Den Wind sehen wir nicht, aber wir spüren ihn. Ich wohne seit einiger Zeit, da wo der Wind weht – immer! (an der Nordseeküste.) Naja, fast immer. Es ist halt so, daß es egal ist in welche Richtung man geht oder läuft, da der Wind immer von VORNE kommt. Man geht also sehr oft gegen den Wind, aber auch mal mit dem Wind. Als Langläufer liebe ich den Rückenwind – Gegenwind (an der Küste oft – viel zu oft – sehr stark) mag ich garnicht.

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Der britische Reiseschriftsteller Nick Hunt hat sich auf den Weg gemacht vier europäischen Wind zu erwandern. Seine Erlebnisse finden sich wieder im Buch „Mit dem Wind: Wanderungen vom Atlantik bis zum Mittelmeer“.

Auszug aus dem Prolog

Der britische Journalist und Reiseschriftsteller Nick Hunt macht sich auf den Weg, den Wind zu erwandern. Von den Höhenzügen im Nordwesten Englands bis zu den Alpen, von den Ufern der Rhone bis zur Adriaküste führen ihn seine Wanderungen. Es sind Reisen zu wilden Winden und wilden Landschaften – und zu den Menschen, die sie bewohnen: Meteorologen und Sturmjäger, Schäfer und Segler, Exzentriker und Enthusiasten. Dabei erlebt er nicht nur hautnah jene Kräfte, denen er auf der Spur ist, er taucht auch ein in Mythen und Legenden, Geschichte und Geschichten, Wissenschaft und Aberglauben.

Der Autor: „Der Meltemi, der Halny, der Scirocco, der Tramontana, der Levante, die Košava, der Marin: Es gibt in Europa Dutzende von Winden, denen man einen Namen gegeben hat. Doch ich entschied, bloß vier von ihnen zu folgen – im Sinne der sprichwörtlichen vier Winde und der vier Himmelsrichtungen auf dem Kompass. Der Helm würde mich in den Norden Englands führen, über den höchsten Punkt der Pennines hinweg, die als Hügelkette so etwas wie die Wirbelsäule der Insel bilden. Der Bora würde ich von Italien in südöstlicher Richtung die Adriaküste hinunter folgen, durch Slowenien und Kroatien, stets das Gebirge auf der einen und das Meer auf der anderen Seite. Der Föhn sollte mich auf einer sich schlängelnden Wanderung durch die Schweiz und bis ins Herz der Alpen begleiten, in deren Verlauf ich auch das winzige Liechtenstein durchqueren würde. Und mit dem Mistral würde meine Wanderung im Tal der Rhône in Südfrankreich ihren Anfang nehmen um dann im Mittelmeerraum zu enden.“

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Föhn, die einen erfreut er, die anderen hassen ihn. Dieser warme Wind bringt extrem hohe Temperaturen mit sich – vor allem im Winterhalbjahr. Als Föhn wird ein abwärts gerichteter Wind bezeichnet, der im Lee (also der dem Wind abgewandten Seite) von Gebirgen auftritt. Auf der Luvseite der Berge (der dem Wind zugewandten Seite) steigt die Luft nach oben, es kommt zu Wolkenbildung und Niederschlag. Föhn entsteht oft von Süden her. Dabei drückt der Wind gegen die Südseite der Alpen. Die Wolken türmen sich auf und regnen oder schneien an den Hängen ab. Auf der Nordseite der Alpen hingegen ist es sonnig und warm.

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Bora, der kalte Wind an der Adria: Wenn im Mittelmeer zwischen Triest und den Adriaküsten von Kroatien sowie Mazedonien in kürzester Zeit riesige Wellen empor peitschen, dann weht die Bora – ein trockener, kalter Fallwind. Die Bora ist ein trockener, kalter und böiger Fallwind, der aus Einbrüchen polarer Kaltluft hervorgeht. Der Wind lässt sich mit dem warmen Gegenstück, dem Föhn, vergleichen. Beide Winde treten nur in bestimmten Regionen auf. Während die Bora in den Sommermonaten meist nur einen Tag anhält, bläst sie im Winter im Schnitt drei und bis zu maximal 14 Tage lang.

Die Bora entsteht, wenn polare Kaltluft aus nördlicher bis nordöstlicher Richtung in die adriatische Küstenregion strömt. Über die Gebirgspässe fließt die Luftmasse dann zum Meer. Dort kann die Bora Sturmstärke erreichen, bei einzelnen Böen wurden Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 250 Kilometer pro Stunde gemessen. Wenn die Bora zuschlägt, müssen Brücken oder Küstenstraßen gesperrt und Fährlinien eingestellt werden.

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Mistral: Viele Winde wehen über das Mittelmeer. Gefürchtet sind in Südfrankreich am Meer vor allem der Mistral und die Tramontana, zwei kalte, trockene und oft starke Fallwinde aus nordwestlicher Richtung, die in allen Jahreszeiten auftreten und tagelang ununterbrochen kräftig wehen können. Aber auch das Gegenteil ist keine Alternative: der Scirocco, ein heißer, bisweilen unerträglicher Südwind.

Der Mistral tritt im unteren Rhônetal von Lyon bis Marseille auf, es sind neben der Provence auch die westliche Côte d’Azur, das Languedoc östlich von Montpellier und sogar Korsika davon betroffen. Lediglich die östliche Côte d’Azur ist durch ihre Berge gut vom Mistral abgeschirmt. Typisch für den Mistral sind ein wolkenloser, sehr klarer Himmel und ein starker Temperaturabfall.

