Wo auch immer man in Stonehenge mit seinen Überlegungen anfängt, man endet in Fragen. Das aber macht sicherlich – auch heute noch – einen großen Teil der Magie dieses uralten Steinkreises aus.

Was vor 4000 Jahren schon richtig war, ist es heute auch! Stonehenge ist ein idealer Treffpunkt. Von weitem her sichtbar, kann man ihn nicht verfehlen. Hier führt die verkehrsreiche Straße A‑303 vorbei, und nicht der Gesang der Vögel erfüllt die Landschaft, sondern beständiges Motorgedröhn. Aber das dürfte sich an Plätzen, wo Menschen heutzutage zusammenkommen, nicht mehr vermeiden lassen!

Der Touristenindustrie bringt dieses Megalithmonument aber Erfolg. Immer eine halbe Millionen Menschen besuchen es alljährlich. Das sind immerhin fast 1500 pro Tag. Vor diesem Ansturm allerdings muss Stonehenge mit einem Zaun geschützt werden. Außer den staatlich anerkannten Druiden darf niemand mehr in die Mitte der Anlage. Was so nicht ganz richtig ist.

Auch hier gibt es eine Ausnahme von der Regel! Wäre die Einfriedung nicht so hässlich, könnte man sagen, dass dem inneren Steinkreis immer noch etwas Mystisches anhaftet. So sieht das von draußen aus! Doch wenn man erst mal innen steht, dann merkt man die Kraft.

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Es gibt seit neuestem Pläne, die Durchgangsstraßen bei Stonehenge zu verlegen und den Zaun wieder zu entfernen. Wann das allerdings soweit sein wird, steht in den Sternen.

Kurz noch zu den Besitzverhältnissen: Dank der Großzügigkeit eines englischen Gentleman wurde das Monument dem englischen Volk zugänglich gemacht. Bis 1915 gehörte es zum Privatbesitz eines reichen Engländers, der es erst drei Jahre zuvor für 6600 Pfund Sterling ersteigert hatte, weil – wie er sagte – seine Frau einmal beim Frühstück erwähnt hatte, wie schön es wäre, Stonehenge zu kaufen (ach, diese Briten). Schließlich aber machte der Käufer es der Öffentlichkeit zum Geschenk.

Danach hat sich die Umgebung von Stonehenge in all den Jahren nicht zum besseren gewandelt: Massenparkplatz, Tunnel, Zäune – alles so entworfen, dass es in auffälliger Weise nicht auffallen soll. In Geschichtsbüchern und Fotobänden dagegen ist Stonehenge meist ohne diese hässliche Einfriedung abgebildet. Wenn man das erste Mal dorthin kommt, ist man erschreckt infolge der Menschenmassen und dieser Umzäunung. Wenn ich das so sehe, kommen mir die Tränen.

Doch nicht nur heute hat man Stonehenge vergewaltigt. Im 19. Jahr­hundert war man materialistisch eingestellt und nahm Steinmehl von echten Stonehenge-Steinen drei- bis viermal täglich gegen jedes körperliche Unwohlsein ein. Mit einem ausgeliehenen Hammer bröckelte man von den Megalithen für den Hausgebrauch etwas Stein ab, der daheim im Mörser fein zerstampft wurde.

Wie heute noch zum Beispiel das Horn eines Nashornes genoss Steinmehl von Stonehenge den gleichen Stellenwert wie Wasser aus heiligen Quellen.

In unserer heutigen Zeit möchte man diese Steine berühren, um etwas von ihrer Energie mit nach Hause zu nehmen – ohne allerdings zu wissen, welche Kräfte man da auf sich überträgt. Ich selbst spürte in Stonehenge die Anwesenheit von etwas ungeheuerem alten, das etwas irgendwo am Grunde der Seele Verborgenes anspricht.

Die Macht der Steine

Kein Bauwerk der Steinzeit hatte so die Phantasie der modernen Welt beflügelt wie Stonehenge. Stonehenge liegt in der Grafschaft Wiltshire in Südwestengland. Es gibt sicher aufregendere Landstriche in Großbritannien, aber schon Jahrtausende vor Stonehenge wählten Menschen diesen Platz für ihren Tempel.

