Die Emsüberführung eines riesigen Kreuzfahrtschiffes Richtung Nordsee ist immer ein echtes Highlight: Kreuzfahrtschiffe, die in der Meyer Werft in Papenburg gebaut werden, müssen den rund 40 Kilometer langen Weg von der Weft ins offene Meer zurücklegen.

Doch das ist heute, wie auch vor rund 10 Jahren nicht einfach. Bevor das Emssperrwek in Betrieb genommen wurde, fanden Schiffüberführungen in zwei Etappen statt. Mit dem ersten Hochwasser wurden die ersten 20 km bis Leer geschafft, wo man bis zur nächsten Tide warten musste. Mit der zweiten Flut konnten die Kreuzfahrtschiffe die Jann-Berghaus-Brücke passieren und bis zum Ziel Emshafen durchfahren.

Heute wird mit dem schließen des Sperrwerkes die Flut aufgestaut und zusätzlich Wasser aus der Außen-Ems und den Flüssen Leda und Jümme gepumpt, sodass die Emsüberführungen ohne Zwischenstopps und exakt geplant erfolgen können

Die von der Mayer-Werft geplanten Daten zur Überführung
Montag, 08. Oktober 2018: (Bei den Zeitangaben handelt es sich um ca.-Angaben)

  • 07:00 Uhr, Meyer Werft: Leinen los
  • 08:00 Uhr, Meyer Werft: Passage Dockschleuse
  • 14:30 Uhr, Weener: Passage Friesenbrücke
  • 19:00 Uhr, Leer: Passage Jann-Berghaus-Brücke
  • 23:15 Uhr, Gandersum: Ankunft Ems-Sperrwerk

Dienstag, 09. Oktober 2018: (Bei den Zeitangaben handelt es sich um ca.-Angaben)

  • 01:00 Uhr, Gandersum: Passage Ems-Sperrwerk
  • 02:30 Uhr, Emden: Passage Emden, Schiff drehen
  • 09:00 Uhr, Eemshaven: Ankunft

Und dann die Überraschung: Die Emsüberführung von AIDAnova wurde um circa 12 Stunden verschoben. Als Grund nannte die Meyer Werft den noch nicht ausreichenden Wasserstand.

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Und so sollte es dann weitergehen:

  • Dienstag, 9, Oktober, ca. 2.30 Uhr: Weener, Passage Friesenbrücke
  • Dienstag, 9. Oktober, ca. 7 Uhr: Leer, Passage Jann-Berghaus-Brücke
  • Dienstag, 9. Oktober, ca. 11.15 Uhr: Gandersum, Ankunft Ems-Sperrwerk
  • Dienstag, 9. Oktober, ca. 13.30 Uhr: Gandersum, Passage Ems-Sperrwerk
  • Dienstag, 9. Oktober, ca. 15 Uhr: Passage Emden, Schriff drehen
  • Mittwoch, 10. Oktober, ca. 7 Uhr: Ankunft Eemshaven

Am Montagabend ging es dann aber doch los. Und wie immer bei den Schiffs-Überführungen sahen zahlreiche Schifffans zu, wie sich der Ozeanriese in der Dämmerung durch die Dockschleuse schob.

 

Rückwärts über die Ems nach Emden
Die AIDAnova war am Montagabend in Papenburg gestartet. Seitdem fuhr sie rückwärts über die Ems, unterstützt von zwei Schleppern. Damit aber ein Schiff dieser Größe die Ems herunterfahren kann, müssen die „technischen und nautischen Bedingungen“ stimmen. Was heißt das konkret? Man braucht genügend Wasser in der Ems und die Windbedingungen müssen stimmen. Für den ausreichenden Wasserstand wird der Fluss mithilfe des Emssperrwerks aufgestaut – und manchmal dauert das etwas länger als ursprünglich geplant. Deshalb kommt es immer mal wieder zu einer kurzfristigen Verschiebung der Emspassage um eine Tide, wie auch diesmal bei der AIDAnova.

 

Die Schlepper haben bei der Überführung zwei Aufgaben: Zum einen sorgen sie für die Initialgeschwindigkeit des Schiffes, damit wir die eigenen Antriebe möglichst wenig einsetzen müssen, und zum anderen fungieren sie als Steuereinrichtung.

