Wo etwas aus dem Ruder läuft, Bäche und Flüsse aus den Ufern treten, Tagelang die Erde brennt, Lawinen zu Tale donnern, Häuser einstürzen, Autos zusammenstoßen, sich einer das Genick bricht – oder Gleiches einem Mitmenschen antut, da überall sind sie zur Stelle: die Katastrophen-Glotzer und Umweltspechte – die Gaffer.

Heute will ich mich mit einer Unterordnung dieser Spezies beschäftigen, mit den Hochwassergaffern. Der Nachrichten-Sprecher hat gerade die Namen der bedauernswerten Städte und Dörfer, die gerade vom Hochwasser eingeschlossen wurde, noch nicht ganz ausgesprochen, schon starten die ihre Karren und machen sich auf den Weg. Nicht etwa, um den Mitbürgern zu helfen oder sich selbst in Sicherheit zu bringen und dem Hochwasser zu entgehen. Mutig und beherzt rasen sie auf die Schauplätze derartiger Katastrophen zu, behindern dabei Feuerwehren und freiwillige Helfer und sind empört, wenn jene ihnen durchs Bild laufen, während sie gerade Filme oder Videobänder belichten.

Der Hochwasser-Fremdenverkehr entwickelt sich zu einem lukrativen Erwerbszweig mit Zuwachsraten, von denen andere Sparten nur träumen können. Denken wir nur an die Prognosen der Umweltpropheten und wir sehen goldene Zeiten auf den Katastrophen-Tourismus zukommen.

Desaster-Sightseeing-Touren an Ahr z.B. nach Ahrweiler, ins Innviertel, nach Passau oder Dresden (Badehose mitnehmen – wir schwimmen durch den Zwinger! Fakultativ: Wir surfen in der Semper-Oper oder im Hauptbahnhof! Buchen Sie jetzt und schnell, solange die Pegelstände noch steigen!). 1A-Hochwasser-Trips: Hier ist die Mitnahme von Gummistiefeln und wasserdichten Anoraks dringend empfohlen, da derartige Artikel erfahrungsgemäß an Katastrophenorten meist schnell ausverkauft sind.

Aus Köln(wenn Vater Rhein sein Bett verlässt) wird von morbiden Scherzbolden berichtet, welche die Schläuche mit dem Rheinwasser aus den Kellern zurück in den Fluss gepumpt haben sollen, verlegt und wieder in die betroffenen Häuser geleitet haben. Köstlich …! Selten so gelacht!

Was soll man mit solchen sensations- und unglücksgeilem Pack anfangen? Die Todesstrafe haben wir ja – vielleicht etwas voreilig – abgeschafft. Aber wie sieht es mit Folter und Zwangsarbeit aus? Was gäbe es denn da für Möglichkeiten? Pro angefangene Minute Unglücksgafferei 20 Sandsäcke abfüllen? Wer mit dem Pkw die Zufahrt von Feuerwehr und Rettung behindert, das gibt einen Tag freiwillige Arbeit vor Ort am Katastrophenort. Mit z.B. Pumpen schleppen, Schläuche auf- und abrollen, Sandsäcke wuchten und anschließendem mehrstündigen Nachdenk-Seminar, bis zum Kinn im Wasser stehend in noch nicht leer gepumpten Kellern.

Oder aber: Die Autos der angereisten Spanner werden beschlagnahmt, mit Sand abgefüllt und zur Verstärkung gefährdeter Dämme benutzt. Wohnungen und Häuser der Glotzer vorübergehend enteignet und dort Evakuierte untergebracht.

Fazit: Irgendwas werden wir uns einfallen lassen müssen. Und zwar bald. Der nächste Dauerregen, das nächsten Gewitter und das nächste Hochwasser und mit ihnen der nächste Bus mit Gaffern, kommt bestimmt.

Ach ja, Jetzt soll es harte Strafen für Gaffer geben? Wenn Schaulustige Rettungskräfte behindern, soll das mit Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr geahndet werden. Bis zu zwei Jahre Haft könnte (!!) es geben, wenn verletzte oder verstorbene Unfallopfer gefilmt oder fotografiert werden, um die Bilder dann ins Netz zu stellen (richtig so!!). Selbst der Versuch, Bilder oder Videos zu machen soll künftig strafbar sein (genau!!). Vielleicht eine Chance, den rücksichtslosen Schaulustigen endlich bei zu kommen. Ob und ab wann und wie es funktioniert, wir werden sehen!

alle Zeichnungen cartulli