Im östlichen Pazifik, in den sogenannten Rossbreiten (die Rossbreiten liegen etwa zwischen 25 und 35 Grad nördlicher und südlicher Breite zwischen Kalifornien und Hawaii) liegt ein Seegebiet in dem fast immer Windstille herrscht. Das Meerwasser in diesem Gebiet kreist langsam im Uhrzeigersinn, in der Mitte des Wirbels ist es nahezu regungslos. Unter Ozeanografen heißt dieses Gebiet gemeinhin „großer pazifischer Müllstrudel“. Auf der Meeresoberfläche schwimmen Plastiktüten, Flaschen-deckel, die Reste von Fischernetzen, Einmalrasierer, CD-Hüllen, Eimer, Kabeltrommeln, Zahnbürsten, Feuerzeuge. Das Gesamtgewicht dieses Plastikmülls beläuft sich auf geschätzte drei Millionen Tonnen.

Langsam dürfte es auch dem ahnungslosesten Leser dämmern, worum es sich handelt: Die größte wilde Abfalldeponie der Welt, wobei die Menschheit nur den Dreck zur Verfügung stellt. Angeliefert wird er dann von der Natur. 

Im „großen pazifischen Müllstrudel“ sammelt sich der schwimmende Müll, ob er nun irgendwo von einer offenen Müllkippe ins Meer geweht wurde oder von einem Frachter verloren ging. Nach ein paar Jahren tanzt alles im großen Wirbel mit. Alle zwei bis drei Jahre hat es das Treibgut geschafft: Dann ist es nach 13.000 Kilometern wieder an seinem Ausgangspunkt angekommen. Drei Millionen Tonnen Kunststoff kreisen im pazifischen Müllstrudel – dabei ist er nur einer von sieben riesigen subtropischen Meereswirbeln, in denen sich seit mehr als sechzig Jahren der industrielle Abfall der Menschheit sammelt.

Wie ernst die ganze Sache ist, zeigt ein Besuch an einem beliebigen Strand dieser Welt. Gleichgültig wo man ist, der Müll ist schon da. Wenn man am Strand spazieren geht, (sie sollten dazu früh aufstehen) braucht man sich nur zu bücken und aufzuheben, was die letzte Flut angeschleppt hat: ein halbes Dutzend Flaschenverschlüsse, eine Zahnbürste, drei Plastikflaschen, ein Feuerzeug, Fetzen von Plastiktüten. 

Ach ja: Zur Touristenattraktion wird der „große pazifische Müllstrudel“ wohl nicht werden. Zu lange ist die Anreise, zu unbequem die Realität, mit welcher der Besucher konfrontiert würde: Vor unserem Dreck vom Himalaja bis zum Pazifik gibt es kein Entrinnen mehr.