Mit dem Auto durch Südengland fahren? Eigentlich kein sehr großes Problem, denn das ungewohnte Linksfahren hat man sich ziemlich schnell angewöhnt. Viel problematischer sind die Straßenverhältnisse, speziell in Südengland. Denn die Farmer haben hier die Angewohnheit, ihre Wiesen und Äcker mit wunderschönen, über die Jahre dicht bewachsenen Bruchsteinmauern – nicht selten über drei Meter –  zu begrenzen. Das ist schön anzusehen, bietet aber auch ein Problem. Denn diese grünen Mauern befinden sich direkt am Rand der Straße. Oder besser gesagt: es gibt keinen Straßenrand im herkömmlichen Sinne. Denn genau dort, wo die Straße aufhört, beginnt die Mauer bzw. die Hecke.

Das hat eine Reihe von eklatanten Auswirkungen: Die Landstraßen Südenglands sind kurvig und wellig. Dadurch ist der Straßenverlauf selten über mehr als 100 Meter einsehbar. Eigentlich kein so großes Problem. Zum Problem wird es erst, wenn die ohnehin schwierig zu fahrende Straße plötzlich sehr, ich betone, sehr eng wird.

Es bedeutet, frühzeitig zu erkennen, an welchen Engstellen noch zwei Autos nebeneinander passen oder wo dann doch eher der Außenspiegel leidet. Ich rate Ihnen, falls eine Hecke Ihnen in einer engen Kurve die Sicht versperrt, gehen Sie es langsam an und hupen sie. Bei Nacht schalten sie Ihr Fernlicht ein, sodass ein eventuell entgegenkommendes Auto sie wahrnehmen kann. Kein Problem, das machen alle hier!

Diese (immerhin!) asphaltierten Pfade sind maximal (mein Maß war: 1 Cornwall) für ein Fahrzeug ausgelegt, werden aber in beiden Richtungen befahren – Höchstgeschwindigkeit und Kurvenschneiden inklusive. Und so gereicht mir die Begegnung mit Lastern, Tankwagen. Doppeldeckerbussen oder gar Mähdreschern regelmäßig zum absoluten Millimeter-Manöver.

Möchte man sich nicht das Muster der Steinmauern bis in alle Ewigkeit in die Beifahrertür kratzen lassen oder bei derartigen Rangiermanövern einen Außenspiegel einbüßen, bleibt nur eines übrig: stehen bleiben und hoffen, dass ihr Gegenüber einen Plan – oder mindestens genügend Ortskenntnis oder gar Wagemut – hat, um eine Lösung herbeizuführen. Bei Doppeldeckerbussen, Mähdreschern usw. ist ein Zurücksetzen bis zur nächsten Ausweichbucht ein unbedingtes MUSS!

Alles in allem gesehen ist das Autofahren in Südengland eine ganz besondere Art der Fortbewegung. Zum Glück gibt es außerdem vielerlei Arten der Entspannung. Die wirklich Beste: bestellen sich einen gutgemachten Cream Tea (siehe Bild). Mit extra viel Clotted Cream und einem guten englischen Tee – es gibt nichts Besseres.

Alle Bilder: Höltkemeier

Mein Tipp: Nicht verzagen, waren sie eine Fahrt durch Südengland. es ist ein Erlebnis das man nicht missen sollte.

Für alle zarteren Gemüter (wie meine Frau): Kaufen Sie sich einen schönen Bildband von Cornwall, genießen Sie die wunderbaren Bilder und freuen Sie sich, dass Ihr Wagen unzerkratzt in der Garage steht.