Meistens hat man einen ganzen Wagen für sich alleine………….!, den man allerdings mit anderen Passagieren teilt. Und die sind alle freundliche Menschen, gut, sagen wir es so, es sind Menschen.

Ungefähr 15 Sekunden vor Zugabfahrt ­steigen jeweils reifere Leute ein, die dann – besonders in der Stoßzeit – natürlich keinen Sitzplatz mehr finden und sich an die guten alten Zeiten erinnern, in denen jeweils ein junges Geschöpf für ein älteres aufgestanden ist. Das aber war vor zirka 30, 40 Jahren so. Früher war sowieso alles besser. Heute essen manche Passagiere auch eine Currywurst oder einen Döner und entzücken damit die Mitreisenden. Am besten entfalten sich aber die selbst gestrickten Reissalate aus einem geruchsneutralen Tupperware-Gefäß. ­Hmmmmmmmmmm!

Mit etwas Glück aber sitzen Sie in einem Wagen, in dem gerade ein Säugling seine akustischen Mitteilungsfähigkeiten unter Beweis und Ihre Nerven auf die Probe stellt. Aber man ist ja tolerant. Seien wir froh, dass der Kleine sein Geschrei nicht auch noch mit aromatischen Gerüchen untermalt.

Mit einer Portion mehr an Fortune sitzen Sie in einem Abteil mit einem Hund mit seinem Herrchen beziehungsweise Frauchen. „Er will ja nur spielen.“ Ja, sicher, aber ob der das auch weiß? Alle wollen nur spielen, ob Sie auch spielen wollen, steht nicht zur Fragen. Und die Hose ist auch im Eimer. Und wir haben doch alle ein Herz für Tiere?

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In der heutigen Corona verseuchten Zeit – viel zu dicht und viel zu voll.

Selbst für die Neugierigen unter uns bietet eine Zugfahrt genau das Richtige: Passagiere mit Mobiltelefonen. Allein dieses Phänomen würde ein dickes Buch füllen. „Ja, ich bin im Zug und kurz vor Frankfurt.“ Am Schluss wissen Sie – gewollt oder ungewollt – Bescheid über die ganzen Familienverhält-nisse, die letzten drei Ex-Ehemänner, Erbschaften und angewandte Gynäkologie im Allgemeinen. Irgendwie interessant, aber auch ein ganz klein wenig nervig.

Wer die Stille mag, der geht in ein Ruheabteil. Ja, ja, das gibt es tatsächlich. Dort ist laut sprechen, laut Walkman hören und mit dem Handy telefonieren und sich anrufen lassen nicht angesagt. Ehrlich. In vier Sprachen ist dort überall „Ruheabteil“ angeschrieben und mit Symbolen hübsch untermalt. Und in vier Sprachen wird gequasselt. „Ach, guck mal, wir sitzen ja in einem Ruheabteil. Eigentlich sollten wir ja still sein. Bla, bla, bla, bla.“

Wäre der Urmensch Ötzi in der Nähe einer Bahnlinie aufgefunden worden, so müsste man nicht so lange über dessen Todesursache spekulieren.

Also alles paletti? Ja, Zug fahren ist gut, sicherlich. Das beste Reisemittel – der Eindruck drängt sich auf – bleibt allerdings immer noch das Auto. Sie haben da die ganze Autobahn für sich alleine …… und in Zeiten von Corona sicherlich kein Ansteckungs-Potenzial!