Wir haben vom Rhythmus der Natur zur Nanosekunde gewechselt. Doch langsam dämmert‘s selbst den Schnellen, dass Geschwindigkeit nicht alles ist. Selbst Autobauer, die eigentlich vom Berufs wegen Künder der Beschleunigung sind, springen auf den Bummel-Zug und werben mit „Nicht schneller ankommen, sondern besser“.

Wie kurz, kurz ist, zeigt der folgende Einblick in die Welt der kleinsten Zeiträume:

In rund einer Attosekunde (eine Attosekunde, ist das Millardstel einer Millardstel-Sekunde) legt das Licht eine Strecke zurück, die gerade einmal so groß ist wie ein Wasserstoffatom.

80 Attosekunden dauern die derzeit kürzesten, von Wissenschaftlern hergestellten Lichtblitze.

200 bis 300 Nanosekunden (eine Nanosekunde entspricht einer Millardstel Sekunde) braucht ein Spermium, um in eine Eizelle einzudringen.

330 Mikrosekunden (eine Mikrosekunde ist eine Millionstelsekunde) dauert der Biss eine Ameise Odontomachus bauri – die wohl schnellste Körperbewegung der Welt.

400 Mikrosekunden (0,0004 Sekunden) dauert die Hauptentladung eines Blitzes bei Gewitter.

In 500 Mikrosekunden schießt die Qualle ihre giftgefüllten Nesselkapseln ab – mit geschätzten 250 Kilometern pro Stunde.

Ein Tausendstel einer Sekunde (0,001 Sekunden) braucht ein Flo als Reaktionszeit, um hochzuspringen.

Zwei Tausendstel einer Sekunde (0,002 Sekunden) beträgt das akustische Auflösungsvermögen des Menschen. Geräusche, die schneller aufeinander folgen, kann er nicht mehr unterscheiden.

In einem Hundertstel einer Sekunde (0,01 Sekunden) schlägt der Kolibri einmal mit seinen Flügeln.

Innerhalb von 0,02 bis 0,04 Sekunden bläst ein Airbag im Auto auf.

Knapp 0,15 Sekunden dauert ein menschlicher Wimpernschlag.

0,02 bis 0,5 Sekunden braucht ein Schmerzreiz, bis er unser Gehirn erreicht hat.

0,4 Sekunden hat der Fußballtorwart Zeit – dann erreicht ein geschossener Elfmeter das Tor.

Zeichnung: cartulli

Selbstverständlich hat der Spruch „lebe schnell, stirb jung“ in seiner Gnadenlosigkeit schon etwas für sich. Doch wer ständig forciert, wer immer schnell ist, um nichts und niemand zu verpassen, der übersieht leicht das Kleingedruckte im Leben. Und weil es darum wirklich schade wäre, kriegt der Slow-motion-Lebensstil, langsam aber sicher, doch noch seine Chance.