Um 8000 v. Chr. rammten sie erste Pfähle in den Boden, dort, wo sich heute der Parkplatz befindet. Sie markierten den Kultplatz und die benachbarten Gräber mit weißem Kalkstein, der unter der grünen Grasdecke liegt. Historiker stellten fest, dass es bei Stonehenge mehrere Bauphasen gibt.

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Um 1500 v. Chr. war das Megalithenmonument dann vollendet. Aber ein Observatorium, wie es viele haben möchten, war es sicher nicht. Der Weg geht nach innen ins Zentrum, nicht nach außen zu den Gestirnen. Um deren Lauf zu beobachten, hätte es nicht eines solchen Monumentes bedurft.

Stonehenge schützt sich durch die Düsternis, die es auch heute noch verbreiten kann. Noch als Ruine kündet es von der Macht derer, die es erbauten. Es ist, als ob es bis heute nur seinen Erbauern gehorcht und niemand sonst. Ein Bauwerk, das Macht symbolisiert. Ein Bauwerk, das trennt zwischen denen, die es betreten und denen, die es nur von außen betrachten dürfen.

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Der Tanz der Riesen

Es gehört zum Bild von Stonehenge, in der Anordnung der Steine einen geheimnisvollen Sinn zu sehen. Die Lage von Stonehenge ist astronomisch berechnet. Nur im engsten Umkreis seiner geographischen Länge und Breite können die Winkelausrichtungen der Jahreszeiten das symmetrische Muster bilden, das man hier vorweist.

Es zeugt von langer Erfahrung in der Positionierung von Pfählen oder Steinen, dass solch ein Tempel offenbar ohne jedes Herumprobieren geplant werden konnte. Er wurde vergrößert und weiterentwickelt und musste jedoch nie geändert werden.

Das ganze Gebiet ist mit Grabstätten übersät. Offenbar, weil viele an diesem heiligen Ort beerdigt werden wollten. Wiltshire besitzt etwa 2000 Rundhügel, von denen sich etwa 300 in der Nähe von Stonehenge befinden. Die meisten davon sind jedoch jünger als Stonehenge.

Das einzige Monument, das irgendwie an Stonehenge erinnert, ist der große, runde Steintempel in Ottilienburg im Elsaß, der zerstört ist und über den man nur bruchstückhaft Bescheid weiß. Er zeigt eine Baukunst, die auf die Kenntnisse mediterraner Strukturen schließen lässt, mit Zapfen und Löchern wie in Stonehenge und er befindet sich im Zentrum eines großen Gebietes voller Überreste der La-Ten-Kultur.

Egal, welcher Meinung man ist, wofür oder womit oder von wem Stonehenge erbaut wurde, man kann nicht abstreiten, dass sich in diesem Monument ein Kult, der durch Sonne und Mond repräsentierenden Naturkräfte ausdrückt.

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Ein Kult also, den man normalerweise als druidisch bezeichnet. Und wenn die numerologischen Hinweise, die hier vorliegen, irgend etwas bedeuten, dann gab es auch eine Verbindung zu anderen Himmelskörpern, jeweils ersichtlich aus besonderen Einzelheiten.

So ergibt der Umfang des inneren Steinkreises, multipliziert mit der Zahl 2,7 Mio. den Umfang der Erde, und der Durchmesser von Stonehenge ist der 400 000. Teil des Erddurchmessers. Natürlich ist das Zahlenmystik. Aber jede wissenschaftliche Rekonstruktion von Stonehenge ist das eigentlich auch.

Die Computerkonstruktion ist perfekt, vielleicht zu perfekt. Denn wir wissen nicht, ob Stonehenge wirklich vollendet wurde. Aber wenn, dann wird die Computeranimation dem echten Stonehenge wohl am meisten gerecht.

