Immer mehr Menschen schwitzen in den Gyms dieser Welt und auch wir lieben es, unserem Körper eine schweißtreibende Portion Bewegung zu gönnen. Aus allen Schichten und Berufsgruppen kommen die Menschen in den Fitnesstempeln zusammen, um den Fitness-Göttern ihre Opfer zu bringen.

Ich persönlich finde Fitnessstudios sehr unterhaltsam (ich glaube, heutzutage wird der moderne Ausdruck „Gym“ verwendet und nicht mehr das veraltete „Fitnessstudio“ aus den 90ern). Zehn Millionen Deutsche, heißt es, sind Mitglieder in solchen Etablissements. Ich auch. Nicht nur einmal, sondern immer wieder. Ist wie mit dem Rauchen, kann man sich ein Dutzend Mal abgewöhnen, kommt man aber trotzdem nicht von los. Bei Fitnessstudios ist es ähnlich.

Vielleicht kennen Sie das ja auch: Man muss was tun für die Fitness, für die Gesundheit. Persönliches Ziel? Nun ja, keine Bikini-Figur, bei aller modischen Diversität: Bikini steht mir nicht, muss auch kein Sixpack sein, aber Fit for fun auf jeden Fall.

Das Fitnessstudio ist ein Egotempel, kein Ort für Empathie. Doch telefoniert wird dort trotzdem. Viele Deutsche, scheinen kaum etwas so sehr zu hassen wie Zugreisende, die lauthals Telefonate führen, während der an sich doch recht leise ICE die Republik durchfährt. Doch heutzutage gibt es alternativ Feinde, die sich geradezu aufdrängen. Was ist beispielsweise mit den Menschen, die so viel Zeit im Fitnessstudio verbringen, dass sie ihr gesamtes Social Media-Leben vom Stepper aus erledigen müssen?

Das Fitnessstudio ist ein Egotempel, der Neid hat hier einen Platz gefunden. Jetzt aber kommt im Fitness-Studio ein wenig Mallorca-Feeling auf. Sie wissen doch – volles Studio, doch ein Fahrrad ist noch frei und das wird schnellstens reserviert – noch vor dem Umkleiden, was ja locker 30 Minuten dauern kann (bei den Mädels). Sie wissen wie das geht, wenn sie schon einmal Urlaub auf Mallorca gemacht haben: Punkt 1 man checkt sich in Studio ein; Punkt 2 Frau geht zum noch freien Fahrrad oder Laufband uns hinterlässt dort Handtuch und Trinkflasche; Punkt 3: nun geht es in die Umkleide – Männer brauchen dazu 4 Minuten (Ausnahmen gibt es selbstverständlich) Mädels brauchen dazu etwas mehr Zeit (ca. 20 Minuten ??).

Alles wie auf Mallorca. Ein Tipp von mir, gehen sie jetzt einfach hin und setzten sich auf das „schon vor reservierte“ Fahrrad – das dann kommende Gesicht ist Goldwert.

Ganz süß finde ich auch die Menschen, die gerne Kurse (vor allem Zumba oder Aroha) mitmachen, es aber aufgrund von fehlendem Takt- und Rhythmusgefühl aber lieber bleiben lassen sollten. Ihr wisst, an wen ich denke – die, die grundsätzlich immer einen Vierteltakt zu spät klatschen, sich rechtsrum drehen, wenn alle anderen sich linksrum drehen. Doch alle haben sichtbar Spaß dabei. Und dass sie darauf pfeifen, was andere über sie denken, finde ich SUPER.

Das Styling fürs Gym spielt selbstverständlich auch eine wichtige Rolle – zumindest für die Modebewussten Mädels unter den Gym-Liebhabern. Die Jungs sind da etwas einfacher gestrickt. Das bauchfreie neonfarbene Tank-Top ist farblich abgestimmt mit der Batik-Tight mit Mesh-Einsätzen und den passenden Performance-Schuhen, und selbst das Haarband passt zum Make-up.

