Schon lange reizte mich der Gedanke mit einem Rucksack eine Strecke von A nach B zu laufen. Also alleine einen DayRun (Tageslauf) zu machen, ohne Wettkampfcharakter. Ich habe mich dann aber für den Schwarzwald Westweg – Strecke Feldberg zum Belchen – entschieden. Mit einer Länge von etwa 26 km sollte das gut funktionieren.

Meine Planung sah vor, dies in etwa 5 Stunden zu bewältigen. Das größte Problem war die Rückfahrt vom Belchen. Da hatte ich aber mit meiner Frau eine klasse Helferin. Auf die Zeit kam es mir bei diesem Run nicht an. Nicht die Zeit, sondern das Weg war das Ziel. Jetzt hoffte ich nur noch, dass das Wetter einigermaßen mit macht.

Aber, Gott sei Dank, das Wetter war ideal zum Laufen. Leicht bewölkt und knapp 20 Grad.

Meine Lauftour führte mich auf dem Westweg vom höchsten Gipfel, dem Feldberg, zum höchstgelegenen Gasthaus Baden-Württembergs auf dem Belchen.

Feldberg Lauf (5)

Am Feldberg ging es los……

Feldberg Lauf 1 (2)

… und da wollte ich hin – zum Belchen.

Es ging vom Feldberg (1.493m), dem höchsten Berg im Schwarzwald, zum Belchen (1.414m), der Nummer 3 und dem Gipfel mit der höchsten Reliefenergie in den deutschen Mittelgebirgen, soll heißen: einem markanten Höhenunterschied zwischen Tal und Gipfel.

Felfberg Lauf NEU (2)

Es geht los!!

Als ich an diesem Morgen, von der Bushaltestelle beim Hotel Feldbergerhof los lief – in Richtung der Bergstation hinauf zum Seebuck – war es noch kühl. Windschutz war also angesagt. Ich war ganz schön nervös, schaffe ich das, oder scheitere ich? Alpe d’Huez und die 21 Serpentinen hatte ich ja auch geschafft, also warum diesen Lauf nicht.  Zur Vorsicht aber nahm ich mein Handy mit, falls ich doch unterwegs aussteigen wollte.

Feldberg Lauf 3 (1)

In Richtung der Bergstation hinauf zum Seebuck, das war jetzt schon ganz schön anstrengend. Über den Grüblesattel und am SWR-Sendeturm vorbei, erreiche ich den Gipfel des Feldbergs und damit den höchsten Punkt Deutschlands nördlich der Alpen (1493 m). SUPER bin oben!!

Ich laufe, und laufe, und laufe ….Meine Handy-App sagt 9,30 Minuten für den Kilometer – so schnell? Hoffentlich geht das gut. Ich bin jetzt schon am Limit. War wohl zu schnell. Ich schalte zwei Gänge zurück.

Kaum einen Kilometer hinterm Gipfel machte ich dann an der St. Wilhelmer Hütte eine kurze Pause und gönnte mir einen Espresso, bevor ich weiter lief.

Feldberg lauf

Am Gasthaus Stübenwasen vorbei verlor ich ganz allmählich die hart erkämpften Höhenmeter. Im Abstieg zum Stübenwasen liegt rechts die St. Wilhelmer Hütte, links unten die Todtnauer Hütte. Der baumlose Stübenwasen (1386 m) ist der fünfthöchste Berg des Schwarzwaldes und bietet eine weite Sicht ins Große Wiesental und auf mein heutiges Ziel, den Belchen.

Die Sonne wärmt jetzt schon ganz schön und so versuchte ich meine Jacke auszuziehen. Dabei zerrte ich mir irgendwie meine schon kaputte Schulter. Fein, denke ich sarkastisch, nun habe ich wenigstens noch anderswo einen Schmerz, auf den ich mich fokussieren kann.

Auf den nächsten sechs Kilometern ging es dann immer im Wald abwärts zum Notschrei. Der Name dieses Passes geht auf die eindringliche Petition der Gemeinden des Oberen Wiesentals zurück, die Anfang des 19. Jahrhundert den Bau einer Straßenverbindung ins Breisgau wünschten.

Feldberg Lauf (3)

Der Notschrei

Kurz vor der Kreuzung Notschrei (km 67,5/1121 m) komme ich an der Biathlon-Schließanlage vorbei und befinde mich nun auf breiten Wegen, die im Winter das verzweigte Langlaufloipennetz bildeten. Am Hotel Notschrei querte ich die Straße nach Todtnau und gelangte auf dem Notschreiweg durch das wunderschöne Langenbachtal.

Feldberg Lauf 1 (3)

Nur noch schlappe 6 Kilometer sind es bis zum Wiedener Eck (km 73,8/1037 m), meist bergab und zum Teil auf schmalen, steinigen Trails. Wieder im Wald, führt ein kurzer Anstieg zum Trubelsmattkopf (1226 m) hinauf, um gleich wieder zur Passhöhe Wiedener Eck (1035 m) abzusteigen, dem tiefsten Punkt der Etappe. Gleiches wiederholt sich mit dem Heidstein (1194 m) und dem Sattel der Krinne (1117 m). Geht ganz heftig in die Beine. Ich laufe jetzt im niedrigsten Gang. Gleich bleibe ich stehen – bloß nicht.

Im Laufen versuche ich an meinen Energieriegel im Laufrucksack zu kommen. Er verspricht neuen Treibstoff: vier Gramm Eiweiß, 36 Gramm Kohlenhydrate, fünf Gramm Fett, zwei Gramm Ballaststoffe, 201 Kilokalorien in 56 Gramm Riegel. Ihn herunterzuwürgen bereitet Probleme. Als ob ich davon nicht schon genug hätte. Mit Wasser aus meiner Trinkflasche spüle ich hinterher.

Feldberg Lauf (1)

Angekommen – Gasthof Belchen

Jetzt geht es hinauf auf den Belchengipfel. Immer enger ziehen sich die Serpentinen im zunehmend anspruchsvoller werdenden Gelände, bis schließlich die breite Gipfelkuppe auf 1414 Metern erreicht ist. Vom Gipfelkreuz reicht der Blick bis hin zur Rheinebene, zu den Hochvogesen, ins Wiesental sowie zum Feldberg und zu den schimmernden Eisriesen der Schweizer Alpen. Einfach grandios!

Hier noch ein paar Sprüche von Wanderern, die ich unterwegs getroffen habe:

„Hast du es etwa eilig?“
„Ist das nicht anstrengend?“
„Du brauchst nicht so zu rennen, Junge. Die Darmstädter Hütte hat heute zu!“
„So bin ich früher auch mal gelaufen“ (ein älterer Herr)

Und einige interessante Links

St. Wilhelmer Hütte

Belchenhaus

Waldhotel am Notschreipass

www.naturpark-suedschwarzwald.de/bildungsangebote/haus-natur

naturschutzzentrum@naz-feldberg.de