Stonehenge ist und war ein Tempel der Liebe. Die Menschen, die ihn erbauten, waren vielleicht 18 Jahre alt und mit 30 Jahren wahrscheinlich tot. Sie erfüllten diesen Platz mit der Kraft ihrer Riten. Riten der Liebe und der Sexualität. Die Steine hier haben diese Kraft aufgenommen. Aber sie künden noch von weiteren Kräften, von heiligen Linien, sogenannten Lay Lines, die sich hier kreuzen.

Insgesamt sind es 25 dieser Linien. Eine dieser Lay Lines verbindet Avebury und Stonehenge. Sie läuft durch den Silbury Hill durch das Grab von Westbury und verschiedenste andere Plätze. Nur die Steine stehen starr und unerschütterlich. Vielleicht ist es das, was sie verheißungsvoll wirken lässt. Steine sind ausdruckslos, geduldig und stumm.

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Jeder Stein in dem Kreis von Stonehenge hat seine Bedeutung. Das ist der Regenstein oder der Donnerstein, auf seiner Spitze ist Eisen oxidiert. Er zieht die Blitze an, die hier einschlagen und die Lay Lines aufladen. Und nichts anderes geschieht mit den Menschen. Jeder muß seiner eigenen Lay Line folgen, seinen Weg gehen.

Ich kam auf meiner Reise hierher, um zu sehen, zu spüren und zu begreifen. Ich kam hierher, und jetzt bin ich ein Druide und durchschreite das alte Königreich, folge den Wegen, die zum Glück, zum Leben und zur Liebe führen.

Es war wohl auch der richtige Zeitpunkt, denn ich bekam die Gelegenheit, Stonehenge in aller Ruhe zu erleben. Ich bekam eine dieser heißbegehrten Sondergenehmigungen, zwei bis drei Stunden ungestört im inneren des Steinkreises zu verbringen.

Spüren, Fühlen, Sehen und Erkennen

Es war ein schöner Tag, als ich den Weg gen Osten zu den jenseits von Avalon liegen Ebenen einschlug. Die warme Sommersonne und die offene Weite der Felder hatte viel dazu beigetragen, diesen Tag zu genießen. Vor mir dehnte sich ein ödes Kalksteingebiet aus. Verschwunden waren die honigfarbenen Felsen – an ihrer Stelle nun eine Erde, die untauglich schien, für reiches Leben zu sorgen.

Doch einige Minuten später bemerkte ich, dass ich mich getäuscht hatte. Das Land war nicht völlig verlassen. Aus dem grauen Boden weit vor mir am Horizont erhob sich ein riesiges rundes Bauwerk von gewaltigen Ausmaßen. Ich wurde von einer rätselhaften Anziehung erfasst und meine Neugier steigerte sich zu Verwunderung und zum Erstaunen.

Dann endlich konnte ich es deutlich sehen: ein riesengroßer Kreis aus viereckig behauenen Steinblöcken von bläulicher Farbe, der als äußere Begrenzung von einem runden Graben umgeben war. Der Eindruck war überwältigend, da es mit jedem Schritt mächtiger zu werden schien.

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In einer ziemlichen Entfernung außerhalb des Hauptkreises stand ein einzelner Menhir, der im Unterschied zu den anderen unbehauen war. Der Anblick dieses Monolithmonumentes ließ unfehlbar mein Blut schneller fließen.

Beim nochmaligen Hinschauen stellte ich fest, dass es sich nicht bloß um einen Kreis handelte, sondern in Wirklichkeit um eine Dreiergruppe, wobei ein Kreis im anderen lag. Die beiden kleineren waren unvollständig, an einem Ende offen und eher wie ein Hufeisen geformt.

Doch der äußere Ring, der war prachtvoll und musste vor Jahrtausenden wohl vollständig erhalten gewesen sein. Seine gewaltigen Säulen überragten mich dreimal an Größe und waren oben mit Dreiecksteinen versehen, so dass von unten ein geschlossener Kreis sichtbar war.