Auf zuerst einmal in die Umkleide…
Wie immer am Montag, Mittwoch und Freitag geht es ins Fitness-Studio. Der Weg führt mich dort, nach der Anmeldung direkt in die Umkleide. Hier bietet sich mir, wie eigentlich jedes Mal, ein Spektakel sondergleichen: Breitschultrige, muskulöse Männer in Jogginghosen stehen oberkörperfrei vor den beiden großen Spiegeln, die in der Umkleide aufgehängt sind, und werfen sich in erstaunliche Posen, welche anschließend mit dem Handy festgehalten werden. Ich bin mir sicher, dass mehr als die Hälfte dieser Bilder auf Instagram landen,

Ich suche mir einen freien Spind, wische das Proteinpulver, welches überall in der Umkleide verteilt ist, von der Sitzbank und ziehe mich um – professionelle, schweißabweisendr, atmungsaktive, ergonomische Sportswear. Fertig umgezogen bereite ich mich mental auf das vor, was mir gleich bevorsteht: der Gang vorbei an den verschwitzten Sportler*innen, vorbei an den Blicken der Trainer*innen, hin zum Laufband.

Dort angekommen, erwartet mich oft eine nasse Überraschung. Zwar sind alle Besucher und Mitglieder des Studios – jetzt in der Corona-Zeit – dazu angehalten, die Geräte nach dem Benutzen mit Papier, oder kleinem Handtuch (mitzunehmen an der Anmeldung) und Desinfektionsspray von jedweden Körperflüssigkeiten zu reinigen.

Nachdem ich mich dann zum Aufwärmen (!!) auf dem Laufband – 60‘ in hohem Tempo – warm gelaufen habe, geht’s zu den (richtigen ??) Geräten. Um dort dann auf einen freien Platz zu warten. Bis man dann irgendwann an der Reihe ist und das mitgebrachte Handtuch vorbildlich auf dem Gerät ausbreitet, wodurch man einerseits klarmacht, dass man das Gerät ganz sicher nicht vollschwitzen wird.

Und dann noch dies
Man hat sich eine Stunde auf dem Laufband dem Tempowahn hingegeben. Neben dran auf dem Rad eine adipöse Frau, deren Po den ganzen Sattel gefressen hat. Daneben ein sportbesessener Magersüchtigen im Tank Top (naja, in so etwas würde ich gerade nicht reinpassen) und Schweißgerucht. Daneben, auf einem Fahrrad, ein Pseudo Tour de France-Fahrer. Und über allem die Gewissheit: All diese Leute treffe ich gleich noch mal nackt in der Umkleide.

Eine Sammelunkleide (jetzt, in Corona-Zeiten nicht angebracht für den Besuch) ist ein Ort, an dem man sich eigentlich nicht länger als nötig aufhalten möchte. Das gilt aber auch für Frauen- oder Herren spezifische Umkleiden.

Dort riecht es – oft – nach getragener Sportkleidung. Die Spinde haben keinerlei Diskretionsabstand, sondern liegen dicht an dicht. Und so geschieht es immer wieder, dass man verschämt einer nackten Person ausweichen muss. Denn Nackte gibt es hier zuhauf: Denn viele Menschen besitzen die Gabe, jede noch so kleine oder große Fitness-Umkleide für einen Wellness-Bereich zu halten, in dem sie sich ausgiebig pflegen, waschen und cremen, bevor sie den Heimweg antreten.

Doch so etwas hat auch Vorteile: Wer bisher bei seinen sexuellen Bekanntschaften noch nie das Glück hatten, sich ein Intim-Piercing von nahem anzuschauen, für den reicht meist ein Besuch in der Umkleide des örtlichen Fitness-Studios. Wer sich bei der eigenen Schamhaarfrisur noch unsicher ist, kann sich hier ein umfangreiches Mehrheits-Trendbild machen. Und die Neuen Fußball-Ergebnisse vom Wochenende gibt es noch obendrauf – GRATIS.

Nach knapp Zwei Stunde Training geht es zurück nach Hause. Selbstverständlich nicht mit dem Auto (das fährt mein Frau, die auch im Studio war zurück), sondern in Laufschuhen. Als ob ich nicht schon genug trainiert habe, laufe ich die 6 km noch nach Hause – wem’s Spaß macht? Mir schon.

