Im fränkischen Rittersbach hat Claus Böbel nun ein Bratwursthotel eröffnet. Es ist nicht das erste Mal, dass der Metzgermeister mit einer Idee auf sich aufmerksam macht. Denn immer mehr Landmetzgereien kämpfen ums Überleben.

Bratwursthotel-Metzgerei-aussen

Bild: Metzgerei Böbel Rittersbach

Eine Übernachtung bei Claus Böbel im fränkischen Rittersbach, in dem nach eigenen Angaben ersten Bratwursthotel der Welt, darf man sich so vorstellen: Man schläft umgeben von Tapeten mit Wurstaufdruck, bettet den Kopf auf ein Wurstkissen, und wenn man morgens aufwacht, zieht einem womöglich schon der Duft nach fränkischer Bratwurst in die Nase.

Nicht nur, weil es zum Frühstück lauwarmen Bratwurstapfelkuchen oder Rührei mit Bratwurst gibt, das versteht sich quasi von selbst. Sondern weil in diesem Hotel mit den sieben Zimmern, das der Metzgermeister mit dem Familienbetrieb in dritter Generation eröffnet hat, schon mal echte Würste von der Decke baumeln.

Bratwursthotel

Beispiel: Nr. 3 Doppelzimmer: Bratwurst-Geschichte(n)
In diesem Zimmer geht es um die Geschichte der fränkischen Bratwurst. Und um kleine Geschichten rund um diese fränkische Spezialität. Der Ausblick des Zimmer geht über die Straßenseite Richtung Ritterbacher Hopfen-garten. Vom Bad aus ein herrlicher Blick Richtung Kirchturm.

„Die klassische Hausfrau stirbt aus“, sagt Böbel. Wer bereite denn heutzutage noch einen richtigen Sonntagsbraten zu? Das Essverhalten habe sich verändert. Heute kaufe der Kunde „zwei Steakchen für 300 Gramm“, so Böbel. Tatsächlich ist der Metzgermeister keiner, den die Veränderungen des Metzgerwesens aus der Fassung bringen. Das sei nun einmal so, darauf müsse man reagieren. Er hätte natürlich versuchen können, der vom Einzelhandel hochgelobten Digitalisierung nachzujagen – oder den Standort zu verlagern.

Doch dafür gefällt es ihm viel zu gut im fränkischen Rittersbach, einem Ort mit 350 Einwohnern. Stattdessen nennt der Franke sich lieber „Kulturbotschafter für die deutsche Wurst“ und begegnet der Fleischbranche mit unkonventionellen Ideen. Er hält Vorträge und veranstaltet seit 2009 auch Workshops, bei denen Anfänger und „Semi-Profis“ gleichermaßen lernen, wie Würste hergestellt werden.

Bleibt die Frage, wer denn nun die Gäste sein sollen in seinem Bratwursthotel? Da hat der Metzgermeister klare Vorstellungen: Zum einen könnte es Tagungsort für Geschäftsleute sein, die etwas anderes wollen und Inspiration suchen – in einem „verrückten, coolen, trendigen Hotel“. Und natürlich setzt Böbel auch auf Touristen aus dem Ausland, auf solche, die sich für seine Ware begeistern können.

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