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Und dann fiel mir auch der Name ein: „Ort der hängenden Steine„ oder Stonehenge. Ich bin von Nordost gekommen und durch das Tor zwischen den Steinen, durch das die Mittsommersonne beim Aufgehen einfällt und Heel Stone und Mittelpunkt miteinander verbindet, in den Kreis eingetreten. Sofort habe ich das Gefühl oder eher gesagt das Empfinden von einer sehr alten, mächtigen Energie. Kräfte, die ich so in meinem Leben noch nicht gespürt habe. Ich bleibe stehen, um mich zu besinnen, und meine Kraft und Macht zu sammeln.

In meinen Gedanken formiert sich der Satz: „Es ist töricht, den großen Ring unvorbereitet zu betreten.„ Ich werde also warten, bis die richtige Stunde zum Betreten naht. Man muss viel lernen, bevor man einen Fuß auf heiligen Boden setzen darf. Ich werde die Schwelle der Abenddämmerung nutzen … den Ritus des Überganges … Ja, das wird die richtige Zeit sein. So war es vor Jahrtausenden, und so wird es jetzt auch wohl richtig sein.

Und was erlebte ich bis dahin? – Einen vollkommenen Sonnenuntergang. An die Stelle, wo ich saß, sandte die Sonne lange rote Lichtstrahlen zwischen den Steinen hindurch, die jetzt im Schatten der Abenddämmerung fast schwarz aussehen. Bald war ich von den Nachtgeräuschen der Ebene umgeben und die mächtige Silhouette, die vor dem Sternenhimmel stand, ließ mich wie einen Zwerg erscheinen.

Bevor ich den Kreis betrat, sprach ich noch zum Schutz Talhaiarns Gebet:

Gewähre, oh Gott, deinen Schutz und dem Schutz Stärke
Und in der Stärke Verständnis
und im Verständnis Wissen
und im Wissen Wahrheit
und in der Wahrheit Gerechtigkeit
und in der Gerechtigkeit Liebe
und in der Liebe die Liebe zu Gott
und in der Liebe zu Gott die Liebe
zu allem, was lebt.

Ich betrete den Kreis von der Avenue her, schließe die Augen und beginne meinen Weg im Uhrzeigersinn zwischen den äußeren und inneren Trilithensteinen. Ich registriere den Stein, der mich anzieht. Zunächst befinde ich mich hinter dem Stein. Als ich dann aber um ihn herum gehe, fällt mir eine leichte Ausbuchtung auf, in die ich mich stellen soll. Ein Mensch meiner Größe passt genau hinein.

Stonehenge – damals und heute

Als ich Platz genommen habe, befinde ich mich genau auf der Achse Heel Stone – Ruferstein – Mittelpunkt, der Sonnenaufgangslinie an der Sonnensommerwende. Ich schließe die Augen, versenke mich in mich hinein und sehe die Energie vom Mittelpunkt aufsteigen als hellgelbe dünne Säule. Nachdem ich immer tiefer in den Stein sinke, spüre ich einen Energiefluss, dem ich mich gerne anschließe. Nach einiger Zeit komme ich mir vor wie in einem Karussell, der gesamte Innenteil von Stonehenge scheint sich zu drehen und auch zu schwanken. Aber es ist ein angenehmes Gefühl.

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Und da, blitzartig, sehe ich Stonehenge wie es einmal war, in seiner gesamten Größe! Dann hüllen mich wieder reine, starke Kräfte ein. Es ist, wie im Feuer zu stehen oder besser gesagt selbst völlig aus Feuer zu sein. Ich empfinde die Kräfte als stark reinigend, bald meine ich, alle vier Elemente in mir fühlen zu können, ja sogar damit arbeiten zu können.

Ich hebe meine Hände und fühle Energie aus den Handflächen geradewegs durch den Mittelpunkt entlang der Achse mich zu bewegen. Meine bei der Reiki-Einweihung geweihte Kristallkugel verstärkt diesen Effekt. Das bewirkt auch ein deutliches Anschwellen der Lichtsäule in der Mitte des Steinkreises.

