Darum geht es: Bei einer Hausdurchsuchung findet Staatsanwältin Ursula Haldimann ein fleckiges altes Foto: Ein Indianer, mit Federschmuck auf dem Kopf, sitzt an einem Tisch in einer Schweizer Stube. Wer ist dieser Mann?

Hinter dem Bild verbirgt sich eine unglaubliche Geschichte: Deskaheh, Chief der Irokesen, kommt 1923 nach Europa. Es ist seine letzte Chance, das Land seines Volkes im Norden Amerikas vor der Besetzung der Weißen zu retten. Der Häuptling will sich mit einem Appell an den Völkerbund in Genf wenden und in der freiheitsliebenden Schweiz für die Sache der Indianer werben. Zumindest Letzteres gelingt, die Schweizer liegen dem charismatischen Mann zu Füßen. Der Zutritt zum Völkerbund aber wird ihm verwehrt. Doch Deskaheh lässt sich nicht beirren – dann wird er krank und stirbt 1925. Das, zum Hintergrund und zur Geschichte des Buches.

Darum kann ich das Buch empfehlen:  Willi Wottreng beschreibt in seinem Roman die Geschichte des Irokosen-Häuptlings Deskaheh und den Kampf eines unterdrückten und bevormundeten Kleinvolkes um Souveränität. Dabei holt der Autor, mit seiner Darstellung der Figur von Deskaheh, Chief der Cayugas, eine Geschichte ans Licht, die bislang nur Wenigen Menschen bekannt war. Während heute jeder, der negativ auffallen will, sich „einen Iro“ stehen lässt, hatte dagegen Häuptling Deskaheh ein – finde ich jedenfalls – sehr menschliches Ansinnen. Er wollte sein Volk vor der endgültigen Vertreibung und des Raubes seiner Kultur bewahren. Willi Wottrengs Dokuroman trägt dazu bei, Deskaheh Geschichte ins rechte Licht zu rücken.

Was aber ist dieser Roman? Reportage, Doku-Roman oder Politthriller? Eigentlich ganz einfach: Es ist die Geschichte des Irokesen Deskaheh und auf alle Fälle eine mehr als spannende Periode im Leben eines – von der Welt eher vergessenen – Kämpfers für sein Volk. Unbedingt lesenswert.

Originalsprache: Deutsch
Erstauflage: 5.10.2020
Willi Wottreng – Ein Irokese am Genfersee
Taschenbuch, 192 Seiten
ISBN-13: 978-3-293-20896-4
ISBN-10: 3-293-20896-7
Preis: 12.95 Euro