„Alle reden vom Wetter, wir nicht“ – war der unvergessene Slogan der Deutschen Bahn aus den sechziger Jahren. Heute würde die Bahn diesen Spruch wohl nicht mehr anwenden wollen.

In den letzten Wochen redet alles vom Wetter, von Starkregen, und von Überschwemmungen. Es ist schon verrückt, da schießen wir Menschen auf den Mond, ersetzen Herzen, bauen Supercomputer und riesige Brücken, kurz gesagt wir vollbringen mit unserer Technik schier Unglaubliches. Doch wenn der große Vater Rhein, oder die kleine Ruhr, und so viele andere Flüsse und Flüsschen – bedingt durch Starkregen – sein angestammtes Bett verlässt, dann steht tausenden von Anwohnern buchstäblich das Wasser bis zum Hals – und es sterben immer mehr Menschen.

Trotz aller Fortschritte ist unsere High-Tech-Gesellschaft Naturkatastrophen immer wieder hilflos ausgeliefert. Voraussagen mittels Computer und anderem technische Schnickschnack, aber auch Präventiv-Maßnahmen erweisen sich mehr denn je als sehr trügerisch. Wir Scheidern immer wieder an der Natur und an uns selbst.

Doch der Glaube an die Technik scheint heute ungebrochener denn je. Und weil nicht sein kann, was nicht sein darf, werden beispielsweise Rhein-Auen als Siedlungsflächen aus gewiesen.

Ein großer Teil Deutschlands ist mittlerweile von Asphalt und Beton bedeckt. Da darf man sich nicht wundern, wenn länger anhaltende starke und ergiebige Niederschläge im Uferbereich von Rhein, Main, Mosel, Donau, Inn oder irgend einem kleinen Bächlein, die dort Wohnenden absaufen lassen.

Mit der abziehenden Flut aber taucht der Kostenberg auf: Eine gigantische Summe, wenn man private Verluste, Zerstörung von Infrastrukturen, die öffentlichen Kosten der Katastrophen-Bekämpfung und den Arbeitsausfall zusammenzählt.

Die Verluste an Menschenleben steigen – im Vergleich zu den vergangenen Jahre – erschreckend an. Gerade wieder wurde gemeldet, hier ein Feuermann, da 33 vermisste Einwohner eines kleinen Dorfes. Da kann man nur hoffen, dass es nicht noch mehr werden, denn jeder Toter ist einer zuviel.

Ausgelöst wurde dieses Problem freilich durch eine Fülle von Versäumnissen, die allesamt seit langem bekannt sind und bei jeder Gelegenheit als Sprechblasen aus dem Wasser blubbern. Die wahren Opfer sind jene Stadt- und Landbewohner, die das Hochwasser über die versiegelten Auen schnurstracks und schnell wie über eine Rutsche, in ihren Häusern besuchte.

Technik ist nun mal kein Allheilmittel,  und schon gar nicht gegen Hochwasser. Hier stößt der scheinbar alles beherrschende Mensch an seine Grenzen.

Doch egal wie gut die Vorhersagemechanismen entwickelt werden, bis erste Ergebnisse der gemeinsamen und blumig umschriebenen Bemühungen greifen, vergehen Jahre, in denen wir bestimmt noch mehrmals für unser Naturverschandelung bestraft werden können. Der Klimawandel ist unübersehbar. Und wie hoch die Deiche und Flutmauern jetzt auch gebaut werden, der nächste Starkregen wird kommen so sicher wie Ostern und Weihnachten. An das Tief „Bernd“ und seine Verwüstungen werden wir noch lange denken.