Selbst mit geschlossenen Augen beherrscht das Bild und die Präsenz der großen Steine mein Dasein. Wie ein ungeheuer großes, vor Energie pulsierendes Lebewesen, das Beachtung verlangt. Wie sehr ich mir wünschte, die Steine würden Stimmen haben, um von ihren stummen Jahren der Weisheit zu erzählen – an diesem Ort, einem Eingangsort zu dem Erbe so vieler Kulturen.

Und dann kam mir die Idee. Hatte ich doch die Möglichkeit, in einen leichten Versenkungszustand einzutreten und geistig mit dem Objekt zu verschmelzen, um einen Bericht seiner vergangenen Zeit zu erhalten. Eigentlich war dies nichts anders, als die darin gespeicherte Energie in sich aufzunehmen. Das ist doch bestimmt auch mit Steinen möglich.

Die Idee reizte mich. Und damit war es eine beschlossene Sache. Mit langsamen, vorsichtigen Bewegungen drehte ich mich um und berührte meinen Stein. Das Blut pochte in mir wild in den Adern. Ob vollständig oder nicht, der Kreis ragt immer noch schauder­erregend und ehrfurchtsvolle Furcht einflößend, die keinen Grad an Selbstbeherrschung zu beeinflussen vermochte, vor dem Himmel empor. Beunruhigt von dieser düsteren Präsenz zwang ich mich, die Augen zu schließen und streckte unsicher die Hand aus, um die kalte Oberfläche des Steines zu berühren.

Endlose Minuten lang versuchte ich dann erfolglos, meinen Atem zu besänftigen, damit er so tief und regelmäßig wurde, wie es für die Aufnahme notwendig war. Schließlich, als ich schon müde und erschöpft wurde, legte sich die Ruhe des Versenkungszustandes über mich und das innerste des Wesens des Steines wurde mir bewusst.

Doch hier und heftig brachen blendende Farbexplosionen aus der Dunkelheit in mir hervor. Regenbogen aus Licht ließen Visionen über Visionen entstehen, deren Zahl ich heute nicht mehr zählen kann, bis ich spüren konnte, wie die Grenzen der Realität wegglitten. Ich kämpfte verzweifelt darum, meine Hand von dem Stein zu lösen, um die Verbindung zu unterbrechen – doch es war vergeblich.

Eine letzte Vision überkam mich. Und dann … war alles verschwunden. Dunkelheit und Schweigen drangen schwer in mich hinein, und ich fühlte mich wie ein schwacher Mensch, der ich nun einmal auch war. Im Geist hörte ich nur die Stimme: „Dummer Junge, glaubst du wirklich, dass dein ungeweihter Geist die Wunder der alten Welt festhalten könnte?“

Meine Begleiter hatten mich wohl gesehen und rannten schnell zu mir. Mir wurde eine Flasche Mineralwasser an die Lippen gesetzt, und ich trank in tiefen Zügen das Wasser von der Blutquelle in Avalon. Bald durchströmte mich die Kraft des heiligen Wassers, und ich kam wieder zu mir. Die Sonne war untergegangen, der Mond stand am Himmel.

Doch sobald meine Augen nochmals auf jenen Riesenbau fielen, strömten die Erinnerungen an diesen Abend rasch zurück, dass ich augenblicklich wusste, was geschehen war.

Ich glaube, ich habe doch etwas Unbesonnenes getan. Wäre ich noch etwas tiefer in die Steinversenkung gefallen, dann hätten mich wohl nicht mal die Künste Merlins wieder zurückholen können. Ich hätte wohl sterben können. Der Übergang in die Anderswelt wäre so einfach gewesen. Aber in Anbetracht dessen, dass man mich verschonte, sollte ich wohl allen Göttern Dank sagen.

Bei hellem Tageslicht wirkt Stonehenge noch weitaus massiver als während des Halbdunkels in der Nacht. Ich frage mich, ob nicht vielleicht die großen Steine ihr Hoheitsgebiet mit einem unsichtbaren Feld schützen.