Warum aber Rückwärts die Ems entlang. Etwas befremdlich wirkt es schon, wenn so ein Riese, auf solch kleinem Fluss, 40 km rückwärts fährt. Durch die Entwicklung neuartiger Antriebe wurde eine bessere Manövrierfähigkeit erreicht. Die am Heck angebrachten Antriebs-Gondeln schaufeln das Wasser quasi unter das Schiff. Somit ist es rückwärts besser zu steuern und man hat immer genug Wasser unter dem Kiel.

Man hat dadurch eine optimale Anströmung des Hauptantriebes, das Schiff lässt sich mit den Querstrahlern vor allem auch in den Kurven besser steuern und außerdem liegt das Schiff dadurch etwas weniger tief im Wasser. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass man als Kapitän bei dieser Fahrweise die gesamte Schiffslänge vor sich hat. Ansonsten müsste man immer über die Schulter nach hinten gucken.

Alles neu auf der AIDAnova
Nach rund zehnmonatiger Bauzeit hat mit der AIDAnova das weltweit erste mit Flüssigerdgas betriebene Kreuzfahrtschiff der Meyer Werft die Dockhalle verlassen. Die AIDAnova wird hauptsächlich Häfen anlaufen, in denen LNG, also Flüssigerdgas-Terminals vorhanden sind: Von Hamburg aus geht es nach Southampton in England, dann weiter in Richtung Portugal. Dort hat der Hafen von Funchal auf der Insel Madeira ein eigenes LNG-Terminal. Mit einer Tankladung LNG könnte das Schiff zwei Wochen auskommen. Trotzdem können die vier Motoren auch mit Marinediesel angetrieben werden und der Kraftstoff ist auch an Bord. Zum einen als Reserve, um sicher an den nächsten Hafen zu kommen, falls das LNG-System ausfällt.

Was ist LNG?
LNG ist die Abkürzung für Liquefied Natural Gas. Es ist der derzeit schadstoffärmste fossile Brennstoff, der in der Schifffahrt einsetzbar ist. Das Erdgas wird auf minus 162 Grad Celsius gekühlt und damit verflüssigt. Dadurch kann es unabhängig von Pipelines in großen Mengen auf Tankern transportiert werden. Mit LNG werden Stick- und Kohlendioxid in den Abgasen der Schiffe deutlich verringert. Der Ausstoß von Schwefeloxiden und Rußpartikeln wird ganz vermieden. Allerdings sind die Investitionskosten für ein Schiff mit einem zusätzlichen LNG-Motor um 20 bis 30 Prozent höher als für einen herkömmlichen Schiffsantrieb.

Der Antrieb mit LNG verbessert die Umweltbilanz der „AIDAnova“ direkt. Das Schiff wird bei der Fahrt so gut wie keine Schwefeloxide oder Feinstaubpartikel ausstoßen. Auf einem Kreuzfahrtschiff mit herkömmlichen Antrieb hatten Reporter des ZDF-Verbrauchermagazins „Wiso“ im vergangenen Jahr in einer fensterlosen Kabine ähnlich viele Feinstaubpartikel gemessen wie in Stuttgart bei Feinstaubalarm. Im Vergleich zum Raffinerie-Abfallprodukt und billigen Lieblingskraftstoff der Schifffahrt, dem Schweröl, dürften auf der „AIDAnova“ außerdem rund 70 Prozent weniger Stickoxide aus dem Schornstein geblasen werden.

Zahlen, Daten, Fakten
20 Decks hat die „AIDAnova“. 2.626 Kabinen für die Passagiere gibt es auf dem Schiff mit einer Vermessung von 184.000 BRZ. Gäste können bei der Buchung aus verschiedenen Kabinen-Kategorien wählen – und spätestens hier zeigt sich, dass die Zeiten des Luxus in der Kreuzfahrt-Branche keinesfalls vorbei sind. Nur auf der AIDAnova und nur ein einziges Mal“ gibt es die „Penthouse-Suite“ mit Sonnendeck und Ausstattung für „anspruchsvollste Gäste“.

 

Es geht los!
Die Dämmerung begann, als sich am Montagabend die AIDAnova auf den Weg nach Emden machte. Eine gute halbe Stunde nach dem Start erreichte das Schiff das erste Nadelöhr: die Dockschleuse. Der 45 Meter breite Übergang vom Werfthafen zur Ems ist nicht wirklich groß für ein 42 Meter breites Kreuzfahrtschiff. Zentimeter für Zentimeter schob sich der 337 Meter lange Riese durch die Schleuse. Vorne und hinten am Schiff sorgte je ein Schlepper für Unterstützung bei der perfekten Positionierung. Dabei waren auf dem Schiff 50 Menschen die direkt mit der Überführung beschäftigt waren. Hinzu kmen etwa 750 weitere Werftarbeiter für den Innenausbau. Und 400 bis 500 Crew-Mitglieder waren auch schon an Bord.