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Helm Wind: In England gibt es einen Wind, der auch einen eigenen Namen hat: The Helm Wind, zu finden bzw. zu spüren und zu hören ist er in der Grafschaft Cumbria und dort vor allem im Bereich der Cross Fell Range, die in den nördlichen Pennines liegt. Dieser föhnartige Wind kann ganz schön stark blasen und erinnert, wenn er in Hochform ist, an einen dahin donnernden Zug.

Wo der Wind seinen Namen her hat, ist nicht so ganz eindeutig festzustellen, am wahrscheinlichsten ist die Version, dass das Wort „Helm“ von „helmit“ kommt, also Helm oder Kappe, denn wenn der Wind so richtig stark bläst, bildet sich über den Hügeln eine Wolkenkappe, „helm bar“ genannt. Als erster hatte sich der berühmte britische Klimaforscher Gordon Valentine Manley (1902-1980) in den 1930er Jahren mit dem Helm Wind beschäftigt und das Phänomen ausgiebig untersucht.

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Der britische Journalist und Reiseschriftsteller Nick Hunt hat sich auf den Weg gemacht diese Wind zu erwandern. Seine Erlebnisse finden sich wieder im Buch „Mit dem Wind: Wanderungen vom Atlantik bis zum Mittelmeer“.

Mein Buchfazit

Nick Hunt ist Journalist und Reiseschriftsteller. Er hat einen großen Teil Europas durchwandert und darüber geschrieben. Sein neues Buch „Mit dem Wind“ ist eine aufregende und wunderschöne Geschichte voller meteorologischer Wunder.

Nick Hunt macht sich auf die Suche, vier europäischen Winden über den Kontinent zu folgen. Seine Windwanderungen beginnen am Cross Fell, dem höchsten Punkt der Pennines, als er dem brüllenden Helm nachjagt – dem einzigen benannten Wind in Großbritannien. In Südeuropa folgt er der Bora – einer bitteren Nordküste, die von Triest über Slowenien bis an die kroatische Küste weht. Seine Jagd nach dem „schneefressenden“ Föhn wird zu einer mäandrierenden Reise der Erheiterung und Verzweiflung durch die Alpentäler der Schweiz, und seine letzte Wanderung folgt einem uralten Pilgerweg in Südfrankreich auf den Spuren des Mistral.

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Es sind Reisen mit wilden Winden, in wilde Landschaften und mit den Menschen, die sie bewohnen. Bald wird Hunt von den Kräften getragen, die er verfolgt, durch Regen, Schneestürme, heulende Stürme und zurück durch die Zeit. Denn wo der wilde Wind weht, gibt es auch Mythen und Legenden, Geschichte und Hörensagen, Wissenschaft und Aberglaube – und gelegentlich abgelegene Berghütten mit Gurken, Wurstwaren und hausgemachtem Alkohol.

Sicherlich sind schon viele von uns durch Europa gereist, aber meines Wissens hat bisher noch niemand die Königreiche der großen Winde so bewusst erkundet.

Hunt taucht in diese Winde ein und schafft es, seinen Lesern eine Explosion, einen Seufzer, einen Schauer von jedem zu bereiten. Er kombiniert Reisebericht, Beobachtung, Recherche, Einsicht und Witz in einem sehr cleveren, nahtlos lesbaren Buch. Er erklärt die Natur und Herkunft der Winde. Außerdem beschreibt er ihre Auswirkungen auf die Landschaft, auf die Menschen und auf sich selbst. Hunt hat sorgfältig recherchiert, in Literatur, Biographie, Geschichte und Politik, und die Fäden in eine Reihe von spannenden Geschichten verwoben.

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Helm, Bora, Föhn und Mistral – vier Winde in vier verschiedenen Gegenden. Die Beschreibungen der Landschaften, der Menschen und seiner Wanderungen sind sehr gelungen. Äußerst interessant sind auch seine Ausführungen, wie die Winde entstehen und wie sie Einfluss auf die jeweiligen Landschaften und Menschen haben, auf Kultur, Architektur und Lebensweise. Aber dann kommt der Punkt, wo es zu viel wird. Es fühlt sich so an, als wäre er ein Student an der Universität und hätte bemerkt, dass er zu wenig Material für seine Seminararbeit hätte und daher jedes kleinste Detail aus den unterschiedlichsten Quellen hervorkramte, das er finden konnte. Das hat mir nicht gefallen und da habe ich auch einiges übersprungen. Weniger, wäre hier sicherlich mehr gewesen.

Wenn der Autor dann aber beschreibt, wie er einem Wind begegnete und sich diesem entgegenstellte, was er dabei fühlte und erlebte, dann hat sich die Lektüre dieses Buches absolut gelohnt.  Andererseits war es für mich als Leser enttäuschend, wenn man zahlreiche Seiten liest und keinem Wind begegnet, genauso wie für den Autor, der tagelang durch teils trostlose Gegenden marschierte und nicht fand, was er suchte.

Fazit: Weder Sachbuch noch Reisebericht, aber irgendwas faszinierendes dazwischen. Ich bin froh es gelesen und die Winde kennengerlernt zu haben. „Mit dem Wind“ ist ein wunderschöner, unkonventioneller Reisebericht, der das Unsichtbare sichtbar macht.

Hier geht es zur Leseprobe
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (11. November 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442758440
  • ISBN-13: 978-3442758449
  • Preis: 22,00 Euro

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