Meiner Begleiterin erzählte ich von meiner Vision des doch instandgesetzten Stonehenge. Es gab einen kleineren Kreis aus Blue Stones (jeder etwa in meiner Größe) gerade innerhalb der Riesensteine und noch einen zweiten Halbkreis von ihnen, der weiter innen lag. Doch zwischen diesen beiden befanden sich fünf der großen und gewaltigsten aller Denkmäler aus zwei aufrechten und einem quer darüberliegenden Stein: fünf vollkommene Trilithen, in Hufeisenform um den Zentralstein angeordnet. Riesen inmitten von Riesen.

Wir stehen hier an einer Stelle zwischen den Ebenen zu einer Zeit, die keine Zeit ist, an einem Ort, der kein Ort ist, an einem Tag, der kein Tag ist. Zwischen den Welten und jenseits von ihnen. Doch sind wir hier.

Für den heutigen Tag war es genug. Ich gehe noch mal dankbar außen um den Kreis herum und begebe mich dann still zum Ausgang dieses bemerkenswerten Kreises. Es war ein überwältigender Abend.

Was wird sein?

Stonehenge überlebt vielleicht nur deshalb über die Jahrtausende hinweg, weil es denen, die ihm schließlich hätten gefährlich werden können, bei den Menschen der Moderne Gefühle weckte. Gefühle für einen Raum, romantische Gefühle. Denn von Stonehenge erlebt man etwas, wenn man hinkommt, wenn man hineinkommt, hinein deswegen, weil es ein Raum ist. Es ist ganz selten, dass Architekten oder Planer Räume schaffen oder Räume zusammenbringen. Ein Raum muss kein Dach haben. Ein Raum kann innen sein, kann außen sein. In Stonehenge ist es alles. Beim Betreten der Anlage spürt man immer eine Atmosphäre. Auch eine Atmosphäre der Neugier.

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Spätestens seit dem Maschinenzeitalter haben sich die Menschen auch von der Last der Steine emanzipiert und konnten sie als Symbole des Zeitlosen genießen. Je geheimnisvoller sie erscheinen desto erhabener die Empfindung. In der tieferstehenden Sonne wird noch einmal die Straße sichtbar, die einmal nach Stonehenge führte. Auch sie war von Steinen gesäumt.

Wir wissen nicht, was hier geschah, aber es muss etwas Besonderes gewesen sein, getragen auch von dem Gefühl, geborgen zu sein im Inneren eines Bauwerkes, das nur bestimmte Menschen betreten durften – Eingeweihte, während die anderen ausgesperrt blieben. Zwischen dem ursprünglichen Stonehenge und uns liegen alle möglichen Vorstellungen. Alle möglichen Erwartungen.

Ich glaube, die Menschen wollen Stonehenge erforschen, tatsächlich aber erfinden sie es immer wieder neu. Das ist es, was wir bis heute tun, wenn wir uns mit diesem monolithischen Steinkreis beschäftigen.

Sollen die Straßen und der Parkplatz nahe des Steinkreises verschwinden. Stille soll sich über die Landschaft senken und über Stonehenge, so dass wir es auf uns wirken lassen können, wie es damals war. Damals – vor etwa 4000 Jahren.

Es ist, als ob wir etwas selbst verlieren würden, wenn Stonehenge einfach das wäre, was es heute ist, eine Ruine aus Stein. Es ist uns vertraut, weil die Menschen, die es erbauten, im Grunde so lebten, wie wir es noch heute tun. Und es ist uns fremd, weil diese Gesellschaft sich über 1000 Jahre um ein rituelles Zentrum scharte und nie den Glauben daran verlor.

Vermutlich ist es gerade das, was uns bis heute an Stonehenge fasziniert. Weil diese Gesellschaft auf einen Mittelpunkt hinlebte, sich in einem zentralen Bauwerk wiederfand und sich vielleicht der Illusion hingeben durfte, nicht nur eine Ansammlung Einzelner, sondern eine Gemeinschaft zu sein. Und davon träumen wir doch heute insgeheim auch noch.

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Der Preis des Buches: 10 Euro plus 3 Euro Versandkosten

Dipl.-Ing. Ullrich Höltkemeier
Freier Journalist, Karikaturist, Blogger

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