Dienstag, 9, Oktober, ca. 2.30 Uhr erreichen Weener, Passage Friesenbrücke

Dienstag, 9. Oktober, ca. 7 Uhr erreichen Leer, Passage Jann-Berghaus-Brücke

Viele Ship-Spotter waren trotz der frühen Morgenstunde dabei, als sich die AIDAnova zwischen den Pfeilern der Jann-Berghaus-Brücke hindurchschob. Dutzende Menschen standen auf den Seiten der Klappbrücke oder am Ufer der Ems.

Und um 12:31 am Dienstag den 9. Oktober2018, das Emssperrwerk. Es ist die letzte enge Passage, die dem Ozeanriesen während der Fahrt über die Ems in Richtung Nordsee bevorsteht.

 

Das Emssperrwerk
Immer wieder kommen technisch interessierte Touristen nach Ostfriesland. Der Grund: Die Überführung einer großen Kreuzfahrtschiffes und das Emssperrwerk.
Ein beeindruckender Beleg deutscher Ingenieurskunst quer durch die Ems. Der gigantische Wall aus Stahl und Beton staut bei Bedarf das Wasser der Ems – bis es tief genug ist für die Traumschiffe der Meyer-Werft auf ihrer Fahrt von Papenburg in die offene Nordsee. Und es schützt die Menschen hinter den Deichen vor Sturmfluten.  Das Emssperrwerk bei Gandersum ist eines der modernsten Sperrwerke in Europa und seit September 2002 in Betrieb.

 

Das Emssperrwerk steht an der Unterems zwischen den Ortschaften Gandersum am Nordufer und Nendorp am Südufer. Es hat zwei Funktionen: Es verbessert den Küstenschutz und ermöglicht das Aufstauen der Ems zur Überführung der großen Kreuzfahrtschiffe der Meyer Werft in Papenburg. Der Sturmflutschutz bewirkt, dass Sturmfluten mit Wasserständen, die höher als NN +3,70 m und damit rund 2,0 m höher als das mittlere Tidehochwasser auflaufen, nicht mehr flussaufwärts vordringen können. Im Mittel muss das Sperrwerk zur Abwehr von Sturmfluten alle zwei Jahre einmal geschlossen werden.

Zur Überführung der Schiffe reichte der Tiefgang von 7.30 m zwischen Papenburg und Emden nicht mehr aus. Da die Ems nicht weiter vertieft werden soll, blieb als einzige Möglichkeit das Aufstauen der Ems mit Hilfe eines Sperrwerks. Nun konnten Schiffe mit bis zu 8.50 m Tiefgang die offene See erreichen. Dazu wird die Ems bis auf maximal NN +2.70 m aufgestaut. Die Gesamtstauzeit darf dabei pro Jahr nur 104 Stunden betragen. Während der Brutzeit darf das Vorland zum Schutz der Gelege und Jungenaufzucht nicht überstaut werden.

INFO: Wer sich die Details dieses imposanten Wasserbauwerkes anschauen möchte, hat die Möglichkeit, in Gandersum sowie in Ditzum an einer Führung mit Videopräsentation teilzunehmen, diese ist nach Vereinbarung jederzeit möglich. Auch individuelle Führungen für Gruppen, ob mit PKW, Bus oder Fahrrad unterwegs, werden angeboten.

AIDAnova wird in Emden gedreht
Hinter dem Emssperrwerk wird die Fahrt für das Kreuzfahrtschiff einfacher, weil die Ems breiter wird. Deshalb kann die AIDAnova ab Emden vorwärts weiterfahren. Nach ersten Tests fährt sie weiter nach Eemshaven, wo sie am Mittwochmorgen ankam. Anschließend steht die erste Testfahrt auf der Nordsee auf dem Programm.

Am 15. November wird das Schiff in Bremerhaven offiziell der Reederei übergeben. Am selben Tag startet die erste von vier viertägigen Kurzreisen, bevor die AIDAnova am 2. Dezember von Hamburg aus zur Jungfernfahrt Richtung Kanaren aufbricht.

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