und Weihnachten. Warum auch soll der Sportler ehrlicher sein als die Gesellschaft?

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