Ins Fitnessstudio zu gehen macht echt viel Spaß – nicht immer aber immer öfters. Nicht nur, weil man dort was Gutes für seinen Körper tut, sondern auch, weil man dort so viele verschiedene interessante Typen trifft.

Hier einige dieser Fitness-Studio-Typen

Bis vor kurzen waren die Fitnessstudios wegen der Corona-Pandemie ja geschlossen. Jetzt ist alles wieder geöffnet, und du solltest drauf vorbereitet sein, wer da alles rumläuft.

Der/die Smartphone-Junkie: Beim Smartphone-Junkie geht nichts ohne das Handy. Sobald sie das Training auf ihrem Heimtrainer beendet hat, nimmt sie ihr Smartphone und beginnt damit ihre sozialen Netzwerke abzuchecken oder WhatsApp-Nachrichten zu verschicken. Nichts hält sie und ihr Smartphone auf!

Der Experte: Diesem Fitness-Typen begegnest Du fast in jedem Fitnessstudio und kannst ihm kaum entkommen. Sobald Du Dich an Deine Übungen machst, stellt er sich interessiert neben Dich und beobachtet Dich, als wäre er Dein Trainer. Nur selten kannst Du seinen gut gemeinten Ratschlägen entgehen. Es gibt kaum einen Übungs- oder Themenbereich, in dem sich der „Experte“ nicht bestens auskennt und versucht Dich zu belehren.

Der Anfänger: In jedem Fitnessstudio kannst Du den Fitness-Typ Anfänger antreffen. Gerade in den ersten Trainingsstunden sind Anfänger oft noch ratlos und fühlen sich häufig ein wenig verloren. In einem guten Fitnessstudio werden Anfänger zumeist sofort von den Trainern entdeckt und eingewiesen, sodass die gerade entdeckten Anfänger schon nach wenigen Wochen nicht mehr als Anfänger zu entdecken sind, weil sie sich in einen anderen Fitness-Typ verwandelt, oder ganz aufgegeben haben.

Der „Ich-hab-keine-Zeit“-Typ: Den hektischen Fitness-Typ erkennst Du daran, dass er eigentlich gar keine Zeit zum Trainieren hat. Er möchte etwas für seine Gesundheit tun, aber nicht allzu viel Zeit investieren. Häufig kann es vorkommen, dass Du den hektischen Fitness-Typ im Fitnessstudio gerade entdeckt hast und er dann schon wieder nach Hause geht. Bei diesem Fitness-Typen besteht selten die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen.

Der Poser: Muskeln sind was Schönes, besonders dann, wenn man sie anderen zeigen kann. Den Fitness-Typ „Poser“ findest Du nicht nur in jedem Fitnessstudio, sondern auch in allen anderen öffentlich-sportlichen Bereichen. Sie setzen sich gerne in Szene und zeigen allen Anwesenden, welche Muskelbereiche sie mühevoll aufgebaut haben. Ihnen kannst Du schwer aus dem Weg gehen, weil sie stets bemüht sind, neue Kontakte zu knüpfen.

alle Zeichnungen: cartulli

Der Redner: Immer wieder triffst Du auf einen Fitness-Typ, der Zeit im Überfluss zu haben scheint. Das Training ist nur Mittel zum Zweck, um neue soziale Kontakte aufbauen zu können. Dieser Fitness-Typ trainiert zwar, um dazugehören zu können, aber extrem langsam, ohne wirklich Ausdauer zu zeigen.

Der After-Worker trägt verwaschene T-Shirts, die er bei Volksläufen aus dem letzten Jahrhundert abgegriffen hat. Sie lassen wissen: Der Träger war beim „Jedermannslauf Ahrweiler 1994“ dabei. Der After-Worker geht direkt nach der Büroarbeit zum Sport, die Tasche dafür hat er schon am Vorabend gepackt. Oft telefoniert er noch, wenn er das Studio betritt. Er ist hier, weil ihm Arbeit und Training angenehmer erscheinen, als heim zur Familie zu gehen. Er absolviert sein Training an allen Einsteigergeräten, obwohl er schon mehrere Jahre hierher kommt.